Warum stricke ich so gern mit Naturfasern? Weil ich den Griff von Wolle, Alpaka, Seide und Baumwolle mag und gern selbst entscheide, was ich auf der Haut trage. Die Fasern fühlen sich unterschiedlich an und passen zu unterschiedlichen Projekten. Für meine Auswahl zählen Material, Verarbeitung, Pflege und vor allem die Frage: Werde ich dieses Strickstück gern tragen?
Kennst du dieses Gefühl, wenn du einen Faden zwischen den Fingern hast und sofort weißt: Daraus möchte ich etwas machen? Für mich beginnt ein Projekt oft genau dort. Beim Griff des Garns, bei seiner Oberfläche, seinem Gewicht. Stricken gibt mir die Möglichkeit, diese Entscheidung selbst zu treffen.
Meine Materialwahl ist eine persönliche Entscheidung
Bei Pullovern, die direkt auf der Haut liegen, greife ich besonders gern zu Naturfasern. Ich mag ihre unterschiedlichen Texturen: den wolligen Griff, die glatte Oberfläche mancher Seidengarne oder die trockenere Haptik von Baumwolle. Das ist meine Vorliebe. Eine Faserbezeichnung allein sagt aber noch nicht, wie sich ein fertiges Garn anfühlt. Auch Faserfeinheit, Spinnung, Mischung und Strickmuster spielen mit hinein.
Deshalb gibt es für mich auch Platz für Mischgarne. Bei Socken kann ein Polyamidanteil zur Strapazierfähigkeit beitragen. Bei meiner Jahresdecke habe ich Reborn Wool verwendet, eine Mischung mit Wolle, Polyester und Nylon. Entscheidend war für dieses Projekt auch, dass das Garn viele Farben bietet und für eine große Decke bezahlbar ist.
Was die Zusammensetzung verrät - und was nicht
Eine Materialangabe hilft dir, Garne zu vergleichen. Sie ist aber keine vollständige Beschreibung der Herstellung oder der Umweltauswirkungen eines Strickstücks. „Naturfaser“ bedeutet nicht automatisch, dass ein gefärbtes, ausgerüstetes oder gemischtes Garn unter beliebigen Bedingungen biologisch abgebaut wird. Aus der Faserart allein lässt sich auch keine Aussage über die Kompostierbarkeit des fertigen Strickstücks ableiten.
Ebenso beschreibt „recycelt“ zunächst die Wiederverwendung von Material. Ob ein Garn insgesamt geringere Umweltauswirkungen hat als ein anderes, lässt sich daraus allein nicht bestimmen. Dafür müsste man unter anderem Herstellung, Verarbeitung, Nutzung und Entsorgung der konkret verglichenen Produkte betrachten.
Haptik: Das Gefühl zählt
Die sinnliche Seite des Materials bleibt für mich ein wichtiger Grund zum Stricken. Wie gleitet der Faden über die Finger? Ist er glatt, griffig, flauschig oder eher trocken? Wie fällt die gewaschene Maschenprobe? Das kann kein Etikett für dich beantworten.
Ich halte die Probe gern an die Stelle, an der ich das fertige Stück tragen werde. Ein Garn kann sich in der Hand wunderbar anfühlen und am Hals trotzdem zu kräftig sein. Ein anderes entfaltet seinen Griff erst nach der ersten Wäsche. Nimm dir dafür Zeit, besonders bei einem größeren Projekt.
Wie ein Strickstück mit dir altert
Ich mag Kleidung, die mich begleitet und mit dem Tragen vertrauter wird. Ob ein Pullover lange hält, hängt jedoch nicht nur davon ab, ob er aus Natur- oder Kunstfasern besteht. Garnkonstruktion, Strickfestigkeit, Beanspruchung und Pflege beeinflussen seine Lebensdauer. Auch Wollgarne können pillen oder an stark beanspruchten Stellen dünner werden.
Eine passende Maschenprobe, die Pflege nach Herstellerangabe und kleine Reparaturen können helfen, ein gern getragenes Stück weiter zu nutzen. Das ist für mich ein praktischer Teil des Strickens: das eigene Werk kennenlernen und sich darum kümmern.
Selbst entscheiden, was du trägst
Beim Stricken wählst du Farbe, Struktur, Gewicht und Passform selbst. Du darfst ein Garn wegen seines Griffs lieben, eine Mischung wegen ihrer Eigenschaften wählen oder dich bewusst für ein bestimmtes Material entscheiden. Dafür braucht es kein pauschales Urteil, dass eine ganze Fasergruppe immer besser wäre als eine andere.
Für mich stehen Wolle, Alpaka, Seide und Baumwolle weiterhin im Mittelpunkt. Ich möchte ihre Unterschiede spüren und das Garn finden, das zu meinem Projekt und meinem Alltag passt.
Häufige Fragen
Sind Naturfasergarne automatisch biologisch abbaubar?
Eine solche Aussage lässt sich nicht pauschal auf jedes Garn übertragen. Zusammensetzung, Ausrüstung und die konkreten Abbaubedingungen müssen berücksichtigt werden. Naturfasergehalt allein ist keine Zusage für Hauskompost oder einen bestimmten Abbauzeitraum.
Ist recyceltes Material grundsätzlich besser?
Recycling beschreibt die Wiederverwendung von Material. Es ist keine vollständige Umweltbewertung. Schau auf den angegebenen Recyclinganteil und die Eigenschaften des konkreten Garns.
Warum wird Polyamid in Sockenwolle verwendet?
Polyamid, auch unter dem Begriff Nylon bekannt, wird mit Wolle gemischt, um die Strapazierfähigkeit zu unterstützen. Wie sich das Garn im Alltag bewährt, hängt auch von Strickfestigkeit, Passform und Pflege ab.
Garne für unterschiedliche Projekte
- Wolle: BC Garn Semilla besteht aus 100 % Wolle. Die Angaben zur GOTS-Zertifizierung findest du auf der Produktseite.
- Baumwolle: BC Garn Alba besteht aus 100 % Baumwolle. Auch hier steht die konkrete Kennzeichnung beim Garn.
- Alpaka: BC Garn Babyalpaca bietet eine andere Faser und einen anderen Griff als Schafwolle.
- Socken: Kremke Sole Mate besteht aus 75 % Wolle und 25 % Polyamid.
- Wollmischgarn: Kremke Reborn Wool enthält 65 % Wolle, 25 % Polyester und 10 % Nylon. Zusammensetzung und Pflege findest du beim Produkt.
