Blocken oder Spannen heißt: Du bringst ein Strickstück mit Feuchtigkeit in Form und lässt es so trocknen. Dabei können sich Lochmuster öffnen, zusammengezogene Muster ausbreiten und die Maschen gleichmäßiger hinlegen. Es ist keine Pflicht nach jedem Strickprojekt. In meinem Video „Blocken und Spannen mit diesen einfachen Tools“ zeige ich dir meinen Weg mit Spanndrähten.
Was ist Blocken beim Stricken?
Die Wörter Blocken und Spannen werden meist für denselben Arbeitsschritt benutzt. „Blocking“ ist das englische Wort dafür. Von Blocken spricht man oft bei Lace und Ajour, also bei durchbrochenen Lochmustern. Spannen wird allgemeiner verwendet.
Ein Tuch ziehst du auf die gewünschten Maße, steckst es fest und lässt es feucht trocknen. Bei einem Pullover muss das nicht genauso aussehen. Ich spanne meine Tücher und dämpfe meine Oberteile. Wie beides geht, zeige ich dir hier.
Wann lohnt sich Blocken?
Bei einem Lochmuster siehst du oft erst nach dem Spannen richtig, was du gestrickt hast. Die Öffnungen werden sichtbar und die Kanten lassen sich ausrichten. Auch bei einem Strukturmuster, das sich stark zusammenzieht, oder beim Erreichen der geplanten Maße kann Spannen helfen.
Mein Schal Waves hat beim Spannen mindestens 20 bis 30 cm Länge gewonnen und ist auch etwas breiter geworden. Das zeige ich im Video ab 4:26. Das ist die Veränderung bei diesem Schal, kein Maß, das du auf dein Projekt aufschlagen kannst.
Einen glatten, dichten Pullover musst du nicht feststecken, nur weil er fertig gestrickt ist. Schau dir an, wie er sitzt und ob du an der Form überhaupt etwas ändern möchtest.
Was du zum Blocken brauchst
- Eine weiche Unterlage, in die du Nadeln stecken kannst, etwa eine Spannmatte.
- Stecknadeln oder T-Pins. T-Pins sind Spannnadeln mit einem T-förmigen Kopf.
- Für gerade Kanten Spanndrähte. Du fädelst sie durch den Rand und spannst damit die ganze Kante. Bei Bedarf gibt es zusätzliche Spanndrähte.
- Einen Blumensprüher mit Wasser oder feuchte Handtücher.
- Ein Maßband zum Prüfen von Länge und Breite.
Ohne Spannmatte geht es auch. Weiter unten findest du die Möglichkeiten mit Teppich oder Bett.
Strickstück blocken: Schritt für Schritt
Ich wasche meine Tücher vor dem Spannen normalerweise nicht komplett. Ich stecke sie zuerst fest und befeuchte sie danach. Eine Ausnahme mache ich bei Seide, weil sie ihre Maße beim Waschen stark verändern kann.
Lege die Unterlage aus. Sie muss groß genug für das Tuch in seiner gespannten Form sein. Lege das Strickstück darauf und schau, welche Kanten du ausrichten möchtest.
Fädle den Spanndraht dicht am Rand durch das Gestrick, abwechselnd von oben und von unten. Lass zwischen den Einstichstellen nicht mehr als etwa 5 cm Abstand. Reicht ein Draht nicht über die ganze Kante, fädle einen zweiten leicht überlappend ein.
Ziehe das Tuch auf die gewünschten Maße. Stecke die T-Pins hinter dem Draht in die Unterlage, sodass sie den Draht halten. Ich setze sie ungefähr alle 10 bis 12 cm. An den geraden Kanten der Matte kannst du dich beim Ausrichten orientieren. Prüfe Länge und Breite mit dem Maßband.
Sprühe das Tuch mit dem Blumensprüher gleichmäßig feucht. Möchte ich das Muster glatter haben, lege ich feuchte Handtücher darauf. Sie geben zusätzlich Druck auf das Gestrick.
Lass alles vollständig trocknen. Ziehe erst dann sämtliche Nadeln heraus und danach die Spanndrähte.
Du kannst ein Strickstück auch zuerst vollständig waschen und danach in Form legen oder feststecken. Die Waschschritte findest du im Ratgeber Wollpullover waschen.
Blocken ohne Matte
Du brauchst keine besondere Matte, um ein Tuch zu spannen. Lege ein Handtuch oder ein Laken auf einen Teppich, ein Bett oder ein Gästebett. Darauf richtest du das Tuch aus und steckst es mit Nadeln fest. Die Unterlage muss die Nadeln halten und während des Trocknens frei bleiben.
Bei einem Pullover geht es auch ohne Feststecken. Du kannst ihn hinlegen und ein feuchtes Handtuch darauflegen. Oder du dämpfst ihn, wie ich es mit meinen Oberteilen mache.
Dämpfen statt Spannen
Beim Dämpfen kommt die Feuchtigkeit als Wasserdampf aus dem Bügeleisen. Das Eisen schwebt über dem Strickstück, es liegt nicht darauf. Ich dämpfe meine Oberteile und spanne meine Tücher.
- Lege das Oberteil auf das Bügelbrett und bringe es in Form.
- Beginne mit zwei Punkten am Bügeleisen und probiere es zuerst an einer Ecke aus. Das Eisen darf nicht tropfen.
- Führe das Eisen mit viel Dampf über das Gestrick, ohne es zu berühren. So kannst du auch die Nähte glätten.
- Lass das Oberteil auf der Unterlage erkalten.
Dämpfen ist für den Anfang schwieriger als Spannen. Wenn du das Eisen aufdrückst, machst du das Muster platt; zu viel Hitze kann das Gestrick verbrennen, ein tropfendes Eisen macht es zu nass. Im Video „Bügeln oder Spannen“ zeige ich dir den Unterschied.
Welches Garn wie blocken?
Bei Wolle und Merino nutze ich Feuchtigkeit, damit sich das Gestrick entspannt und in Form legen lässt. Beachte die Pflegeangaben auf der Banderole und probiere die Behandlung zuerst an deiner Maschenprobe aus. Die kleine Strickprobe behandelst du vor dem Messen genauso wie später dein fertiges Stück. Danach kannst du mit dem Maschenproben-Rechner weiterrechnen.
Muss man überhaupt blocken? Meine Meinung
Für mich ist Spannen ein Werkzeug, keine Pflicht. Wenn du ein Lochmuster öffnen oder eine Kante ausrichten möchtest, nutze es. Wenn dein Pullover so sitzt und fällt, wie du ihn haben möchtest, musst du ihn nicht noch feststecken. Entscheidend ist, ob dir das Ergebnis gefällt. Mehr dazu erzähle ich im Strickcast über Blocken, Spannen und Waschen.
Häufige Fragen zum Blocken und Spannen
Was bedeutet Blocken beim Stricken?
Du bringst dein Strickstück mit Feuchtigkeit in Form und lässt es so trocknen. Bei einem Tuch steckst du dafür die Kanten auf die gewünschten Maße fest.
Was ist der Unterschied zwischen Blocken und Spannen?
Die Begriffe werden meist gleich gebraucht. Blocken hört man oft bei Lace und Ajour, also Lochmustern; Spannen ist der allgemeinere Begriff.
Muss man einen Pullover blocken?
Nein. Einen glatten, dichten Pullover musst du nicht feststecken, wenn Form und Sitz schon passen. Ich dämpfe meine Oberteile.
Wie blockt man ohne Spannmatte?
Lege ein Handtuch oder Laken auf einen Teppich oder ein Bett und stecke das Tuch darauf fest. Die Unterlage muss die Nadeln halten und während des Trocknens frei bleiben.
Muss ich vor dem Blocken waschen?
Ich wasche vor dem Spannen normalerweise nicht komplett, sondern befeuchte das festgesteckte Tuch. Bei Seide mache ich eine Ausnahme, weil sie ihre Maße beim Waschen stark verändern kann.
Kann man Strickteile dämpfen statt spannen?
Ja, ich mache das bei Oberteilen. Das Bügeleisen schwebt mit Dampf über dem Gestrick und berührt es nicht; danach lässt du das Teil erkalten.
Wie lange muss ein Strickstück trocknen?
Bis es ganz trocken ist. Erst dann entfernst du die Nadeln und die Spanndrähte.
Wenn es dir um die Pflege nach dem Tragen geht, lies bei Wollpullover waschen oder Wollsocken waschen weiter.
