Du möchtest deinen ersten Pullover von oben stricken und weißt noch nicht, wie viele Maschen du anschlagen sollst? Hier zeige ich dir Schritt für Schritt, welche Maße du brauchst und wie du damit deinen Raglan von oben berechnest. Der kostenlose Raglan-von-oben-Rechner übernimmt die Rechnung für dich. An einem Beispiel siehst du, was die Zahlen bedeuten.

Du kannst diesen Ratgeber auch ohne Videokurs nutzen, wenn du schon Maschen anschlagen, rechte und linke Maschen stricken, in Runden arbeiten, zu- und abnehmen und abketten kannst. Dein erster Pullover darf es trotzdem sein. Wenn du dir einen Schritt zeigen lassen möchtest, hilft dir mein kostenloser Raglan-von-oben-Kurs auf YouTube. Die passenden Folgen sind direkt bei den einzelnen Schritten verlinkt. Wenn dir die Grundtechniken noch fehlen, lerne sie zuerst, bevor du mit dem Pullover beginnst.

Was ist ein Raglan von oben?

Du beginnst am Hals und strickst nach unten. Zwischen Vorderteil, Rückenteil und den beiden Ärmeln verlaufen vier schräge Linien: die Raglanlinien. An diesen Stellen nimmst du Maschen zu. So wird dein Pullover nach und nach weiter.

Der obere Teil des Pullovers, vom Hals bis zu den Achseln, heißt Passe. Sobald sie weit genug und lang genug ist, trennst du die Ärmel vom Rumpf. Danach strickst du den unteren Teil des Pullovers und die Ärmel fertig. Du kannst zwischendurch anprobieren und prüfen, ob alles passt.

1. Miss einen Pullover, der dir gut passt

Für den Rechenweg „Nach Maß“ brauchst du drei Maße. Nimm am besten einen Pullover, dessen Weite dir gefällt. Lege ihn flach hin, ohne ihn zu dehnen.

  • Halsweite: Miss den Umfang des Ausschnitts dort, wo du deinen neuen Pullover anschlagen möchtest. Gemeint ist die Ausschnittweite, nicht dein Halsumfang. Prüfe auch, ob du den fertigen Ausschnitt bequem über den Kopf ziehen kannst.
  • Oberweite: Miss direkt unter den Achseln von einer Seite zur anderen. Verdopple diese Zahl. Ist dein Pullover dort 50 cm breit, beträgt seine Oberweite 100 cm.
  • Oberarmweite: Miss einen Ärmel oben quer, direkt unter der Achsel. Verdopple auch diese Zahl. Aus 16,5 cm Breite werden 33 cm Oberarmweite.

Die Maße sollen zu deinem fertigen Pullover passen. Wenn du sie von einem Lieblingspullover übernimmst, ist der Platz zum Bewegen schon enthalten. Du musst nichts zusätzlich aufschlagen.

Drei Maße am flach liegenden Pullover: Ausschnittumfang 50 cm, Brustbreite 50 cm mal zwei ergibt 100 cm Oberweite, Ärmelbreite 16,5 cm mal zwei ergibt 33 cm Oberarmweite.

So misst du die drei Maße am Pullover. Oberweite und Oberarmweite erhältst du durch Verdoppeln der flach gemessenen Breite.

2. Stricke und miss deine Maschenprobe

Eine Maschenprobe ist ein kleines Probestück aus dem Garn für deinen Pullover. Sie zeigt dir, wie viele Maschen und Runden du für 10 cm brauchst. Die Angaben auf der Banderole reichen dafür nicht, denn jeder Mensch strickt etwas anders.

Verwende dasselbe Garn, dieselben Nadeln und dasselbe Muster wie später beim Pullover. Da du den Pullover in Runden strickst, strickst du auch die Probe in Runden. Die Fläche zum Messen sollte größer als 10 cm in beide Richtungen sein.

Wasche die Probe so, wie du später den Pullover waschen wirst. Lass sie vollständig trocknen. Lege sie dann flach hin, ohne sie auseinanderzuziehen. Zähle in der Mitte die Maschen auf 10 cm Breite und die Runden auf 10 cm Höhe. Im Rechner steht dafür „Reihen auf 10 cm“.

Notiere beide Zahlen. Die Maschen bestimmen die Weite, die Reihen oder Runden die Höhe. In Folge 2 meines Raglan-Kurses zeige ich dir die Maschenprobe. Beim Umrechnen hilft dir der Maschenproben-Rechner.

3. Gib deine Zahlen in den Rechner ein

Öffne den Raglan-von-oben-Rechner. Trage zuerst deine Maschenprobe ein: Maschen und Reihen auf 10 cm. Wähle dann „Nach Maß“ und gib Halsweite, Oberweite und Oberarmweite ein. Klicke auf „Berechnen“.

Der Rechner zeigt dir, wie viele Maschen du anschlägst, wie du sie am Hals verteilst und wie oft du zunimmst. Er plant Rumpf und Ärmel zusammen. So sollen beide bei der Teilung die gewünschte Weite erreichen. Da du nur ganze Maschen stricken kannst, können die berechneten Maße etwas von deinen Eingaben abweichen. Lies deshalb auch die Hinweise im Ergebnis.

Es gibt außerdem den Weg „Schnellstart“. Dafür brauchst du deine Maschenprobe und die Halsweite. Er verteilt die Maschen nach festen Anteilen. Bei größeren Größen können die Ärmel dabei zu weit werden, bevor der Rumpf passt. Für das Beispiel hier verwenden wir „Nach Maß“.

4. Anschlagen und die Maschen verteilen

Wir rechnen mit diesen Beispielwerten: 20 Maschen und 28 Runden auf 10 cm, 50 cm Halsweite, 100 cm Oberweite und 33 cm Oberarmweite. Für deinen Pullover nimmst du deine eigenen Werte.

Für den Anschlag rechnest du: 50 × 20 ÷ 10 = 100 Maschen. Im Weg „Nach Maß“ rundet der Rechner den Anschlag auf die nächste gerade Maschenzahl.

Von den 100 Maschen gehören vier zu den Raglanlinien, je eine pro Linie. Die übrigen Maschen verteilst du auf Vorderteil, Rückenteil und die beiden Ärmel. Für unser Beispiel ergibt der Rechner:

Teil Maschen am Hals
Vorderteil 40
Rückenteil 40
Erster Ärmel 8
Zweiter Ärmel 8
Vier Raglanlinien je 1
Zusammen 100

Maschenverteilung am Hals für 100 Maschen: Vorderteil und Rückenteil je 40, beide Ärmel je 8 sowie vier Raglanmaschen mit je einem Markierer davor und danach.

Die Maschenverteilung aus unserem Beispiel. Die kleinen Kreise zeigen die acht Maschenmarkierer. Die Skizze ist nicht maßstabsgetreu.

Die Reihenfolge auf der Nadel ist: Rückenteil, Raglanmasche, Ärmel, Raglanmasche, Vorderteil, Raglanmasche, Ärmel, Raglanmasche. Setze vor und nach jeder Raglanmasche einen Maschenmarkierer. Das ist ein kleiner Ring auf der Nadel, der dir die Stelle für die Zunahmen zeigt.

Das Beispiel ist ohne Ausschnittvertiefung gerechnet. Der Ausschnitt sitzt dabei vorne und hinten gleich hoch. Diesen einfachen Einstieg zeige ich in Folge 8 des Kurses. Wenn du den Ausschnitt vorne tiefer haben möchtest, plane das vor dem Anschlag. Mehr dazu findest du weiter unten.

5. Stricke die Passe und nimm Maschen zu

In einer Zunahmerunde strickst du vor und nach jeder der vier Raglanmaschen eine neue Masche. Das sind insgesamt 8 neue Maschen: je 2 für Vorderteil, Rückenteil und jeden Ärmel. Wie du diese Zunahmen strickst, zeige ich in Folge 5.

Nach einer Zunahmerunde folgt eine Runde ohne Zunahmen. Dann wieder eine Zunahmerunde, dann eine Runde ohne Zunahmen. Du nimmst also in jeder zweiten Runde zu.

Für unser Beispiel brauchst du 29 Zunahmerunden. Zusammen mit den Runden ohne Zunahmen sind das 58 Runden. Die Ärmel wachsen dabei von je 8 auf je 66 Maschen. Vorderteil und Rückenteil wachsen von je 40 auf je 98 Maschen.

Nach diesen 58 Runden liegen insgesamt 100 + 29 × 8 = 332 Maschen auf deiner Nadel. Die Passe ist rechnerisch etwa 20,7 cm hoch. Die schräge Raglanlinie ist nach der Näherung im Rechner etwa 25,3 cm lang. Diese Höhen zählen ab Beginn der Raglanzunahmen, ohne ein vorher gestricktes Halsbündchen.

6. Probiere an, bevor du Rumpf und Ärmel trennst

Ziehe die Maschen vorsichtig auf ein ausreichend langes Nadelseil oder einen Faden. So kannst du die Passe überziehen, ohne dass Maschen herunterfallen. Wie das geht, zeige ich dir in diesem Video.

Prüfe den Ausschnitt, die Weite an Brust und Oberarm und die Höhe bis zu den Achseln. Du solltest dich darin bequem bewegen können. Die passende Maschenzahl allein reicht nicht: Auch die Passe muss bis unter deine Achseln reichen.

Die im Kurs genannten 20 bis 30 cm für die schräge Raglanlinie sind eine Orientierung. Bei einem weiten Pullover kann sie länger sein. Wenn die Passe beim Anprobieren noch nicht passt, teile noch nicht. Weitere Zunahmen machen sie länger und weiter; Runden ohne Zunahmen machen sie länger, ohne zusätzliche Maschen. Welche Anpassung du brauchst, hängt davon ab, wo es noch fehlt. In Folge 12 geht es um die Teilung.

7. Stricke Rumpf und Ärmel fertig

Bei der Teilung legst du die Ärmelmaschen auf je einen Faden. Das nennt man Stilllegen: Die Maschen bleiben offen, bis du später die Ärmel strickst. Vorderteil und Rückenteil verbindest du zum Rumpf und strickst in Runden weiter. In diesem Rechenweg gehen die vier Raglanmaschen in den Rumpf. Unter den Achseln schlägst du keine zusätzlichen Maschen an.

Für unser Beispiel sieht das so aus:

Teil Maschen nach der Teilung Umfang
Rumpf: 98 + 98 + 4 200 100 cm
Erster Ärmel 66 33 cm
Zweiter Ärmel 66 33 cm

Teilung der Raglanpasse mit 332 Maschen: Vorderteil und Rückenteil mit je 98 plus vier Raglanmaschen ergeben 200 Rumpfmaschen. Je 66 Ärmelmaschen werden auf einem Faden stillgelegt.

Die vier Raglanmaschen gehen in den Rumpf. Je 66 Ärmelmaschen legst du auf einem Faden still.

Stricke den Rumpf bis zur gewünschten Länge und schließe ihn mit einem Bündchen ab. Danach nimmst du die stillgelegten Maschen eines Ärmels wieder auf die Nadeln. Stricke den Ärmel nach unten, anschließend den zweiten.

Sollen die Ärmel zum Handgelenk hin schmaler werden, hilft dir der Bereich „Ärmel-Abnahmen“ im Rechner. Du brauchst die Oberarmweite, die gewünschte Weite am Ärmelende und die Ärmellänge ab der Achsel. Der Rechner zeigt dir, wie oft und in welchem Abstand du Maschen abnimmst. Mehr zu Länge und Form zeige ich in Folge 17.

Wenn der Ausschnitt vorne tiefer sitzen soll

Mit verkürzten Reihen kannst du den Rücken am Hals etwas höher stricken als das Vorderteil. Dabei strickst du einen Teil der Maschen, wendest und strickst zurück. Du arbeitest also vorübergehend in Reihen statt rundherum. Das zeige ich dir in Folge 9.

Wähle dafür im Rechner unter „Halsausschnitt“ den Weg „Verkürzte Reihen“. Die Berechnung ist ein grober Richtwert. Je nach Garn und gewünschter Ausschnittform kann eine Anpassung nötig sein. Die Wendereihen zählen bei den Raglanzunahmen mit. Du strickst sie nicht zusätzlich zu allen berechneten Zunahmen.

Für einen Rundhals mit Zunahmen am Ausschnitt oder einen V-Ausschnitt gibt es eigene Wege. Sie beginnen anders als unser Beispiel mit dem vollständigen Anschlag. Einen Überblick bekommst du in Folge 7.

Alles, was dir weiterhilft

— Claudia Wersing