Ob ein Garn eine bestimmte Umweltanforderung erfüllt, erkennst du an konkreten Angaben und passenden Nachweisen. Wörter wie „grün“ oder „umweltfreundlich“ sagen dir allein noch wenig. Und auch ein Zertifikat beantwortet immer bestimmte Fragen, etwa nach Biofasern, Tierwohl oder Schadstoffprüfung. Es beantwortet nicht automatisch alle.

Bei der Prüfung unseres Shops bin ich an einer kleinen Angabe hängen geblieben: 95 Prozent Baumwolle, fünf Prozent „sonstige Fasern“. Reicht das, um ein Garn als vegan einzuordnen? Für mich war klar: Solange diese fünf Prozent nicht geklärt sind, möchte ich daraus kein Versprechen machen.

Warum wir unsere Angaben zu Wolle genauer geprüft haben

Anlass waren die neuen Regeln gegen Greenwashing. Die Richtlinie (EU) 2024/825 soll Verbraucher besser vor irreführenden Umweltaussagen schützen. Nach Angaben der Europäischen Kommission gelten die neuen Vorgaben ab dem 27. September 2026. Es geht dabei um viele Waren und Dienstleistungen, also auch um die Aussagen, mit denen Garne beworben werden. Informationen der Europäischen Kommission.

Was heißt zum Beispiel „umweltfreundlich“ bei einem Knäuel? Meint das die Faser, die Färbung, den Wasserverbrauch oder die Verpackung? Solche allgemeinen Aussagen können mehr versprechen, als tatsächlich belegt ist. Der Rat der EU erläutert die Regeln zu Umweltwerbung und unterscheidet auch zwischen einer Aussage über einen einzelnen Bestandteil und einer Aussage über das ganze Produkt.

Wir sind deshalb durch Produktbeschreibungen, Kategorien, Suchmaschinentexte und Blogartikel gegangen. Wir haben Angaben präzisiert und Zusätze entfernt, die wir nicht eindeutig belegen konnten. Denn ein korrigierter Produkttext hilft wenig, wenn im Suchergebnis oder in einer Kategorie noch etwas anderes steht.

Was GOTS bei Garnen bedeutet

GOTS steht für Global Organic Textile Standard. Der Standard verbindet Anforderungen an zertifizierte Biofasern mit Vorgaben für die textile Verarbeitung, darunter Umwelt- und Sozialkriterien. Es gibt verschiedene Kennzeichnungsstufen: „organic“ verlangt mindestens 95 Prozent zertifizierte Biofasern, „made with organic materials“ mindestens 70 Prozent. Dazu müssen die weiteren Anforderungen erfüllt sein. GOTS-Standard und Kennzeichnungsstufen.

Ein GOTS-Zeichen bedeutet also nicht automatisch „100 Prozent Bio“. Gerade bei Mischgarnen lohnt sich der Blick auf die konkrete Kennzeichnung. Wenn sich eine Angabe auf den Wollanteil bezieht, wird eine zusätzlich enthaltene Seide dadurch nicht ebenfalls zur Bioseide.

RWS, RMS und RAS: Welche Faser ist gemeint?

Diese drei Standards von Textile Exchange betreffen unterschiedliche Tierfasern: RWS steht für Responsible Wool Standard und bezieht sich auf Schafwolle. RMS, der Responsible Mohair Standard, betrifft Mohair. RAS, der Responsible Alpaca Standard, betrifft Alpaka. Sie umfassen unter anderem Anforderungen an Tierwohl und Landbewirtschaftung sowie die Rückverfolgbarkeit des zertifizierten Materials. Die Standards bei Textile Exchange.

Bei einer Mischung musst du deshalb genau lesen, welcher Anteil erfasst ist. Eine RMS-Angabe zum Mohairanteil zertifiziert nicht nebenbei die enthaltene Seide. Und ein zertifizierter tierischer Faseranteil bleibt eine Tierfaser. Ein solches Garn wird durch das Zertifikat nicht vegan.

Unsere Auswahl mit Zertifizierungsangaben und Garnen von WFTO-Mitgliedern enthält verschiedene Kennzeichnungen. Welche davon zu einem Garn gehört und worauf sie sich bezieht, steht auf der jeweiligen Produktseite.

Recycelt, pflanzlich und vegan sind verschiedene Angaben

Beim Recycling helfen RCS und GRS dabei, recyceltes Material und seinen Weg durch die Lieferkette nachzuweisen. GRS enthält zusätzliche Anforderungen an die Verarbeitung. Die Standards sind deshalb nicht beliebig austauschbar. Zusammensetzung und Recyclinganteil sind ebenfalls zwei verschiedene Informationen: „95 Prozent Baumwolle“ erklärt zunächst, welche Faser enthalten ist. Wie viel davon recycelt ist, braucht eine eigene Angabe und einen passenden Nachweis. RCS und GRS bei Textile Exchange.

Genau hier kommen die „sonstigen Fasern“ wieder ins Spiel. Bei drei Recyclinggarnen konnte ich aus den vorliegenden Angaben nicht sicher erkennen, ob dieser Restanteil frei von Tierfasern ist. Ich habe beim Lieferanten nachgefragt und die Garne vorerst aus unserer veganen Kategorie genommen. Das ist keine Behauptung, dass Tierfasern enthalten sind. Die Frage ist noch offen.

Umgekehrt kann ein Garn ohne tierische Fasern auch synthetische Bestandteile enthalten. „Pflanzlich“ wäre dafür die falsche Beschreibung. Unsere Kategorie vegane Garne bezieht sich ausdrücklich auf die deklarierte Faserzusammensetzung. Farbstoffe und Verarbeitungshilfsmittel sind dabei nicht gesondert geprüft. Diese Grenze steht jetzt auch in der Kategoriebeschreibung.

OEKO-TEX STANDARD 100 und WFTO: Wieder andere Fragen

OEKO-TEX STANDARD 100 prüft Textilien und ihre Bestandteile nach festgelegten Kriterien auf Schadstoffe. Das Zeichen ist damit keine automatische Aussage über Biofasern oder eine umfassende Umweltbewertung. OEKO-TEX erklärt STANDARD 100.

Bei der WFTO-Mitgliedschaft geht es um ein Unternehmen und seine Geschäftspraktiken. In unserer Auswahl betrifft das Manos del Uruguay. Diese Herstellerangabe ist von einer Zertifizierung des einzelnen Garns zu unterscheiden. Wenn du ein Garn auswählst, hilft dir also die Frage: Worauf bezieht sich das Zeichen überhaupt?

Drei Fragen für deinen nächsten Garnkauf

Du musst vor dem Wollkauf keinen Stapel Prüfunterlagen durcharbeiten. Mir helfen drei einfache Fragen:

  1. Was wird beschrieben: eine Faser, ein Anteil, die Verarbeitung oder der Hersteller?
  2. Wie konkret ist die Angabe: Sind Material, Anteil oder Ort tatsächlich benannt?
  3. Worauf stützt sie sich: Gibt es einen passenden Nachweis und lässt sich die Aussage erklären?

Wir haben zum Beispiel auch ungenaue Ortsangaben überarbeitet. „Regional“ lässt offen, von welchem Ort aus man schaut. Eine konkret benannte Verarbeitungsregion sagt mehr. Ebenso lässt sich allein aus „Superwash“ oder „ohne Superwash“ keine vollständige Umweltbewertung eines Garns ableiten.

Ich möchte, dass du im Yarnstore schöne Garne findest und nachvollziehen kannst, was du kaufst. Dazu gehört für mich auch, offene Fragen sichtbar zu lassen. Unsere Prüfung ist für den Moment abgeschlossen. Die Pflege der Angaben geht weiter, sobald neue Informationen oder Nachweise vorliegen.

Die Schattenmaschen-Folge dazu

Im Podcast zeige ich die Garne und spreche ausführlicher darüber, welche Angaben wir im Shop geändert haben. „Wie grün ist unsere Wolle wirklich?“ auf YouTube ansehen.

Stand der Angaben: 23. September 2026. Titelbild: KI-generiertes Symbolbild, keine Abbildung eines bestimmten Shopprodukts.

— Claudia Wersing