Lockere Streifen zwischen den Nadeln. Ein Bündchen, das kaum über die Ferse geht. Und eine Sammlung Sockenwollreste, die für kein ganzes Paar mehr reichen.

Kommt dir bekannt vor? Beim Sockenstricken machen oft kleine Änderungen einen großen Unterschied. Eine zusätzliche Masche am Fersenübergang. Ein anderer Anschlag. Oder eine kurze Anprobe, bevor du noch einen ganzen Fuß weiterstrickst.

In dieser Folge von Schattenmaschen habe ich 30 Tipps, Tricks und Ideen für dich gesammelt. Es geht um Passform, kleine Fehler, Resteverwertung und ums Verschenken. Einen meiner liebsten kleinen Reparaturtricks zeige ich dir auch.

Hier kannst du die komplette Folge auf YouTube ansehen.

Gleichmäßiger stricken und die passende Größe finden

1. Leitern zwischen den Nadeln vermeiden

Diese lockeren Streifen entstehen, wenn am Nadelwechsel mehr Faden zwischen zwei Maschen liegt als im übrigen Gestrick. Halte die Nadeln beim Übergang nah beieinander. Stricke die erste und die zweite Masche der neuen Nadel und ziehe den Arbeitsfaden danach etwas nach. Nicht mit Gewalt, sondern gerade so, dass die überschüssige Fadenlänge verschwindet.

Hilft das noch nicht genug, kannst du die Übergänge zwischen den Nadeln abwechselnd um eine Masche verschieben. So liegen die lockeren Stellen nicht ständig übereinander. Dazu findest du hier mein Video gegen Leitern beim Sockenstricken.

2. Kleine Löcher am Fersenübergang verhindern

Bei einer Ferse mit Fersenwand entsteht manchmal dort eine Lücke, wo du die aufgenommenen Maschen und die Oberfußmaschen wieder zusammenführst. Ich nehme an dieser Stelle eine zusätzliche Masche aus dem Querfaden auf. Damit die Maschenzahl anschließend wieder stimmt, kannst du diese Masche später abnehmen. Ist die Socke schon fertig, hilft dir vielleicht Tipp 28.

3. Beim engen Bündchen genau hinschauen

Dehnt sich das Rippenbündchen gut, aber die Anschlagkante stoppt? Dann lohnt sich ein elastischerer Anschlag, etwa der norwegische Kreuzanschlag, auch German Twisted Cast-on genannt.

Ist dagegen das gesamte Bündchen zu eng, solltest du Maschenzahl und Strickdichte überprüfen. Zieh die Socke dafür wirklich an. Nur mit den Händen auseinanderzuziehen sagt oft weniger aus, als man denkt.

4. Die Maschenprobe in Runden stricken

Die Nadelstärke auf der Banderole ist ein Vorschlag. Wir stricken unterschiedlich fest, und manche stricken in Runden anders als in Hin- und Rückreihen. Deshalb sollte deine Maschenprobe so entstehen wie später deine Socke: in Runden.

Schau auch auf das Gestrick. Für Alltagssocken möchte ich ein ausreichend dichtes, aber noch elastisches Gewebe. Eine Kuschelsocke darf etwas lockerer ausfallen.

5. Sockentabellen richtig lesen

Schau zuerst nach der Garnstärke und der zugrunde liegenden Maschenprobe. Erst danach suchst du deine Schuhgröße heraus. Eine Tabelle erspart dir Rechnerei, aber sie kann deine persönliche Strickspannung nicht ausgleichen.

Hier findest du unsere Sockentabellen für verschiedene Garnstärken.

Ferse und Spitze an deinen Fuß anpassen

6. Vor einer neuen Ferse einen Rettungsfaden einziehen

Du möchtest eine Fersenform ausprobieren und bist noch unsicher? Ziehe vorher einen Hilfsfaden in einer Kontrastfarbe durch die betreffenden Maschen. Er wird nicht mitgestrickt; die Enden lässt du ausreichend lang hängen.

Falls du die Ferse wieder auftrennst, hält der Faden die Maschen fest. Gelingt alles, ziehst du ihn einfach wieder heraus.

7. Bei hohem Spann Platz einplanen

Schaft und Vorderfuß passen, aber über dem Spann wird es eng? Dann lohnt sich eine Ferse mit Fersenwand und Spickel, zum Beispiel eine Käppchenferse. Der Spickel schafft zusätzliche Weite in diesem Bereich. Bei Bedarf kannst du die Fersenwand verlängern und den Spickel entsprechend anpassen.

8. Nach der Ferse anprobieren

Sobald Schaft und Ferse fertig sind, ist ein guter Zeitpunkt für eine Anprobe. Nimm die Maschen auf ein ausreichend langes Seil und prüfe: Sitzt die Ferse am richtigen Platz? Spannt es über dem Fuß? Oder sammelt sich irgendwo zu viel Gestrick?

Du musst nicht bis zur fertigen Spitze warten, um das herauszufinden.

9. Den Beginn der Spitze planen

Soll deine fertige Socke beispielsweise 26 Zentimeter lang werden und die Spitze fünf Zentimeter einnehmen, beginnst du nach 21 Zentimetern mit den Spitzenabnahmen.

Als grobe Orientierung gilt auch: Beginne, wenn der gestrickte Fuß bei korrekt sitzender Ferse den kleinen Zeh gerade bedeckt. Aber wirklich nur als Orientierung. Zehen, Spitzenformen und Maschenproben sind unterschiedlich.

10. Die Spitzenform verändern

Eine Socke kann lang genug sein und trotzdem vorne drücken. Schon die Zahl der verbleibenden Maschen verändert die Form der Spitze. Bei der im Video gezeigten Spitzenkonstruktion ergibt ein früherer Abschluss mit mehr Restmaschen eine rundere Form; weitere Abnahmen machen sie länger und spitzer.

Was angenehm sitzt, hängt von deinen Zehen ab. Das darfst du ausprobieren.

11. Mit Maschenstich flach abschließen

Wenn dich knubbelige Abschlüsse stören, versuche einmal, die offenen Maschen der Spitze mit Maschenstich zu verbinden. Das braucht etwas Übung, ergibt aber einen besonders flachen Übergang.

Kleine Gewohnheiten, die das Stricken leichter machen

12. Einen festen Haltepunkt wählen

Du legst die Socke weg und weißt später nicht mehr, ob jetzt eine Abnahmerunde kommt? Gewöhne dir an, möglichst immer an derselben Stelle aufzuhören, etwa direkt vor einer Abnahmerunde.

Musst du mittendrin stoppen, notiere den nächsten Schritt. „Als Nächstes Runde 5“ hilft dir später mehr als die Hoffnung, dich schon zu erinnern.

13. Die erste Socke dokumentieren

Garn, Nadelstärke, Anschlag, Schaftrunden, Fersenwand und Änderungen: Schreib dir die wichtigsten Angaben auf. So wird die zweite Socke wie die erste. Und beim nächsten Paar musst du nicht wieder von vorn überlegen.

14. Beide Socken parallel stricken

Du kannst mit zwei Nadelspielen oder zwei passenden Nadelsätzen abschnittsweise arbeiten: erst beide Bündchen, dann beide Schäfte, anschließend beide Fersen. So lässt sich alles direkt vergleichen. Und die zweite Socke ist schon weit gekommen, wenn die erste fertig wird.

15. Runden in Zehnerschritten markieren

Hänge nach jeder zehnten Runde einen verschließbaren Maschenmarkierer ins Gestrick. Dann zählst du schnell 10, 20, 30, 40 und nur noch die übrigen Runden einzeln. Das funktioniert übrigens genauso bei Ärmeln.

16. Sockenwolle auch für Oberteile verwenden

Sockenwolle kann viel mehr als Socken. Meinen Pullunder Tuscan Tapestry stricke ich mit doppeltem Faden. Dabei wechseln einfarbige und melierte Quadrate miteinander ab. Für die melierten Flächen werden zwei unterschiedliche Farben zusammen verstrickt.

Hier findest du die Anleitung für Tuscan Tapestry und das dazugehörige Garn Kremke Edelweiss Alpaka 4-fach.

17. Knoten im Garn herausschneiden

Ein einzelner Knoten kann bei der Garnherstellung vorkommen. Ich würde ihn trotzdem nicht einfach mitstricken. Er kann sich lösen, auf die Vorderseite wandern oder später im Schuh drücken.

Meine Empfehlung: Knoten herausschneiden, den Faden neu ansetzen und die Enden sorgfältig vernähen.

Sockenwollreste sinnvoll verwenden

18. Reste vorab auf zwei Portionen verteilen

Sollen beide Restesocken gleich aussehen, teile jede Farbe vorher in zwei möglichst gleiche Mengen. Eine grammgenaue Waage hilft dabei. So bekommt die erste Socke nicht die schönsten langen Streifen, während für die zweite kaum etwas übrig bleibt.

19. Kleine Mengen als Kontrast einsetzen

Für breite Streifen reicht es nicht mehr? Vielleicht aber für eine Spitze, eine Ferse oder ein Bündchen. Gerade eine unerwartete Kontrastfarbe kann einer Socke ihren besonderen Charakter geben. Wie viel du brauchst, hängt natürlich von Größe und Garn ab.

20. Eine verbindende Grundfarbe wählen

Wenn deine Reste farblich sehr unterschiedlich sind, kann eine wiederkehrende Grundfarbe Ruhe hineinbringen. Ich habe das bei einem Schal mit Naturweiß und vielen bunten Streifen gemacht. Bei Socken funktioniert die Idee genauso. Auch Schwarz oder eine andere passende Grundfarbe kommt infrage.

21. Helixstreifen ausprobieren

Helixstricken kennst du vielleicht auch als Gumgum-Socken oder Spiralstreifen. Die Farben laufen spiralförmig weiter, sodass kein üblicher stufiger Farbwechsel am Rundenbeginn entsteht. Das eignet sich wunderbar für schmale Streifen aus Resten.

In meinem Ringelsocken-Kurs ohne Versatz kannst du Schritt für Schritt mitstricken.

22. Kleine Wunschbeutel stricken

Aus Sockenwollresten müssen nicht wieder Socken werden. Kleine Omamori-Wunschbeutel sind eine schöne Idee für Anhänger oder persönliche Geschenke. Dazu gibt es mein Tutorial für Omamori-Wunschbeutel mit Tassel-Knoten.

Schattenstrick und das passende Werkzeug

23. Motive erst auf den zweiten Blick zeigen

Ich liebe am Schattenstricken diesen Moment, wenn du das Gestrick kippst und plötzlich ein Motiv auftaucht. Dafür brauchst du rechte und linke Maschen und eine passende Musteranordnung.

Für den Herbst zeige ich im Video Pumpkin & Witch mit Kürbis und Hexenhut sowie Spider & Ghost mit Spinne und Gespenst.

24. Auf den Helligkeitskontrast achten

Zwei schöne Farben ergeben nicht automatisch ein deutlich sichtbares Schattenstrickmotiv. Entscheidend ist ein ausgeprägter Hell-Dunkel-Kontrast. Im gezeigten Vergleich tritt das Motiv mit Weiß und Anthrazit besonders klar hervor.

Weitere Motive findest du bei Astral mit Stern und Herz, Oath mit Runen und Kissed By Death mit Totenschädel und Kuss.

25. Aus Sockenmotiven Pulswärmer machen

Du kannst den gemusterten Schaft einer Schattenstrick-Socke auch als Ausgangspunkt für Pulswärmer verwenden. Wähle einen zum Handgelenk passenden Umfang und passe Bündchen und Länge an.

Im Video zeige ich kurze Pulswärmer mit Motiven aus den Runensocken. Ein schönes kleines Projekt, um die Technik auszuprobieren.

26. Dein Nadelsystem finden

Wenn dich das Nadelspiel nervt, probiere eine andere Möglichkeit aus. Gebogene Nadeln können die Maschen besser halten. Bei einem Trio verteilst du die Maschen auf zwei Nadeln und strickst mit der dritten. Mit einer langen Rundstricknadel kannst du die Magic-Loop-Methode verwenden.

Hier erkläre ich Magic Loop am Beispiel eines Ärmels. Das Prinzip lässt sich auch für Socken nutzen. Welche Variante dir liegt, findest du am besten beim Stricken heraus.

Socken länger tragen und schön verschenken

27. Die Ferse schon beim Stricken verstärken

Die Ferse wird stark beansprucht. Wenn deine Socken dort schnell dünn werden, kannst du die Verstärkung von Anfang an einplanen, etwa durch ein dichteres Fersenmuster.

Verschiedene Möglichkeiten zeige ich im Video Ferse verstärken beim Sockenstricken - Techniken und Unterschiede.

28. Eine kleine Fersenlücke nachträglich schließen

Manchmal bleibt trotz aller Mühe eine kleine Lücke am Fersenübergang. Ich drehe die Socke dann auf links und suche den zu lockeren Fadenabschnitt. Ziehe ich die überschüssige Länge nach innen, schließt sich die Lücke außen.

Diese Mehrlänge sichere ich innen mit doppelt genommenem Nähgarn dicht am Gestrick, damit sie nicht wieder zurückrutscht. Anschließend vernähe ich die Nähgarnenden. Im Video ab dem Reparaturtipp kannst du dir den Handgriff genau ansehen. Gemeint ist hier eine Lücke durch einen lockeren Faden, kein durchgescheuertes Loch.

29. Ein kleines Reparaturset beilegen

Wenn du Socken verschenkst, wickle etwas vom verwendeten Garn auf einen kleinen Papierstreifen. Schreibe Material und Pflegehinweise dazu, vielleicht noch einen persönlichen Gruß.

Es braucht kein großes Restknäuel. Manchmal ist später genau dieser kleine passende Faden das, was für eine Reparatur fehlt.

30. Socken als japanische Häppchen verpacken

Zum Schluss wird aus einem Paar Socken ein kleines Geschenk mit Überraschungseffekt. Rolle und arrangiere die Socken wie japanische Häppchen, lege Essstäbchen dazu und ergänze die Pflegekarte mit dem Garnrest. Im Video zeige ich dir die Idee.

Welchen Tipp probierst du aus?

Vielleicht ist es der Rettungsfaden vor einer neuen Ferse. Vielleicht strickst du deine nächsten beiden Socken parallel. Oder du holst endlich die kleinen Wollreste hervor und machst etwas daraus.

Schreib mir unter dem Video, welche Tipp-Nummer du ausprobieren möchtest und welche Sockenfrage noch offen ist.

Hier geht es zur Folge mit allen 30 Tipps.

Passende Sockenwolle, Nadeln und Zubehör sowie meine Schattenstrick-Sockenanleitungen findest du im Shop.

Viel Freude beim Sockenstricken!

Deine Claudia 🖤

— Claudia Wersing