Was bleibt von einem Jahr, das so viel verändert hat? Diese Frage hat mich durch 2025 begleitet. Im Rückblick erkenne ich nicht einfach ein abgelaufenes Jahr voller Projekte und Formate – ich sehe einen Transformationsprozess, der mich und mein Stricken tiefgreifend verändert hat. Das Strickjahr 2025 war kein linearer Weg. Es war ein Wechselbad zwischen Neubau und Abriss, zwischen klarer Struktur und befreiendem Loslassen.
Bookish Knits: Als die Geschichten in die Maschen kamen
Am Anfang des Jahres spürte ich einen inneren Drang, der über reine Stricktechniken und Livestreams hinausging. Ich hatte im Vorjahr angefangen, meine Lieblingsbücher in Strickdesigns zu verweben – nicht als Dekoration, sondern als echten emotionalen Ausdruck. Mit jeder Masche merkte ich: Ich stricke nicht einfach nur. Ich erzähle meine Emotionen. Ich verarbeite die Geschichten, die mich bewegen.
Diese Erkenntnis führte zu Bookish Knits, einer neuen Ausrichtung meines Schaffens. Ich brachte meine Liebe zu Romantasy, Genre-Sehnsüchten und literarischen Leidenschaften in die Livestreams. Nicht jeder verstanden das sofort – einige schüttelten den Kopf. Aber ich wusste, ich muss es so tun, denn ich lese tief, obsessiv, ohne Distanz. Und genauso stricke ich auch. Der Unterschied war nur, dass ich es jetzt laut aussprac, jetzt teilte. Das veränderte alles.
Struktur bauen, Systeme sprengen – und wieder aufbauen
Parallel zu dieser emotionalen Öffnung baute ich Strukturen auf. Im Reddit-Strickforum entstanden neue Formate: Maschenmontag, VIP-Mittwoch, Farbenfreitag – eine Ordnung innerhalb des wachsenden Chaos. Aber ich lernte schnell eine wichtige Lektion: Struktur darf halten, aber nicht einsperren. So baute ich Systeme auf und sprenge sie wieder, wenn sie zu rigid wurden. Ich probierte, ich fühlte, ich ließ los und begann von vorn. Das Strickjahr 2025 war weniger ein perfekt durchgeführter Plan als vielmehr ein ständiges Experimentieren.
Dann sprach ich über das, das lange Zeit unsichtbar war. Ich redete über neurodiverse Züge in mir – über Muster, die mir helfen, über Muster, die mich überfordern. Über autistische und ADHS-Züge. Viele von euch erkannten sich darin wieder. Diese Momente der Verbindung überraschten mich. Aus diesen Gesprächen entstand etwas Tieferes: Schattenmaschen wurden größer, klarer, bedeutungsvoller. Nicht nur reine Technik, sondern ein Ausdruck von Emotionen, Gedanken und Geschichten.
Der Strickcast als Anker – und die Community, die wuchs
Im Sommer entstand der Strickcast: mein wöchentlicher Mittwoch, mein Fixpunkt, mein Raum für Gedanken, Tiefe und das, was zwischen den Maschen liegt. Mit dem Strickcast kamen noch mehr Veränderungen. Die Discord-Community wurde zu einem meiner Lieblingsorte – ein Raum, in dem Menschen mit einer Liebe zu Büchern, Tiefe und Neurodiversität zusammenkommen. Die YouTube-Mitgliedschaften verwandelten sich von reinen Spenden in echte Zusammenarbeit: Ich teile Schattenmaschen-Anleitungen, ihr bringt Ideen, Farben und Wünsche mit. Zusammen ist etwas entstanden, das ich Schattenreich nenne – ein geschützter Raum für Austausch, für Tiefe, für Echtheit.
Frostbound Hearts: Meine erste unabhängige Kollektion
Der Herbst brachte einen Sprung in ein für mich neues Kapitel. Frostbound Hearts war meine erste vollständig unabhängige Kollektion – nicht als Auftrag, nicht mit Sponsoren, nicht mit irgendjemandem, der Richtungen vorgab. Ich habe 30 Jahre Strickdesign gemacht, aber immer für andere. Diese Kollektion gehörte nur mir. In jeden Namen – abgeleitet aus Romantasy-Büchern – habe ich alles gestrickt, das mich bewegt. Frostbound Hearts war ein Statement: Das bin ich, ohne Filter.
Im Herbst dachte ich, ich sei durch mit dem Jahr. Es war genug Veränderung. Aber das war nicht wahr. Der Herbst brachte noch mehr: Sturm, tiefe Veränderungen, Klarheit, Loslassen. Alte Kontakte gingen, alte Muster lösten sich auf, innere Prozesse hörten nicht auf. Ich experimentierte auch mit KI im Strickbereich – das erzeugte Diskussionen. Gelegentliche englische Wörter in meinen Videos erzeugte Diskussionen. Aber hier ist die Wahrheit: Ich kann nicht für alle stricken. Ich kann nur für mich stricken und für die, die das so fühlen.
Was bleibt: Echtheit als Kompass
Wenn ich das Strickjahr 2025 zusammenfasse, sehe ich keinen perfekt geplanten Weg. Ich sehe konstantes Wachstum, Reibung, Bewegung. Und Stricken passt wunderbar dazu: Fortschritt ist nicht linear. Auftrennen ist manchmal richtig. Rückschritte führen zu neuen Wegen. Das ist die Essenz des Strickens – und das ist, was 2025 mich gelehrt hat.
Für 2026 erwarte ich keinen Neuanfang, sondern einfach den nächsten Kreis. Mehr Tiefe, mehr Bedeutung, mehr Raum für das, was zwischen den Maschen liegt. Der Strickcast bleibt, Schattenmaschen bleibt, Stricken bleibt das Hauptthema. Was sich gezeigt hat in 2025: Echtheit ist kein Risiko. Echtheit ist ein Kompass. Ich kann zwischen Sturm und Struktur leben, zwischen Autismus und ADHS, zwischen Handwerk und KI, zwischen Veränderung und Kontinuität. All das gehört zu mir. Und das ist, was ich ins nächste Jahr mitnehme.
Erwähnte Garne & Inspirationen:
Cowgirlblues Merino DK · Kremke Soul Wool · BC Garn · Schadee Yarns · Garne aus den Bookish Knits Kollaborationen
