Du hast ein Schattenstrick-Tuch gefunden, aber möchtest es mit anderer Wolle stricken? Oder das Motiv gefällt dir, nur das Tuch soll kleiner oder größer werden? Beides lässt sich planen. Entscheidend ist zuerst: Soll die fertige Größe gleich bleiben, oder möchtest du sie bewusst verändern?

In meinem Video Schattenstrick-Tücher: Größen- und Garnanpassungen, Teil 4 zeige ich dir die Zusammenhänge. Hier kannst du sie in Ruhe nachlesen und mit deiner eigenen Maschenprobe durchrechnen. Wenn du die Technik erst kennenlernen möchtest, beginne mit dem Schattenstrick-Grundlagenartikel und dem kleinen Herz zum Mitstricken.

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Kann ich Schattenstrick mit anderem Garn stricken?

Ja. Für die Größe zählt die Maschenprobe, die du mit diesem Garn tatsächlich strickst. Gleiche Angaben auf zwei Banderolen bedeuten noch nicht, dass deine beiden Proben gleich ausfallen. Auch das Maschenbild und die Wirkung des Motivs können sich verändern.

Für klare Motive verwende ich gern glatte Garne und zwei Farben mit deutlichem Hell-Dunkel-Kontrast. Flausch oder ähnliche Helligkeiten können die Konturen weicher erscheinen lassen. Das zeige ich mit verschiedenen Strickstücken in meinen zehn Tipps für Schattenstrick, ab 1:12.

Dein Wunsch So gehst du vor
Anderes Garn, möglichst gleiche Tuchgröße Stricke eine Probe im Schattenstrickmuster. Vergleiche Maschen und Reihen mit der Anleitung und passe die Nadelstärke an.
Gleiche Strickschrift, kleineres oder größeres Tuch Rechne mit deiner neuen Maschenprobe aus, wie sich die Maße verändern. Die Maschen und Reihen des Motivs bleiben erhalten.
Gleiches Motiv und gleiche Maschenprobe, aber mehr Tuch darum Prüfe, wo die Konstruktion zusätzliche Randmaschen oder Musterfläche außerhalb des Motivs zulässt.

Die Nadelnummer ist dabei ein Ausgangspunkt. Du strickst vielleicht mit derselben Nadel fester oder lockerer als ich. Wenn du die Maße der Anleitung erreichen möchtest, suchst du die Nadelstärke, mit der deine Probe dazu passt.

Warum wird das Tuch mit anderer Maschenprobe kleiner oder größer?

Die Maschenprobe sagt dir, wie viele Maschen und Reihen auf 10 cm kommen. Hast du mehr Maschen auf diesen 10 cm, sind die einzelnen Maschen schmaler. Dieselbe Maschenzahl ergibt dann weniger Breite. Bei den Reihen funktioniert es genauso: Mehr Reihen auf 10 cm ergeben bei gleicher Reihenzahl weniger Höhe.

Zähle deshalb beides. Gerade beim Schattenstrick bestimmt das Verhältnis von Maschen zu Reihen auch die Proportionen deines Motivs. Es kann schmaler, breiter, höher oder flacher wirken.

Ein Motivfeld durchgerechnet

Wir nehmen für dieses Beispiel ein rechteckiges Feld mit 100 Maschen und 180 Reihen. Es wird in allen drei Fällen nach derselben Strickschrift gestrickt. Ränder sind nicht mitgerechnet.

Maschenprobe auf 10 × 10 cm Breite des Feldes Höhe des Feldes
22 Maschen und 40 Reihen 45,5 cm 45,0 cm
24 Maschen und 44 Reihen 41,7 cm 40,9 cm
20 Maschen und 38 Reihen 50,0 cm 47,4 cm

Die Maße in der Tabelle sind auf eine Nachkommastelle gerundet. In der Vergleichsskizze siehst du: Die Strickschrift bleibt gleich, aber die Fläche und die Form des Motivs verändern sich.

So rechnest du selbst:

Breite in cm = Maschenzahl ÷ Maschen auf 10 cm × 10.
Höhe in cm = Reihenzahl ÷ Reihen auf 10 cm × 10.

Mit 100 Maschen und einer Probe von 22 Maschen auf 10 cm rechnest du also 100 ÷ 22 × 10 = rund 45,5 cm. Für 180 Reihen bei 40 Reihen auf 10 cm sind es 180 ÷ 40 × 10 = 45 cm.

Schau bei deinem Tuch auf die Strickrichtung. Wird es quer gestrickt, kann die Reihenzahl für die spätere Länge des Tuchs entscheidend sein. Bei einem geformten Dreieck beschreibt ein rechteckiges Motivfeld nur diesen Ausschnitt, nicht die gesamte Tuchform. Zum Umrechnen hilft dir auch der Maschenprobe-Rechner.

Kann ich einfach Maschen oder Reihen aus dem Motiv weglassen?

Wenn du das Motiv unverändert erhalten möchtest, lässt du seine Maschen und Reihen vollständig stehen. Ein paar Reihen mitten aus einem Flügel zu streichen, verkürzt eben auch den Flügel. Eine andere Maschenprobe verändert dagegen die Größe der ganzen Zeichnung, ohne ihre Kästchen zu entfernen.

In meinen Videos zeige ich dafür zwei Wege: die Größe über Garn und Maschenprobe verändern oder die Fläche außerhalb des Motivs anpassen. Welcher Weg passt, hängt davon ab, was sich an deinem Tuch ändern soll.

Mit dünnerem Garn und entsprechend feinerer Maschenprobe kann dieselbe Strickschrift ein kleineres Tuch ergeben, mit dickerem Garn und gröberer Probe ein größeres. Entscheidend bleibt deine gestrickte Probe. Wähle die Nadel nicht allein danach, wie groß das Tuch werden soll. Ein sehr lockeres Gestrick kann die Rippenstruktur und damit die Klarheit des Motivs verändern.

Wie kann ich ein Schattenstrick-Tuch durch einen Rand vergrößern?

Hat dein Motiv Platz innerhalb der Tuchform, kannst du außerhalb davon zusätzliche Fläche vorsehen. Das Motiv bleibt stehen, der Rand wird breiter. Im Anpassungsvideo ab 7:27 zeige ich diesen Unterschied zwischen Motiv und umgebender Fläche.

Ein einfaches Rechenbeispiel: Du ergänzt an zwei Seiten jeweils fünf Maschen. Das sind zusammen zehn zusätzliche Maschen. Bei 22 Maschen auf 10 cm ergeben sie rund 4,5 cm zusätzliche Breite.

Bei einem rechteckigen Stück lässt sich diese Breite direkt planen. Bei einem Dreieck gehören auch Anschlag, Zu- und Abnahmen und der Verlauf der Kanten dazu. Schau deshalb erst, wie dein Tuch aufgebaut ist und wo der zusätzliche Rand mitlaufen soll. Beim Verkleinern prüfst du umgekehrt, wie viel Hintergrund du wegnehmen kannst, bevor du an das Motiv kommst.

Kann ich ein Motiv auch in eine andere Form einsetzen?

Das ist eine weitere Möglichkeit. In meinen zehn Tipps ab 7:03 zeige ich, wie sich Motive auf andere Strickstücke übertragen lassen. Dafür müssen Strickrichtung, Maschenzahl und Reihenzahl zum neuen Platz passen.

Im Schattenstrick-Baukasten sind Grundformen und die dafür vorgesehenen Motive bereits aufeinander abgestimmt. Das ist etwas anderes, als aus einer beliebigen älteren Tuchanleitung ein Motiv herauszulösen und selbst in eine neue Form einzubauen.

Wie viel Garn brauche ich nach einer Anpassung?

Für ein anderes Garn schaust du zuerst auf die benötigten Meter, nicht nur auf die Grammzahl. Zwei Knäuel können gleich schwer sein und unterschiedlich viel Faden enthalten. Der Garnersatz-Rechner hilft dir, eine bekannte Lauflänge in ganze Knäuel deines Ersatzgarns umzurechnen.

Änderst du zusätzlich die Größe oder baust breitere Ränder an, verändert sich auch der Bedarf. Dann reicht es nicht, die alte Grammzahl zu übernehmen. Auch das Verhältnis zweier Maschenproben ist kein fertiger Umrechnungsfaktor für die Garnmenge. Eine gewogene Probe in deinem Muster hilft dir, den Verbrauch für die geplante Fläche abzuschätzen.

Die Rechnung zeigt dir die Richtung. Wie das fertige Tuch fällt und welche Maße es nach dem Fertigstellen hat, hängt auch vom Garn und seiner Dehnung ab. Vergleiche deine Probe deshalb mit dem gewünschten Maschenbild, bevor du das ganze Tuch anschlägst.

So planst du deine Änderung

  1. Entscheide, ob die fertige Größe gleich bleiben oder sich verändern soll.
  2. Stricke mit deinem Wunschgarn eine Probe im Schattenstrickmuster und prüfe die Motivwirkung.
  3. Zähle Maschen und Reihen auf 10 cm und rechne die betroffenen Maße aus.
  4. Prüfe Motivfeld, Ränder und bei einem Dreieck auch die Zu- und Abnahmen.
  5. Ermittle den Garnbedarf für deine geplante Fassung.

Wenn du noch kein Modell gewählt hast, findest du hier meine Schattenstrick-Anleitungen. Für den ersten Versuch kannst du beim kostenlosen kleinen Herz im Grundlagenartikel bleiben und beobachten, wie deine Farben und dein Garn zusammen wirken.

- Claudia Wersing