Ich stricke einen Schnitt immer und immer wieder, seit Jahren. Es ist Nora – und sie ist das Gegenteil von allem, das nach Rage von oben klingt. Ein gerader Schnitt, schräge Schultern, super wenig Abnahmen, aus jeder Wolle möglich. Und das Beste: Mit einem einzigen Design kann man mehr Variationen stricken, als man gedacht hat.
Was macht Nora zur perfekten Übergangslösung?
Übergangspullover zu stricken ist eigentlich ein klassisches Problem: Der Winterpulli ist zu warm geworden, man hat ihn lange genug getragen und braucht Abwechslung. Aber Sommerpullover sind noch zu kühl. Man braucht etwas für zwischendrin – etwas, das man leicht an- und ausziehen kann, unkompliziert ist und trotzdem gut aussieht. Für mich ist das die Nora.
Was diesen Schnitt so besonders macht, ist die lange, schräge Schulter. Dieses Schulterdetail ist nicht nur modern vom Schnitt her – es sorgt für ein fantastisches Tragegefühl. Es gibt Form und Struktur, wirkt aber gleichzeitig überhaupt nicht streng. Man hat ein bisschen Halt darin, ohne sich eingeengt zu fühlen. Und diese Klarheit in der Struktur ermöglicht alles: eng anliegend oder Oversize, clean oder gemustert, elegant oder lässig. Mit Krausrechts oder mit Struktur. Nora funktioniert einfach.
Ein Schnitt, einmal gelernt, hundertfach variierbar
Das Schöne an Nora ist, dass man diesen Schnitt nach dem ersten Stricken verstanden hat. Man weiß, wie er sitzt, wie er fällt, wie er sich anfühlt. Und ab da kann man anfangen zu variieren. Einmal anliegend, einmal Oversize. Einmal ganz schlicht in Rechts, einmal mit wunderschönem Blumenmuster oder Krausrechts mit Struktur. In flauschiger Wolle oder in glattem Garn. Jedes Mal ist es Nora, aber jedes Mal ein bisschen anders. Das ist, warum ich mir diese Nora seit Jahren immer wieder neu stricke – und warum sie mich als zuverlässiger Begleiter nie verlässt.
Meine erste Nora ist etwa acht Jahre alt: aus einem grauen, leichtflauschigen Volumengarn, eng gestrickt, komplett nur aus rechten Maschen. Keine einzige linke Masche, keine Bündchen, einfach nur Rechts. Und ich habe sie geschleppt wie verrückt. Sie ist noch immer in fantastischem Zustand – kleine Schlitze an den Seiten, aber die Wolle sieht noch so gut aus. Das ist ein Zeichen für Qualität. Rechts ist zwar ein weiches Strickmuster, das schneller ausleiert als andere, aber ein Bad und Trocknen macht sie wieder wie neu.
Dann kam Nora Nummer zwei – mindestens genauso alt, sechs, sieben Jahre locker. Auch wieder Volumenwolle, genauso unkompliziert, aber diesmal blau, viel weiter und viel länger. Komplett Oversize von Anfang an. Dieser Pulli ist riesig groß zum Reinkuscheln, dabei aber überhaupt nicht schwer. Das gleiche Prinzip: lange schräge Schultern, komplett in Krausrechts gestrickt, keine linke Masche. Und auch bei diesem Pulli hat sich die Wolle hervorragend gehalten.
Dazu kamen Noras mit Blockstreifen in Gelb und Grün, ein grauer mit Blumenstraußmuster und glänzendem Viskosegarn – perfekt für den Übergang mit dieser wunderschönen Schattenwirkung aus abgewechselten Krausestreifen und glatten Streifen. Ein Übergangspulli in Flieder mit Lochmusterstreifen durch die Mitte, in sanfter Baumwolle gestrickt. Und ganz zuletzt: Nora in reinem Weiß, 100 Prozent Baumwolle, auch wieder pure Rechts. Im Sommer ist dieser Pulli phänomenal – er passt zu allem und bleibt einer meiner Lieblingspullis, wenn es wärmer wird.
Einfache Schnitte verzeihen Anfängerfehler
Was einfach bedeutet? Für mich: Ein Schnitt ist für Anfänger zu stricken und er verzeiht Anfangsfehler. Wenn man die Maschenprobe noch nicht ganz perfekt trifft und der Pulli am Ende plötzlich fünf Zentimeter weiter ist als geplant – Nora verzeiht das. Wenn man eine andere Wolle strickt als die ursprüngliche, wenn man anfangs gar nicht weiß, wie weit der Pulli werden soll – dieser Schnitt ist großzügig. Die Erfolgschance ist einfach sehr hoch.
Ja, man muss zusammennähen. Seitennähte, Ärmel eingenäht, die schräge Schulter zusammengenäht. Nora ist nicht rund gestrickt. Aber nicht alles muss von oben nach unten in Runden entstehen. Irgendwann sollte man sich auch mal mit dem Thema Nähe auseinandersetzen – und Nähe haben viele Vorteile. Sie geben Form, machen das Ganze stabil, und ein paar gerade Nähe bei Nora sind wirklich nicht die Welt. Plus: Wer will, kann auch ein Throwon stricken, indem man einfach die Ärmel weglässt. Oder sogar eine Jacke, wenn man die Mitte offenlässt und eine Blende strickt.
Wie du deine perfekte Nora findest
Wenn du Lust bekommen hast, Nora zu stricken, musst du dir nur drei Dinge überlegen: Erstens, soll sie eng anliegend und figurbetonend sein – vielleicht wie so ein klassischer Chanel-Pullover – oder soll sie Oversize sein? Zweitens: Soll sie komplett schlicht in Krausrechts gestrickt werden, oder möchtest du ein Muster einbringen? Und drittens: Welche Wolle spricht dich an? Die Antworten auf diese Fragen führen dich direkt zu deiner persönlichen Nora-Version.
Das Geniale ist: Ob du eine leichte Merino Linen für den Übergang nimmst, eine Baumwolle für den Sommer, oder im Winter ein kuscheliges Merino DK – jede Wolle erzählt eine andere Geschichte mit Nora. Die Garnung bestimmt das Klima, die Gewicht, den Look. Deshalb funktioniert dieser Schnitt wirklich für jede Jahreszeit.
Besonders geeignet für Übergangspullover:
Merino Linen & leichte Mischungen: Cowgirlblues Merino Linen für den klassischen Übergangspull – luftig, elegant, perfekt zwischen den Jahreszeiten. BC Garn Allino oder Brisa für den Sommer mit etwas Struktur. Kremke Sustainable Fibers Vegan Cashmere (Baumwolle mit zartem Glanz) für sommerliche Eleganz.
Sommergarne: Erika Knight Studio Linen für reine Leinenqualität, perfekt für Wärme ohne Gewicht. 100 Prozent Baumwolle für klassische Sommernoras wie die weiße Variante.
Wintergarne: Cowgirlblues Merino DK für kuschelige Winternoras, flauschig und praktisch. Volumengarne für die Extra-Portion Gemütlichkeit.
Entdecke alle geeigneten Garne in unserer Collection Ganzjahresgarne.
