Garnstärken beschreiben, wie dick ein Strickgarn ist. Lace ist sehr fein, Fingering fein, DK mittelstark und Aran kräftiger. Die Begriffe helfen dir, Garne und Anleitungen zu vergleichen. Ob ein Garn zu deinem Projekt passt, erkennst du anschließend an der Maschenprobe.
Du möchtest die Unterschiede lieber sehen? In meinem Video „Stricken: Alles was du über Garnstärken wissen musst“ erkläre ich die verschiedenen Systeme und zeige Beispiele an Strickmodellen.
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Garnstärken-Tabelle: von Lace bis Aran
Im englischen Sprachraum heißen die Stärken yarn weights. Gemeint ist die Dicke des Fadens, nicht das Gewicht des Knäuels. Ein 50-g-Knäuel kann ein feines oder ein dickes Garn enthalten.
| Garnstärke | Dicke | CYC-Kategorie | Maschen auf 10 cm, glatt rechts | Stricknadeln |
|---|---|---|---|---|
| Lace | sehr fein | 0 / Lace | 33-40* | 1,5-2,25 mm* |
| Fingering | fein | 1 / Super Fine | 27-32 | 2,25-3,25 mm |
| DK | mittelstark | 3 / Light | 21-24 | 3,75-4,5 mm |
| Aran | kräftiger | 4 / Medium, gemeinsam mit Worsted | 16-20 | 4,5-5,5 mm |
Das sind Orientierungswerte des Craft Yarn Council (CYC). *Lace wird für luftige Lochmuster oft mit deutlich größeren Nadeln gestrickt. Hersteller ordnen ihre Garne unterschiedlich ein; für dein Modell zählt die Maschenprobe der Anleitung.
Die vollständige Reihenfolge lautet: Lace, Fingering, Sport, DK, Worsted/Aran, Bulky, Super Bulky, Jumbo. Sport liegt zwischen Fingering und DK. Bulky und die folgenden Stärken sind dicker als Aran.
Was bedeuten Lace, Fingering, DK und Aran?
Lace: sehr feines Garn für leichte Strickstücke
Lace heißt auf Englisch Spitze. Als Garnstärke bezeichnet es sehr feine Garne, die du für leichte Tücher, Schals oder Oberteile verwenden kannst. Du musst daraus kein Lochmuster stricken. Auch glatte Flächen sind möglich.
Bei Lace macht die Nadel viel aus: Mit einer größeren Nadel entstehen offene, luftige Maschen. Eine kleinere Nadel ergibt ein dichteres Gestrick. Deshalb wirkt die kleine Nadelangabe in der Tabelle bei einem Tuch manchmal überraschend.
Ein Beispiel aus dem Shop ist Loch Lomond Lace von BC Garn mit 300 m auf 50 g. Der Hersteller nennt dafür 26 Maschen auf 10 cm. Daran siehst du, warum die allgemeinen Tabellenwerte keine feste Grenze sind.
Hier findest du Strickanleitungen für Lace-Garne.
Fingering: feines Garn, oft für Socken und Tücher
Fingering ist eine feine Garnstärke. Sie wird häufig für Socken, Tücher, leichte Pullover und feine Muster verwendet. Viele klassische 4-fach-Sockengarne liegen in diesem Bereich. Ein Fingering-Garn ist aber nicht automatisch ein Sockengarn: Zusammensetzung und Verarbeitung müssen zur Beanspruchung passen.
Für Socken brauchst du ein dichteres Gestrick als für ein weich fallendes Tuch. Auch beim gleichen Garn kann deshalb eine andere Nadelstärke sinnvoll sein. In unseren Sockentabellen für 4-fach, 6-fach und 8-fach findest du die jeweils zugrunde gelegte Maschenprobe.
Zu den Strickanleitungen für Fingering-Garne.
DK: Double Knitting, eine mittlere Garnstärke
DK steht für Double Knitting und bezeichnet eine mittelstarke Garnklasse. Der Name bedeutet nicht, dass du das Garn mit zwei Fäden stricken musst. Er bezeichnet hier auch nicht die Stricktechnik Doubleface.
DK eignet sich für Pullover, Jacken, Mützen und viele andere Projekte. Wenn du gerade anfängst, lässt sich ein glattes, helles Garn in dieser Stärke gut überblicken: Du kannst die einzelnen Maschen erkennen, ohne mit einem sehr feinen Faden arbeiten zu müssen. Such dir dazu eine Anleitung, deren Maschenprobe zum Garn passt.
Hier findest du Strickanleitungen für DK-Garne.
Aran: kräftiges Garn für deutlich sichtbare Maschen
Aran ist dicker als DK und wird oft für warme Pullover, Jacken, Mützen und plastische Muster verwendet. Zöpfe kommen in einem glatten Garn gut zur Geltung, weil du ihre Form deutlich siehst.
Worsted und Aran gehören im CYC-System zur selben Kategorie. Im Handel wird Aran häufig etwas kräftiger eingeordnet als Worsted. Wenn eine Anleitung Worsted verlangt, ersetzt du es deshalb nicht allein wegen der gemeinsamen Kategorie durch Aran.
Entdecke die Strickanleitungen für Aran-Garne.
Garnstärke, Lauflänge, Nadelstärke: Was ist der Unterschied?
Die Banderole ist das Papierband um dein Garn. Diese Angaben helfen dir bei der Auswahl:
- Garnstärke: die Klasse der Fadendicke, etwa Fingering oder DK.
- Lauflänge: wie viele Meter Garn im angegebenen Gewicht stecken, zum Beispiel 200 m auf 50 g.
- Nadelstärke: der Durchmesser der Nadel in Millimetern. Die Angabe auf der Banderole ist eine Empfehlung.
- Maschenprobe: wie viele Maschen und Reihen eine bestimmte Fläche ergeben, meist 10 × 10 cm.
Steht dort „22 Maschen und 30 Reihen = 10 × 10 cm“, sind 22 Maschen nebeneinander 10 cm breit und 30 Reihen übereinander 10 cm hoch. Glatt rechts bedeutet: In Reihen strickst du auf der Vorderseite rechte und auf der Rückseite linke Maschen.
Lauflängen auf dasselbe Gewicht umrechnen
200 m auf 50 g und 400 m auf 100 g sind dieselbe Lauflänge pro Gewicht. Du verdoppelst beim Umrechnen sowohl die Meter als auch die Gramm. Ein Garn mit 200 m auf 100 g ist dagegen kürzer pro Gewicht.
Rechnung: Meter pro 100 g = Lauflänge des Knäuels ÷ Knäuelgewicht in Gramm × 100. Bei Loch Lomond Lace sind das 300 ÷ 50 × 100 = 600 m pro 100 g.
Bei ähnlich aufgebauten Garnen aus ähnlichen Fasern deutet eine höhere Meterzahl pro 100 g auf einen feineren Faden hin. Ein flauschiges Mohairgarn, ein luftiges Schlauchgarn und ein kompakter Baumwollfaden lassen sich darüber aber nicht zuverlässig derselben Stärke zuordnen. Darum enthält die Vergleichstabelle keine festen Metergrenzen.
Was bedeuten 4-ply und 8-ply?
In englischen Anleitungen begegnet dir auch ply. Das Wort kann die Anzahl der verzwirnten Einzelfäden meinen. In Garnstärken-Systemen wird es außerdem als traditionelle Klassenbezeichnung verwendet: 4-ply steht häufig für Fingering, 8-ply für DK.
Du kannst daraus nicht sicher ablesen, aus wie vielen Einzelfäden das Garn tatsächlich besteht. Auch ein einfädiges Garn kann zu einer solchen Stärkeklasse gehören. „4-fach-Sockenwolle“ ist wiederum eine gebräuchliche Sockengarn-Bezeichnung. Vergleiche bei einer englischen Anleitung deshalb die Maschenprobe, statt nur die Zahl zu übersetzen.
So findest du das passende Garn für deine Anleitung
- Lies zuerst die Materialangaben. Welche Stärke, welche Fasern und welche Maschenprobe verlangt die Anleitung? Soll das Strickstück fest, weich fallend oder luftig werden?
- Vergleiche passende Garne. Starte mit derselben Garnklasse. Schau dann auf Zusammensetzung, Aufbau und Lauflänge. Im Wollsortiment kannst du nach Garnstärke filtern.
- Stricke eine Maschenprobe. Verwende das Muster aus der Anleitung und stricke die Probe größer als 10 × 10 cm. Wasche sie so, wie du später das fertige Stück waschen möchtest, lass sie liegend trocknen und miss in der Mitte.
- Vergleiche die Maschenzahl. Hast du mehr Maschen auf 10 cm, probiere eine größere Nadel. Hast du weniger, probiere eine kleinere. Prüfe dabei auch, ob dir das Gestrick gefällt.
- Berechne erst dann die Menge. Vergleiche die benötigten Meter mit den Metern pro Knäuel deines Ersatzgarns. Der Garnverbrauch-Rechner hilft dir dabei.
Ein Rechenbeispiel: Eine Anleitung benötigt 1.200 m Garn. Dein passendes Ersatzgarn hat 150 m pro Knäuel. 1.200 ÷ 150 ergibt 8 Knäuel. Das ist die rechnerische Grundmenge; eine in der Anleitung genannte Reserve kommt gegebenenfalls hinzu.
Wie du bei abweichenden Werten weiterarbeitest, erkläre ich im Ratgeber „Garn ersetzen: Maschenprobe prüfen und Menge umrechnen“. Für den ersten Pullover kannst du außerdem mit dem Ratgeber „Pullover stricken für Anfänger“ beginnen.
Garnstärken im Video erklärt
Im Video gehe ich auch auf Angaben wie Nm, Tex und WPI ein. Für dein erstes Projekt reicht es, Garnklasse, Banderole und Maschenprobe zusammen zu lesen. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, findest du hier die Erklärung:
Direkt zu den Kapiteln: Lauflänge und metrisches System ab 4:24, US-Bezeichnungen ab 8:19 und Beispiele an Strickmodellen ab 17:52.
Häufige Fragen zu Garnstärken
Welche Garnstärke ist Fingering auf Deutsch?
Fingering bezeichnet ein feines Strickgarn. Viele 4-fach-Sockengarne fallen in diesen Bereich. Eine eindeutige deutsche Übersetzung für alle Garne gibt es nicht; Fingering wird auch für Tücher und leichte Oberteile verwendet.
Ist DK dasselbe wie 6-fach-Sockenwolle?
Viele 6-fach-Sockengarne liegen ungefähr im DK-Bereich. Die Bezeichnungen sind aber nicht beliebig austauschbar. Für Socken vergleichst du die Maschenprobe des Garns mit der Tabelle oder Anleitung, die du verwenden möchtest.
Ist Aran dicker als DK?
Ja. Aran ist die kräftigere Garnstärke. Wenn du dieselbe Maschenzahl mit Aran statt mit DK strickst, wird das Stück bei entsprechend größerer Maschenbreite größer.
Ergeben zwei Fäden Fingering ein DK-Garn?
Zwei gemeinsam verstrickte Fingering-Fäden können ungefähr im DK- bis Worsted-Bereich liegen. Eine feste Gleichung ist das nicht. Bei zwei gleichen Fäden mit jeweils 400 m auf 100 g erhältst du rechnerisch 200 m gemeinsamen Faden auf 100 g Gesamtgewicht. Welche Maschenprobe daraus entsteht, zeigt dir die Strickprobe.
Welche Garnstärke eignet sich für Anfänger?
Ein glattes, helles Garn in DK oder Aran ist ein guter Einstieg, weil du die Maschen gut sehen kannst. Die passende Anleitung und ein übersichtliches Muster helfen dir dabei. Sehr dunkle oder stark flauschige Garne machen das Erkennen der Maschen schwieriger.
Kann ich Lace mit einer 4-mm-Nadel stricken?
Ja, wenn du ein luftiges Gestrick möchtest und die Maschenprobe zur Anleitung passt. Bei Lochmustertüchern sind größere Nadeln auch mit sehr feinem Garn üblich.
Quellen und weitere Hilfe
Von Claudia Wersing, Strickdesignerin. Die Vergleichswerte stammen aus dem Standard Yarn Weight System des Craft Yarn Council. Die Garnstärken-Übersicht von Cowgirlblues zeigt ergänzend englische Bezeichnungen. Das konkrete Lace-Beispiel ist mit den Herstellerangaben zu Loch Lomond Lace abgeglichen. Weitere Erklärungen findest du in meinem oben verlinkten Video.
