Wenn eine Anleitung „gleichmäßig verteilt 12 Maschen zunehmen“ sagt, geht es um die Stellen innerhalb einer Reihe oder Runde. Du verteilst die Änderungen über die vorhandenen Maschen, statt alle am Anfang zu arbeiten. Bei Abnahmen zählt jede zusammengestrickte Zweiergruppe als eine Abnahme.
Mit dem Rechner für gleichmäßige Zu- und Abnahmen kannst du dir die Reihenfolge für deine Maschenzahl ausschreiben lassen. Hier zeige ich dir, was dahintersteckt und worauf du beim Stricken achtest.
1. Ausgang, Ziel und Randmaschen aufschreiben
Zähle zuerst die Maschen auf deiner Nadel. Schreibe daneben, wie viele du nach der Änderung haben möchtest. Die Differenz sagt dir, wie oft du zu- oder abnehmen musst.
Von 88 auf 100 Maschen fehlen 12 Maschen. Du brauchst also 12 einzelne Zunahmen. Von 120 auf 96 Maschen müssen 24 Maschen weg. Das sind 24 einfache Abnahmen, bei denen jeweils zwei Maschen zu einer werden.
In einer Hin- oder Rückreihe möchtest du vielleicht die Randmaschen oder eine Blende unverändert lassen. Ziehe diese Maschen für die Verteilung ab. Deine Ausgangs- und Zielzahl enthalten sie trotzdem. Bei einer geschlossenen Runde gibt es keine Randmaschen.
2. Zunahmen brauchen Zwischenräume
Eine Zunahme aus dem Querfaden entsteht zwischen zwei vorhandenen Maschen. Stricke bis zur vorgesehenen Stelle. Hebe den Querfaden zwischen der gerade gestrickten und der nächsten Masche mit der linken Nadel auf und stricke ihn verschränkt ab. So entsteht eine neue Masche, ohne dass du dafür eine vorhandene Masche verbrauchst.
Die genaue Ausführung und die Neigung der Zunahme richten sich nach deiner Anleitung. Der Rechner verteilt nur die Stellen. Ein Umschlag erzeugt ebenfalls eine neue Masche, aber meist auch ein Loch. Setze ihn deshalb nicht ungefragt an die Stelle einer Querfadenzunahme.
In einer flachen Reihe liegen die Zunahmen zwischen den Maschen. Bei 10 nutzbaren Maschen gibt es 9 innere Zwischenräume. In einer Runde kommt der Zwischenraum zwischen letzter und erster Masche dazu. Deshalb fragt die Rechenhilfe nach Reihe oder Runde.
3. Beispiel: 88 auf 100 Maschen in einer Runde
Du hast 88 Maschen und möchtest 100. Es sollen 12 Zunahmen entstehen. 88 geteilt durch 12 ergibt ungefähr 7,33. Die Abstände können also nicht überall genau gleich sein. Sie wechseln zwischen 7 und 8 vorhandenen Maschen.
Eine vollständige Verteilung ist diese: Stricke nacheinander 4, 7, 7, 8, 7, 7, 8, 7, 7, 8, 7 und 7 Maschen. Nach jeder dieser zwölf Gruppen nimmst du eine Masche aus dem Querfaden zu. Danach strickst du die letzten 4 Maschen.
Die erste und letzte Gruppe treffen am Rundenwechsel zusammen: 4 plus 4 ergibt 8. Rundherum liegen zwischen den Zunahmen deshalb jeweils 7 oder 8 vorhandene Maschen. Die längeren Abstände werden über die Runde verteilt.
Kontrolle: Alle 88 vorhandenen Maschen sind verarbeitet. Zwölf neue kommen dazu. 88 plus 12 ergibt genau 100.
4. In einer Reihe bleiben beide Enden mitgedacht
In Hin- und Rückreihen verteilen wir die Zunahmen so, dass auch vor der ersten und nach der letzten Zunahme Maschen liegen. Dafür teilen wir die nutzbare Maschenzahl durch die Anzahl der Zunahmen plus 1. Die gerundeten Vielfachen dieses Abstands geben die Stellen an.
Ein kleines Beispiel: 20 Maschen sollen zu 24 werden. Ohne geschützte Randmaschen brauchst du vier Zunahmen. 20 geteilt durch 5 ergibt 4. Stricke viermal: 4 Maschen stricken, eine Masche aus dem Querfaden zunehmen. Dann strickst du die letzten 4 Maschen. Die vier Zunahmen sitzen nach der 4., 8., 12. und 16. vorhandenen Masche.
Mit einer geschützten Randmasche an jedem Ende rechnet der Rechner nur mit den 18 inneren Maschen. Die Randmaschen werden wie vorgesehen gestrickt und bleiben unverändert. Es ist deshalb wichtig, sie nicht zusätzlich zur Ausgangszahl einzutragen.
5. Abnahmen: zwei hinein, eine heraus
Beim Abnehmen ist die Rechnung anders. Wenn du zwei Maschen zusammenstrickst, verbrauchst du zwei vorhandene Maschen und erhältst eine. „Alle fünf Maschen abnehmen“ ist deshalb leicht misszuverstehen. Schreibe dir lieber die ganze Gruppe auf: etwa „3 Maschen stricken, dann 2 Maschen zusammenstricken“.
Für 120 auf 96 Maschen brauchst du 24 Abnahmen. Die Zweiergruppen verbrauchen zusammen 48 vorhandene Maschen. Es bleiben 72 Maschen, die du einzeln strickst. 72 geteilt durch 24 ergibt 3.
In einer Runde strickst du deshalb 24-mal: 3 Maschen stricken, dann 2 Maschen zusammenstricken. Jede Gruppe verarbeitet 5 vorhandene Maschen und ergibt 4. 24 mal 5 sind 120, 24 mal 4 sind 96. Beide Zahlen stimmen.
In Reihen verteilt der Rechner die einzeln zu strickenden Maschen auch vor der ersten und nach der letzten Abnahme. Geschützte Randmaschen bleiben dabei außen vor.
6. Was tun, wenn die Rechnung nicht glatt aufgeht?
Dann werden manche Gruppen eine Masche länger als die anderen. Das ist eine normale Folge ganzer Maschenzahlen. Verteile die längeren Gruppen über die Reihe oder Runde. Arbeite sie nicht einfach alle an einem Ende.
Der Rechner rundet die Positionen beziehungsweise die Verteilung der einzelnen Maschen. Die Ausgangs- und Zielzahl bleiben dabei exakt. Am Ende kannst du jede vorhandene Masche und jede Änderung nachzählen.
Wenn du mehr Abnahmen als halbe nutzbare Maschen hast, passen einfache Zweierabnahmen nicht alle in eine Reihe. Bei Zunahmen kann die Zahl der freien Zwischenräume zu klein sein. Verteile solche Änderungen auf mehrere Reihen oder halte dich an die dafür vorgesehene Technik deiner Anleitung.
7. Erst das Muster, dann die Rechenhilfe
In glatt rechts oder kraus rechts lässt sich eine rechnerische Verteilung meist leicht umsetzen. Bei Zöpfen, Lochmustern und festen Musterrapporten schaust du vorher auf die Zeichnung: Passt die Änderung an diese Stelle, und bleibt das Muster danach aufgegangen?
Ein Musterrapport ist die Gruppe von Maschen, die sich immer wiederholt. Wenn deine neue Maschenzahl dafür nicht passt, hilft auch ein gleichmäßiger Abstand allein nicht. Prüfe Zielzahl und Muster zusammen.
Die Rechenhilfe verteilt Änderungen innerhalb einer einzigen Reihe oder Runde. Wenn du zum Beispiel einen Ärmel über 30 Zentimeter schmaler werden lässt, brauchst du zusätzlich die Abstände zwischen den Abnahmerunden. Das ist eine andere Rechnung. Für einen Raglan von oben findest du sie im Raglan-Rechner.
Häufige Fragen
Muss die Maschenzahl ohne Rest teilbar sein?
Nein. Ein Rest bedeutet, dass sich die Gruppengrößen um eine Masche unterscheiden. Wichtig ist, dass alle vorhandenen Maschen verarbeitet werden und die Zahl der Änderungen stimmt.
Welche Zielmaschenzahl brauche ich für meine Weite?
Rechne mit deiner gewaschenen Maschenprobe: gewünschte Breite in Zentimetern mal Maschen auf 10 Zentimeter, geteilt durch 10. Dafür kannst du den Maschenprobe-Rechner nutzen.
Geht das auch mit Blenden?
Ja. Gib an, wie viele Maschen am Anfang und Ende unverändert bleiben sollen. Die beiden Gesamtzahlen enthalten diese Maschen bereits.
Deine Verteilung ausprobieren
Zähle deine Ausgangsmaschen, notiere das Ziel und lass dir die Schritte im Zu- und Abnahmen-Rechner ausgeben. Markiere die Stellen zunächst mit Maschenmarkierern. Dann kannst du die Verteilung vor dem Stricken noch einmal am Muster ansehen.
