Strick mir lieber fünf Pullunder als einen Pullover. Das ist meine ehrliche Aussage nach Jahrzehnten des Strickens und Designens. Pullunder sind meine unscheinbaren Helden im Kleiderschrank – aber auch beim Stricken selbst. Keine Ärmel, kein Passform-Drama, aber genug Strickspaß und Stricktechnik zum Lernen, wenn man das möchte.
Für mich sind Pullunder der beste Einstieg ins Stricken, wenn man anfängt. Und ehrlich gesagt auch einer meiner Lieblingsspielplätze als Strickdesignerin. Das möchte ich dir heute erklären.
Wenig Aufwand, echtes Ergebnis
Wenn du anfängst zu stricken, willst du etwas schaffen, das du auch tragen kannst – und zwar in einer überschaubaren Zeit. Keine ewig lange Jacke, die irgendwann im Korb verschwindet, weil die Motivation weg ist. Kein Pullover mit zwei Ärmeln, bei denen nach dem ersten Ärmel die Lust verflogen ist.
Pullunder sind da perfekt. Zwei Teile: Vorderteil, Rückenteil, fertig. Die Strickmenge ist überschaubar – und trotzdem lernst du all die wichtigen Bauteile daran: Ausschnitt, Schultern, Kragen (wenn du ihn möchtest), Bündchen, Strickmuster. Alles ohne die große Hürde von Ärmeln.
Ich nenne Pullunder gerne meine kleine Strickschule ohne Frustfaktor. Sie lehren dir wirklich viel, ohne dich zu überfordern. Und weil du so schnell ein Erfolgserlebnis hast, macht es nicht nur Spaß – die Motivation bleibt auch. Du siehst schnell, was du geschafft hast. Und du kannst es anziehen.
Eine kleine Strickschule ohne Frust
Man kann an Pullundern ohne Ende üben – alle möglichen Strickmuster, alle möglichen Formen – ohne dass etwas Schlimmes passieren könnte wie bei einer Jacke oder einem Ärmel, wenn die Passform nicht sitzt. Kein Drama bei rutschenden Markierungen, keine schlechten Schultern oder Armkugeln. Einfach stricken, lernen im Tun.
Und dann die Schnelligkeit: Du kannst problemlos mehrere Pullunder hintereinander stricken, ohne dich um Abnahmen, Armkugeln oder Rundungen kümmern zu müssen. Das heißt, Pullunder wachsen mit deinem Strickkönnen mit – und trotzdem werden sie nicht langweilig.
Ich stricke und designe seit Jahrzehnten Pullunder. Trotzdem greife ich immer wieder auf sie zurück, weil sie so viel Spielraum bieten. Du kannst Muster ausprobieren ohne Ende: ganz einfach in Glattstricken, mit Vereil, Norweger, Schattenstrick, Double Face, Intarsien, Kontraste, Streifen, Reste-Aufstricken – all diese Techniken passen in einen ärmellosen Pullunder.
Sie sind wie ein Notizbuch. Du kannst Ideen testen, Techniken kombinieren, Muster kombinieren. Wenn es klappt – großartig, echtes Erfolgserlebnis. Wenn es nicht so klappt – was kann Schlimmes daran passieren? Gar nichts. Sie sind wie ein kleines Versuchslabor, ohne Druck, ohne Perfektionszwang.
Und du lernst dabei sehr viel über dich, deinen Körper und deine Passform. Wie müssen deine Schultern sitzen? Wie breit sollen sie sein? Wie tief sollte der Ausschnitt sein bei dir? Ob ein V-Ausschnitt oder ein Rundhals-Ausschnitt dir besser steht oder liegt – einen Pullunder zu stricken gibt dir Feedback, während du strickst. Masche für Masche, ohne dich zu überfordern.
Tragbar das ganze Jahr
Dann ist da der praktische Punkt: Es gibt fast kein Kleidungsstück, das so vielseitig und tragbar ist wie ein Pullunder. Sie sind perfekt fürs Layering. Ist dir zu warm, ziehst du ihn aus. Ist dir zu kalt, ziehst du ihn eben wieder über.
Im Winter trägst du ihn über Hemd, Bluse oder Longshirt. Im Frühling über einem T-Shirt oder sogar solo. Im Sommer über einem Kleid, einem Rock oder einem T-Shirt. Und ehrlich: Es hat keine Zeit gegeben, in der Pullunder nicht in der Mode vertreten waren. Mal mehr, mal weniger – aber sie waren immer da.
Du kannst sie oversize stricken, lässig und weit. Du kannst sie aber auch auf Figur stricken mit Abnähmen. Sie rahmen den Körper ein, statt ihn zu verstecken. Und man kann sie sehr einfach an sich anpassen: länger stricken, kürzer stricken, weiter, enger – du entscheidest.
Ich stricke meine Pullunder gerne eine Nummer größer als meine tatsächliche Konfektionsgröße. Das sieht lässiger aus, ohne zu viel zu sein. Bei einem Oversize-Pullover kann das schnell zu viel werden – aber ein Pullunder in bisschen weiter sieht einfach immer lässiger aus als zu viel. Genauso kann man auch ins andere Extrem gehen: etwas kleiner, etwas enger, etwas kürzer. Bei einem Pullunder kann man sehr leicht steuern, dass er genau an den richtigen Stellen sitzt.
Warum ich nie aufhöre, Pullunder zu stricken
Pullunder sind wirklich ein tolles Strickprojekt, an dem man sich ganz auf das Stricken konzentrieren kann. Nähte werden schnell sichtbar – ohne zu überfordern, ohne dass es zu lange dauert. Und ehrlich: Sie sind eines meiner Lieblingsstrickteile.
Ich hatte lange gedacht, dass ich Strickjacken am häufigsten trage. Aber wenn ich es heute bewerte, habe sich das in den letzten Jahren gewandelt. Es sind tatsächlich Pullunder, die ich am häufigsten trage. Und genau das liebe ich am Stricken – dass es sich mit mir verändert, dass es so viel bietet.
Noch ein Grund, warum ich Pullunder als praktisch empfinde: Wenn ich ein Strickteil fertig habe, ist das oft noch nicht fertig. Ich ändere und verändere meine Strickteile sehr oft. Wolle ist ein natürliches Material, das verändert sich durch das Tragen, durch Wärme, durch den Körper. Halsausschnitte werden weiter, Schultern werden länger oder passen vielleicht von Anfang an nicht wirklich.
Das bedeutet: Ich nähe, entstricke, passe an. Und das ist bei Pullundern super einfach zu machen – sehr angenehm, sehr schnell, sehr überschaubar. Deshalb liebe ich Pullunder nicht nur beim Stricken, sondern auch beim späteren Tragen und Anpassen.
Wenn du mit Stricken anfangen möchtest und überlegst, welches Kleidungsstück das sein soll: Wähle einen Pullunder. Ich möchte fast sagen, das ist mit Erfolgsgarantie.
Empfohlene Garne für Pullunder-Projekte:
BC Garn Brisa · Cowgirlblues Merino DK · Kremke Soul Wool The Merry Merino 140 GOTS · Erika Knight Wild Wool · Manos del Uruguay Alegria
