Eine Temperaturdecke strickst du über ein ganzes Jahr: Jeden Tag kommt eine Reihe dazu. Die Farbe richtet sich nach der Temperatur des Tages. Du beginnst am 1. Januar, am 31. Dezember ist dein Jahr in Streifen fertig. Deshalb heißt sie auch Jahresdecke.
Vor dem Anschlag brauchst du einen kleinen Plan. Welche Temperatur zählt? Welche Farbe gehört dazu? Und wie groß wird die Decke mit deinem Garn? Hier gehen wir das der Reihe nach durch. Im Video zur Planung einer Temperaturdecke zeige ich dir das auch.
Wie es mir mit dem täglichen Stricken ging, erzähle ich in meinem Rückblick auf die Jahresdecke. Hier geht es darum, wie du deine eigene planst.
1. Entscheide, welche Temperatur zählt
Auf einer Wetterseite findest du mehrere Werte für einen Tag. Der Tiefstwert ist die kälteste Temperatur, oft in der Nacht. Der Höchstwert ist die wärmste, oft am Nachmittag.
Du kannst auch einen Mittelwert nehmen. Für diese Decke rechne ich ihn einfach so: Höchstwert und Tiefstwert zusammenzählen und durch zwei teilen. Das ist eine vereinfachte Rechnung, kein genaues Tagesmittel aus allen Messungen.
Ich empfehle, den Wert nach Jahreszeit zu wählen. So kommen im Winter die kalten und im Sommer die warmen Farben eher zum Zug:
| Monate | Welchen Wert du nimmst |
|---|---|
| Januar und Februar | Tiefstwert |
| März, April und Mai | Mittelwert aus Höchst- und Tiefstwert |
| Juni, Juli und August | Höchstwert |
| September und Oktober | Mittelwert aus Höchst- und Tiefstwert |
| November und Dezember | Tiefstwert |
Du kannst genauso gut das ganze Jahr beim Höchstwert, Tiefstwert oder Mittelwert bleiben. Schreibe deine Entscheidung vor dem Start auf. Auch den Wechsel nach Jahreszeit legst du jetzt fest. Während des Jahres suchst du dir dann nicht spontan den Wert aus, dessen Farbe dir gerade besser gefällt.
2. Nimm eine Wetterquelle und einen Ort
Such dir eine Wetterseite oder App aus und bleibe dabei. Nimm immer deinen Wohnort, auch wenn du im Urlaub bist. Verschiedene Quellen zeigen manchmal etwas andere Werte.
Entscheide außerdem, ob du die Vorhersage für den Tag nutzt oder am nächsten Morgen den gemessenen Wert von gestern nachsiehst. Beides geht. Mach es nur das ganze Jahr gleich. Wenn du gemessene Werte nimmst, kannst du die Reihe für den 31. Dezember erst am 1. Januar danach stricken.
Runde auf ganze Grad. Aus 8,4 Grad werden 8, aus 8,5 Grad werden 9. Bei genau einem halben Grad runde ich zur höheren Zahl: Aus -3,5 Grad werden -3. Notiere auch diese Regel, damit du später nicht neu überlegen musst.
3. Plane deine Farben von kalt nach warm
Lege die Garne nebeneinander und schau dir den Verlauf an. Ich nehme zehn Farben, von Dunkelblau über Weiß und Gelb bis zu Rot und Braun. Meine Temperaturbereiche liegen in Schritten von vier Grad und sind für Norddeutschland gedacht.

Die Farbreihenfolge zeigt das Prinzip. Die Skizze enthält keine Temperaturbereiche und keine verbindlichen Garnfarben.
Wohnst du anderswo, schau dir zuerst die Temperaturen des letzten Jahres an. Wie kalt wurde es im Winter, wie warm im Sommer? Nutze dafür die Werte, mit denen du später auch stricken möchtest. Lege die Bereiche so, dass die kälteste und die wärmste Farbe nur selten drankommen. Das letzte Jahr hilft beim Planen. Es sagt dir nicht, wie das nächste wird.
Jede ganze Temperatur braucht einen eindeutigen Platz. Zwischen deinen Bereichen darf keine Lücke sein, und eine Zahl darf nicht zu zwei Farben gehören. Lege auch fest, was unterhalb und oberhalb deiner geplanten Bereiche passiert.

Historische Temperaturbereiche der Farbkarte 2024 als Text
Diese Bereiche und Farbnummern gehören zu Claudias damaliger Decke. Sie sind ein historisches Beispiel.
| Temperaturbereich | Damals verwendete Farbnummer |
|---|---|
| -4 °C und kälter | 21 |
| -3 bis 0 °C | 19 |
| 1 bis 4 °C | 13 |
| 5 bis 8 °C | 101 |
| 9 bis 12 °C | 05 |
| 13 bis 16 °C | 06 |
| 17 bis 20 °C | 04 |
| 21 bis 24 °C | 03 |
| 25 bis 28 °C | 08 |
| 29 bis 32 °C | 09 |
| 33 °C und wärmer | 20 |
Meine Farbkarte von 2024: Wollfäden neben den damals gewählten Temperaturbereichen. Sie zeigt meine damalige Planung mit einer anderen Farbauswahl als in der heutigen Anleitung. Den aktuellen Farbplan findest du in der Anleitung Jahresdecke.
Wenn du meinen fertigen Farbplan nutzen möchtest, findest du die Farbtabelle in der Anleitung Jahresdecke. Dort stehen auch die Garnvorschläge. Prüfe vor dem Kauf, ob du die gewählten Farben für dein Jahresprojekt noch ausreichend bekommst.
4. Rechne die Größe mit deiner Maschenprobe
Eine Maschenprobe ist ein kleines Probestück. Stricke es mit demselben Garn, denselben Nadeln und kraus rechts wie später die Decke. Kraus rechts heißt: Du strickst in jeder Reihe rechte Maschen, auch auf dem Rückweg.
Die Probe sollte größer als 10 × 10 cm sein. Wasche sie so, wie du später die Decke waschen wirst, und lass sie ganz trocknen. Lege sie flach hin, ohne zu ziehen. Zähle in der Mitte die Maschen auf 10 cm Breite und die Reihen auf 10 cm Höhe. Eine sichtbare Krausrippe besteht aus zwei Reihen. Zähle für die Rechnung die einzelnen Reihen.
Die Seite entlang des Anschlags bestimmst du selbst. Du rechnest: gewünschte Zentimeter × Maschen auf 10 cm ÷ 10. Bei 14 Maschen auf 10 cm brauchst du für 150 cm also 150 × 14 ÷ 10 = 210 Maschen.
Die andere Seite entsteht durch die Tagesreihen. Bei 365 Tagen rechnest du: 365 ÷ Reihen auf 10 cm × 10. Mit 26 Reihen auf 10 cm sind das etwa 140 cm. Ein anderes Garn oder eine andere Strickfestigkeit verändert diese Seite. Sie lässt sich bei einer Reihe pro Tag nicht einfach frei wählen.

Der Anschlag bestimmt die eine Seite, die Tagesreihen die andere. Die Streifen sind schematisch und zeigen keine echte Temperaturfolge.
Meine Decke aus der Anleitung hat 260 Anschlagmaschen. Mit 14 Maschen und 26 Reihen auf 10 cm, gestrickt mit Nadel 6,5, ergibt das rechnerisch etwa 186 × 140 cm. Gemessen sind es ungefähr 185 × 150 cm. Das sehr lockere Gestrick gibt nach, deshalb sind die Maße nicht auf den Zentimeter fest.
Beim Umrechnen hilft dir der Maschenproben-Rechner. Nimm deine eigene Probe. In meinem Rückblick erzähle ich auch, wie eine größere Nadel meine Decke viel größer gemacht hat als geplant.
5. Plane den Garnbedarf mit Puffer
Meine Decke wiegt rund 1,7 kg. Auf 365 Reihen verteilt sind das im Durchschnitt etwa 4,7 g je Reihe. Das gilt für diese Decke mit diesem Garn und diesem Anschlag.
Mit demselben Garn und derselben Maschenprobe, aber 210 statt 260 Maschen, wären es rechnerisch rund 1,4 kg. Für ein anderes Garn kannst du diese Grammzahlen nicht einfach übernehmen. Beim Umrechnen auf ein anderes Garn hilft dir der Garnersatz-Rechner.
Wie viel du von jeder Farbe brauchst, weiß vorher niemand. Manche Temperaturen kommen wochenlang vor, andere vielleicht nur an wenigen Tagen. Teile die Gesamtmenge deshalb nicht einfach gleichmäßig durch zehn. Plane Puffer ein. Die Anleitung hilft dir mit der Startmenge, einer Strichliste und Hinweisen zum Nachkaufen.
6. Stricke jeden Tag eine Reihe
Am 1. Januar schlägst du die berechneten Maschen in der Farbe des Tages an. Danach strickst du die erste Tagesreihe. Der Anschlag zählt noch nicht als Tagesreihe.
Dann bleibt der Ablauf gleich: Temperatur ablesen, Farbe zuordnen, eine Reihe rechte Maschen stricken. Wenden und bis zur nächsten Tagesreihe warten. Eine Reihe ist ein Weg von einem Rand zum anderen. Hin und zurück wären schon zwei Tage.
Wechsle die Farbe immer am Rand. Haben zwei aufeinanderfolgende Tage dieselbe Farbe, strickst du mit dem Faden weiter. Eine bald wiederkehrende Farbe kannst du am Rand locker hochführen, wenn der Faden an dem Rand hängt, an dem du ihn brauchst. Das klappt bei einer geraden Zahl von Reihen dazwischen. Nach jeder Reihe bist du am anderen Rand, nach zwei wieder am selben. Bei längeren Abständen schneidest du den Faden ab und vernähst ihn später.
Hast du einen Tag verpasst, notiere trotzdem die Temperatur und hole die Reihe nach. Lass möglichst nur zwei oder drei Tage zusammenkommen. So bleibt das Nachholen überschaubar.
2027 hat 365 Tage. In einem Schaltjahr wären es 366 Tagesreihen. Nach der letzten Tagesreihe kettest du locker ab und vernähst die übrigen Fadenenden.
So bleibst du ein Jahr lang dabei
Eine feste Zeit hilft. Häng deine Reihe an etwas, das du sowieso täglich machst, zum Beispiel an den Kaffee nach dem Mittagessen. Leg Garn und Decke so bereit, dass du gleich anfangen kannst.
Bei mir gab es Wochen, in denen ich keine Lust hatte oder der Alltag voll war. Ich habe trotzdem weitergestrickt, manchmal auch zwei oder drei Reihen zusammen. Diese kleine Routine war am Ende mehr wert als die Begeisterung an jedem einzelnen Tag.
Ein paar Fotos und kurze Notizen zum Jahr machen die Decke später noch persönlicher. Heute sehe ich in meiner Decke das Jahr und seine Erinnerungen. Die Fehler sind für mich kaum noch wichtig. Mehr dazu steht im Rückblick.

Einblicke in mein Jahresprojekt 2024. Die Fotos zeigen meine damalige Decke, keine Vorlage für die Temperaturfolge oder die Farben deiner Decke.
Wenn du gern mit anderen strickst, verabrede dich zum Dranbleiben. Ihr könnt euch zwischendurch eure Streifen zeigen, auch wenn jede Decke anders aussieht.
Eine Jahresdecke kann auch von Büchern oder Stimmungen erzählen
Das Prinzip lässt sich verändern. Bei einer Buchdecke wählst du die Farben nach deinen gelesenen Geschichten, zum Beispiel nach Genre oder Stimmung. Bei einer Stimmungsdecke steht die Tagesfarbe für dein Gefühl. Beide Ideen stelle ich im Artikel zur Jahresdecke vor. Auch hier legst du vor dem Start fest, was die Farben bedeuten.
Was du mit den Resten machen kannst
Übrig gebliebenes Garn lässt sich weiterverwenden. Für kleinere Mengen zeige ich dir ein tunesisch gehäkeltes Federmäppchen und gehäkelte Blüten, zum Beispiel für ein Kissen.
Für größere Reste kommt auch ein Kapuzenkragen infrage. Wie so ein Kragen entsteht, zeige ich im Kapuzenkragen-Tutorial. Eine weitere Modellidee ist der Kapuzen-Kragen Marked mit abknöpfbarer Kapuze, den es auch als Strickset gibt. Prüfe für dein Restegarn die Garnstärke und die benötigte Menge. Ein kleines Restknäuel reicht dafür nicht.
Dein Plan für den 1. Januar
Wenn Wetterquelle, Tageswert, Farben und Maschenprobe feststehen, kannst du anfangen. In meiner Anleitung Jahresdecke findest du die fertige Farbtabelle, die Strichliste und die Angaben zu Garn und Stricken zusammen.
Was soll deine Decke festhalten: die Temperaturen, dein Lesejahr oder deine Stimmungen?
