Ist deine Maschenprobe zu klein, hast du mehr Maschen auf 10 cm als die Anleitung. Dein Strickstück wird schmaler. Ist deine Maschenprobe zu groß, hast du weniger Maschen auf 10 cm. Dann wird es breiter und braucht mehr Garn. Schon eine Masche Unterschied macht bei meinem Anfängerpullover Nora etwa eine ganze Größe aus. Am einfachsten wechselst du die Nadelstärke, bis deine gewaschene Probe passt.
Hier siehst du an Nora in Größe M, was genau mit Breite, Länge und Ärmeln passiert. Wie du eine Maschenprobe strickst und misst, zeige ich dir im Video „Maschenproben - Stricken lernen - Grundlagen“.
Zu klein und zu groß · Das Beispiel Nora · Probe zu klein · Probe zu groß · Länge und Ärmel · Was du tun kannst · Häufige Fragen
Was heißt „Maschenprobe zu klein“ und „zu groß“?
Eine Maschenprobe ist ein kleines Probestück aus deinem Garn. Die Anleitung sagt dir, wie viele Maschen und Reihen auf 10 cm kommen sollen. Bei Nora sind das 13 Maschen und 26 Reihen in kraus rechts. Kraus rechts heißt: Du strickst in jeder Reihe nur rechte Maschen.
Zähl auf deiner Probe 13 Maschen ab und miss, wie breit sie sind. Sind es weniger als 10 cm, ist deine Probe zu klein. Deine Maschen sind kleiner, und auf 10 cm passen mehr als 13 Maschen. Sind die 13 Maschen breiter als 10 cm, ist deine Probe zu groß. Dann passen weniger Maschen auf 10 cm.

Dieselben 13 Maschen in drei Proben: zu klein, passend und zu groß.
| Deine Probe | Maschen auf 10 cm | 13 Maschen sind |
|---|---|---|
| zu klein | 14 | rund 9 cm |
| passt | 13 | 10 cm |
| zu groß | 12 | rund 11 cm |
Ein Zentimeter klingt nach wenig. Aber der Rücken von Nora ist sechs solcher 10-cm-Stücke breit. Der Unterschied kommt also sechsmal zusammen.
Das Beispiel: Pullover Nora in Größe M
Nora ist mein kostenloser Pullover für Anfänger. Du strickst Rücken, Vorderteil und zwei Ärmel einzeln von unten nach oben. Für Größe M schlägst du für den Rücken 78 Maschen an. Mit der richtigen Maschenprobe wird er 60 cm breit. Rücken und Vorderteil zusammen ergeben 120 cm Oberweite. Das ist der Umfang des fertigen Pullovers um die Brust. Die Anleitung findest du als Pullover Nora im Shop.
Wichtig für alles, was jetzt kommt: Manche Stellen der Anleitung stehen in Zentimetern, andere in Maschen und Reihen.
- In Zentimetern: wie lang du strickst, bis die Schulter beginnt, und wie lang der Ärmel wird.
- In Maschen: der Anschlag und die Maschen, die am Hals übrig bleiben.
- In Reihen: die Abnahmen für die Schulterschräge, also die schräge Kante oben am Rücken und Vorderteil, und die Zunahmen am Ärmel.
Was in Zentimetern steht, misst du nach. Das bleibt gleich, egal wie deine Probe ausfällt. Was in Maschen und Reihen steht, wird mit deiner Probe kleiner oder größer.
Maschenprobe zu klein: Der Pullover wird enger
Angenommen, deine gewaschene Probe hat 14 Maschen und 28 Reihen auf 10 cm. Du strickst trotzdem genau nach Anleitung.
- Der Rücken wird 56 cm breit statt 60 cm.
- Die Oberweite liegt bei 111 cm statt 120 cm. Das ist fast die Oberweite von Größe S.
- Der Halsausschnitt am Rücken wird 26 cm breit statt 28 cm. Er ist also etwas enger am Kopf.
- Die Schulterschräge wird etwas flacher. Der Rücken endet bei 66 cm statt 67 cm.
Du strickst also Größe M und bekommst ungefähr die Weite von S. Nora ist als weiter Oversize-Pullover gedacht. Ein Teil dieser lockeren Weite fehlt dann.
Weniger Garn brauchst du dabei nicht unbedingt. Für dieselbe Länge in Zentimetern strickst du mit kleinen Maschen mehr Reihen.

Der Rücken von Nora in Größe M bei drei Maschenproben. Gestrichelt das Maß mit passender Probe.
Maschenprobe zu groß: Der Pullover wird weiter
Jetzt der umgekehrte Fall: Deine Probe hat 12 Maschen und 24 Reihen auf 10 cm.
- Der Rücken wird 65 cm breit statt 60 cm.
- Die Oberweite liegt bei 130 cm statt 120 cm. Das ist etwas mehr als Größe L.
- Der Halsausschnitt am Rücken wird 30 cm breit statt 28 cm.
- Die Schulterschräge wird etwas höher. Der Rücken endet bei 68 cm statt 67 cm.
Du strickst dieselbe Zahl an Maschen, aber jede Masche ist größer und braucht mehr Faden. Mit einer zu großen Probe kann die Garnmenge der Anleitung deshalb knapp werden. Die 20 % Reserve, die ich bei Nora einplane, sind dann schnell aufgebraucht.
Warum sich die Länge kaum ändert und die Ärmel nicht mehr passen
Bei Nora strickst du bis zum Schulterbeginn nach Zentimetern. Du misst einfach nach und hörst bei der richtigen Länge auf. Nur die Schulterschräge wird nach Reihen gestrickt. Sie ist mit passender Probe etwa 15 cm hoch. Mit einer zu kleinen Probe sind es gut 14 cm, mit einer zu großen knapp 17 cm. Deshalb ändert sich die Rückenlänge nur um etwa 1 cm.
Beim Ärmel ist es genauso: Er wird immer 45 cm lang, weil du nach Maß strickst. Seine Breite hängt aber an den Maschen. Oben hat er 52 Maschen.

Der Ärmel von Nora in Größe M. Die gestrichelte Linie im Ärmel zeigt, wo die letzte Zunahme liegt.
Die Anleitung lässt dich an Vorderteil und Rücken 20 cm unter der Schulter markieren. Zwischen den Markierungen nähst du den Ärmel an. Diese Öffnung, das Armloch, ist also 40 cm lang. Mit passender Probe ist der Ärmel oben genau 40 cm breit. Mit einer zu kleinen Probe sind es nur 37 cm, mit einer zu großen 43 cm. Der Ärmel passt dann nicht mehr sauber zwischen die Markierungen.
Auch die Zunahmen verschieben sich, weil sie nach Reihen kommen. Mit einer zu großen Probe ist der Ärmel erst ganz oben fertig zugenommen. Mit einer zu kleinen Probe bist du schon bei 39 cm fertig.
| Maß | zu klein (14 M, 28 R) | passt (13 M, 26 R) | zu groß (12 M, 24 R) |
|---|---|---|---|
| Breite Rücken | 56 | 60 | 65 |
| Oberweite | 111 | 120 | 130 |
| Rückenlänge | 66 | 67 | 68 |
| Halsausschnitt Rücken | 26 | 28 | 30 |
| Ärmel oben | 37 | 40 | 43 |
| Ärmel unten | 23 | 25 | 27 |
| Ärmellänge | 45 | 45 | 45 |
Was du tun kannst, wenn deine Maschenprobe nicht passt
1. Nadelstärke wechseln
Ist deine Probe zu klein, hast du zu viele Maschen auf 10 cm. Dein Gestrick muss lockerer werden, also nimmst du eine dickere Nadel. Ist deine Probe zu groß, hast du zu wenige Maschen. Dann nimmst du eine dünnere Nadel. Stricke danach eine neue Probe. Im Video ab 21:09 rechne ich dir das an einer Probe vor.
2. Neue Probe waschen und messen
Stricke die Probe größer als 10 × 10 cm, im Muster der Anleitung. Wasche sie so, wie du später das fertige Stück waschen wirst, und lass sie liegend trocknen. Miss in der Mitte, nicht am Rand, und zieh das Gestrick dabei nicht auseinander. Zähle die Maschen in der Breite und die Reihen in der Höhe. Ich zähle an mehreren Stellen und nehme den Durchschnitt. Das zeige ich dir im Video ab 18:30. Erst wenn deine Probe passt, übernimmst du die Zahlen der Anleitung.
3. Im Strickstück nachmessen
Auch eine sorgfältige Probe ist keine Garantie. Im großen Stück kann deine Maschenprobe anders ausfallen. Stricke deshalb ein paar Zentimeter am ersten Teil und miss sofort nach: Stimmen Maschen und Reihen noch mit deiner Probe und der Anleitung überein? Danach kontrollierst du ungefähr alle zehn Zentimeter. Im Video ab 15:39 erkläre ich dir, warum diese Kontrolle wichtig ist.
4. Mit dem Maschenprobe-Rechner umrechnen
Wenn du die Nadel nicht wechseln möchtest, weil dir dein Stoff genau so gefällt, kannst du die Maschenzahlen umrechnen. Im Maschenprobe-Rechner gibst du deine Probe, die Probe der Anleitung und die Maschenzahl ein. Er rechnet dir Maschen und Reihen für ein gerades Teil aus. Zu- und Abnahmen, Armloch und Halsausschnitt rechnet er nicht mit. Die musst du selbst anpassen.
5. Ein anderes Garn wählen
Manchmal erreichst du die Maschenprobe nur mit einem Stoff, der dir nicht gefällt. Er ist dann zu steif oder zu locker. Dann such lieber ein anderes Garn. Wie du dabei die Menge umrechnest, steht im Ratgeber Garn ersetzen. Für Nora stricke ich heute mit Brisa von BC Garn.
6. Eine andere Größe stricken
Weicht deine Probe um etwa eine Masche ab, kannst du auch die Maschenzahlen einer anderen Größe stricken. Bei Nora in Größe M sieht das so aus:
- Probe zu klein (14 Maschen): Stricke die Maschenzahlen von L. Aus 84 Maschen wird ein Rücken von rund 60 cm, also die Breite von M. Der Ärmel wird oben 41 cm breit. Den einen Zentimeter mehr verteilst du beim Annähen gleichmäßig.
- Probe zu groß (12 Maschen): Stricke die Maschenzahlen von S. Aus 74 Maschen wird ein Rücken von rund 61 cm, also fast die Breite von M. Der Ärmel wird oben genau 40 cm breit.
Die Längen nimmst du weiter von M: Schulterbeginn bei 52 cm am Rücken und 47 cm am Vorderteil, Ärmel 45 cm lang, Markierung für den Ärmel 20 cm unter der Schulter. Miss die fertigen Teile nach, bevor du sie zusammennähst.
Warum deine Probe überhaupt anders ausfällt als auf der Banderole, erkläre ich im Ratgeber Maschenprobe stricken: die 3M-Formel.
Häufige Fragen
Was bedeutet es, wenn meine Maschenprobe in der Breite stimmt, aber nicht in der Höhe?
Das kann gut passieren. Die Reihen zu treffen ist viel schwerer als die Maschen. Dein Stück wird trotzdem so breit wie geplant. Wo die Anleitung Zentimeter angibt, strickst du nach Zentimetern und misst nach. Was nach Reihen gestrickt wird, wird etwas höher oder flacher. Bei Nora sind das die Schulterschräge und die Zunahmen am Ärmel. Meine eigenen Schnitte gebe ich in der Höhe deshalb in Zentimetern an. Im Video ab 19:27 erkläre ich das.
Was heißt „zu viele Maschen auf 10 cm“?
Das ist dasselbe wie eine zu kleine Probe. Deine Maschen sind kleiner als gedacht. Nimm eine dickere Nadel.
Kann ich einfach weiterstricken, wenn die Maschenprobe nicht passt?
Bei Tüchern und Decken ja, wenn das genaue Maß keine Rolle spielt. Bei Pullovern und allem mit Passform solltest du die Probe anpassen. Sonst bekommst du eine andere Größe als die, die du gewählt hast.
Brauche ich bei abweichender Maschenprobe mehr Garn?
Bei einer zu großen Probe ja. Bei einer zu kleinen Probe sparst du nicht automatisch Garn. Plane immer mindestens 20 % Reserve ein. Für ganze Pullover helfen dir die Wollverbrauch-Tabellen, für einen Garnwechsel der Garnersatz-Rechner.
Bevor du Nora anschlägst: Stricke deine Probe, wasche sie und miss nach. Dann bekommst du wirklich die Größe, die du ausgesucht hast. Die ganze Anleitung findest du im Ratgeber Pullover stricken für Anfänger, die Druckfassung als Nora-Anleitung im Shop.
