Farben passieren nicht einfach. Sie spiegeln, was unter der Oberfläche brodelt – psychologisch, kulturell, gesellschaftlich. Und genau deshalb lohnt es sich, die Trendfarben für 2026/27 nicht nur als Palette zu betrachten, sondern als Aussage. Fünf Farben, fünf Bedeutungen, fünf Möglichkeiten, sie zu verstricken.

Warum Farbe gerade jetzt zählt

Wir kommen aus Jahren, die erschöpft haben. Pandemie, Dauerkrise – und mittendrin hat sich ein Hunger entwickelt nach etwas, das nicht nur funktioniert, sondern berührt. Zur Pandemiezeit dominierten Rust, Terracotta und Olivgrün: erdige Töne, die Schutz suchten. Danach kam die Gegenreaktion – Neon, Pink, Dopamine Dressing, alles grell und übertrieben. Jetzt, für 2026/27, sehen wir eine neue Phase: Die Farben werden ruhiger, aber nicht leiser. Sie zeigen Substanz statt Lautstärke.

Das lässt sich auch im Kaufverhalten ablesen. Noch vor wenigen Jahren griffen Kundinnen vor allem zu sicheren Farben: Schwarz, Grau, Dunkelblau, Beige. Heute verschieben sich die Bestseller hin zu ungewöhnlicheren Tönen, handgefärbten Garnen, Sondereditionen. Garne, die früher als gewagt galten, verkaufen sich heute am besten. Farbe ist keine rein ästhetische Entscheidung mehr – sie ist ein Bedürfnis.

Wax Paper – Anspruch ohne Lautstärke

Ein ruhiger Ton zwischen Weiß und Beige, cremig, mit einem feinen Hauch von Gelb. WGSN nennt ihn milde Wintersonne. Wax Paper ist die Farbe derjenigen, die nicht beweisen müssen. Man trägt sie, wenn einem die Reaktion anderer egal ist – aber nicht die eigene. Für Strickerinnen besonders reizvoll: Diesen Ton findet man in fast jeder Naturwolle. Wollweiß hat immer einen kleinen Gelbstich – das ist das Naturweiß, das Wax Paper so treffend einfängt. Kremke The Merry Merino 70 in Natur trifft diesen Farbton nahezu exakt. Perfekt für schlichte Pullover, Clean Cuts und die Quiet-Luxury-Kollektion.

Fuchsia Rose – sichtbar sein wollen

Ein sattes, kräftiges Lila-Pink zwischen Rot und Violett, warm, fast pulsierend. WGSN nennt es Bold Femininity. Fuchsia Rose steht für Selbstbehauptung – mutig und verletzlich zugleich. Rot und Blau zusammen ergibt immer Spannung: Leidenschaft trifft auf Tiefe. Dieser Ton entfaltet sich am eindrucksvollsten in Mohair, weil die Haarefasern um den Faden eine Aura erzeugen, die die Farbe zum Strahlen bringt. Cowgirlblues Fluffy Mohair in African Violet macht genau das – ein 100% Mohair, handgefärbt, berauschend in seiner Intensität. Wer es etwas dezenter mag: Kremke Silky Kid in Orchidee schimmert ebenso wunderbar und liegt preislich etwas niedriger.

Chicory Coffee – Erdung und stille Eleganz

Ein sattes Schokobraun, nicht Karamell, nicht Kupfer, sondern richtig dunkel und warm. Es erinnert an alte Ledereinbände, an die Rinde einer Eiche, an einen starken Espresso. Chicory Coffee steht für Erdung, für das Analoge, für Dinge, die Bestand haben. Dieses Braun ist kein vorübergehender Trend – es verfestigt sich seit mehreren Saisons als neues Basic. Es hat etwas Nostalgisches: alte Bibliotheken, Academia Style, ruhige Nachmittage mit Strickzeug. Besonders schön zeigt sich dieser Ton in ungefärbtem Alpaka. Amano Eco Puna Undyed ist ein Baby-Alpaka aus Peru, dessen natürliche Fellfarbe genau dieses tiefe Schokobraun trifft – ohne einen Tropfen Farbe.

Deep Petrol – das Meer bei Nacht

Dunkel, kühl, aber nicht kalt. Petrol liegt zwischen Blau und Grün, und WGSN ordnet ihn als eines der bewussten Blues ein – Blautöne, die Vertrauen und Stabilität signalisieren. Petrol hat eine besondere Anziehungskraft: Es ist kein lautes Blau, sondern eines, das weiß, was es will. Es steht einem breiten Hautton-Spektrum und schafft es deshalb regelmäßig in die Trendfarben für Stricken. In Baumwolle knallt die Farbe stärker, weil der Glanz des Materials sie nach vorne holt – ideal für Sommerprojekte. Für Herbst und Winter eignet sich ein Alpaka-Garn, in dem sich Blau- und Grünnuancen zu einem schimmernden Petrol vermischen. Schlichte Pullover in glatt rechts mit breiten Bündchen lassen diese Farbe für sich sprechen.

Green Glow – die Wildcard

Ein Neongrün, hell, leuchtend, fast fluoreszierend. Die Wildcard unter den Trendfarben 2026/27. Nicht kuschelig, nicht dezent – diese Farbe fordert heraus und hat eine Meinung, noch bevor man sie anfasst. Green Glow steht für Mutation und Anderssein. Die meisten sind entweder sofort begeistert oder lehnen sofort ab. Es erinnert an Giftpflanzen, an grelle Blätter, bei denen man nicht weiß, ob man anfassen darf. In Kombination mit Alpaka-Weichheit entsteht eine irre Spannung. BC Garn Babyalpaca 10/2 bietet die feine Qualität, die dieser Ton braucht, um nicht zu schreien, sondern zu leuchten. Ein Garn für alle, die sich trauen – als Beilauf, als Tuch, oder als Strickstück, das man sich erst verdienen muss.

Passende Garne aus dem Shop

Die fünf Trendfarben stecken in ganz unterschiedlichen Garnen. Kremke The Merry Merino 70 in Natur für Wax Paper, Cowgirlblues Fluffy Mohair in African Violet für Fuchsia Rose, Amano Eco Puna Undyed für Chicory Coffee, und Kremke Silky Kid als Alternative in Orchidee. Wer tiefer in die Farbwelt eintauchen möchte, findet in der Kollektion Handgefärbt und Verlaufsgarne weitere Töne, die sich mit den Trendfarben kombinieren lassen.

Claudia Wersing
Getaggt: Farbe