The Coven ist meine Winterkollektion mit 13 Strickmodellen: Pullover, Strickjacken, ein Pullunder und Accessoires. Zu jedem Modell gehört eine Anleitung. Was sie verbindet, ist ein Kreis aus mystischen Frauenfiguren und den unterschiedlichen Seiten, die ich in ihnen wiederfinde.
Ich bin schließlich auch nicht jeden Tag dieselbe. Manchmal möchte ich auffallen, manchmal mich einhüllen. Manchmal brauche ich Freiheit und kenne genauso die Sehnsucht, irgendwo dazuzugehören. Aus diesem inneren Bild wurden 13 Namen. Und mit jedem Namen kam die Frage: Was würde ich für diese Frau entwerfen?
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Wie aus Geschichten eine Winterkollektion wird
Viele meiner Entwürfe beginnen mit einem Bild aus einem Buch, einer Geschichte oder etwas, das mir vor Jahren begegnet ist. Manchmal finde ich erst viel später die passende Farbe, ein Garn oder eine Form dafür. In The Coven steckt viel von meiner Liebe zu Büchern, Romantasy und Mythen.
Dass diese persönlichen Dinge heute so viel Platz in meiner Arbeit haben, hängt auch mit unserem Weg als Familienunternehmen zusammen. Wir sind über die Jahre gewachsen. Irgendwann gerieten wir in einen Wirtschaftssog, der nicht zu uns passte. Meine Auftragsarbeit für internationale Unternehmen habe ich vor mehreren Jahren aufgegeben. Seitdem sind wir bewusst wieder kleiner geworden. Heute führen meine Mama, mein erwachsener Sohn, meine erwachsene Tochter und ich das Unternehmen vollständig als Familie.
Auch bei meinen Entwürfen möchte ich auf das hören, was mir wirklich etwas bedeutet. Hier zeige ich dir, wie daraus Farben, Oberflächen und Schnitte geworden sind.
Die 13 Strickmodelle von The Coven
Für einen schnellen Überblick: Lilith, Hecate, Circe, Skadi, Morrigan, Salem, Ligeia, Carmilla, Sibyl, Nyx, Branwen, Isobel und Witch.
Lilith: eine Strickjacke mit klarem Willen
Mit Lilith verbinde ich eine Frau, die selbst entscheidet. Die Nein sagen kann, ohne sich anschließend dafür zu entschuldigen. Für sie wollte ich etwas Klares und Kraftvolles: schmale Streifen in Rot und Schwarz, ohne überflüssigen Schnickschnack.
Die Jacke wird kraus rechts gestrickt, also in Hin- und Rückreihen mit rechten Maschen. Merino und Mohair werden zusammen verstrickt. Das Mohair legt einen feinen Flor über die Streifen und macht die Oberfläche weich. Mir gefällt diese Verbindung aus deutlichen Farben und etwas Flauschigem auf der Haut. Wenn ich Lilith trage, fühle ich mich klar und entschieden.
Zur Strickanleitung Jacke Lilith
Hecate: Norwegermuster mit grafischen Kontrasten
Hecate gehört für mich an einen Kreuzweg. An diesen Punkt, an dem mehrere Richtungen möglich sind und ich selbst wählen muss. Auch beim Entwerfen mag ich es, etwas Vertrautes aufzunehmen und damit einen eigenen Weg einzuschlagen.
Hier sind es klassische Norwegermuster. Schwarz, Rot und Weiß geben ihnen eine klare, grafische Wirkung. Der Pullover wird mit einer Rundpasse von oben gestrickt. Beim Tragen kombiniere ich ihn gern mit einer glatten Oberfläche, etwa einer beschichteten Hose. Der Unterschied zwischen Strick und glattem Stoff macht für mich viel von seiner Wirkung aus.
Zur Strickanleitung Pullover Hecate
Circe: ein Pullunder aus ungefärbtem schwarzem Alpaka
Circe ist eines meiner Lieblingsmodelle. Bei ihr denke ich an eine Frau, deren Ausstrahlung man bemerkt, ohne sofort sagen zu können, woran es liegt.
Der Schnitt ist sehr reduziert. Die Rippen geben dem Pullunder Fülle und Kompaktheit, die Seiten werden mit Bändern geschlossen. Damit kannst du verändern, wie nah er am Körper sitzt.
Das ungefärbte schwarze Alpaka hat einen natürlichen bräunlichen Unterton. Es erinnert mich an schwarze Katzen, deren Fell im Licht braun schimmert. Bei uns auf dem Land nennen wir sie Geisterkatzen. Dieses Eigenständige, ein bisschen Verwunschene passt für mich zu Circe.
Zur Strickanleitung Pullunder Circe
Skadi: Berge und Vollmond auf einem weichen Pullover
Es gibt Bücher, nach denen ich mich nach einem Ort sehne, an dem ich nie gewesen bin. Nach Bergen unter einem weißen Mond. Nach einem Zuhause und nach Menschen, bei denen ich sein darf, wer ich bin. Skadi ist meine kleine Liebeserklärung an Geschichten, die so etwas in mir auslösen.
Berggipfel und Vollmond machen diese Landschaft auf dem Pullover sichtbar. Alpaka Bouclé und Alpaka Lace werden zusammen verstrickt. Dadurch bekommen die Konturen eine weiche, etwas wolkige Oberfläche. Dazu gehört ein großzügiger Schnitt, in den ich mich einhüllen kann. Beim Tragen nehme ich ein kleines Stück dieser Sehnsuchtslandschaft mit.
Zur Strickanleitung Pullover Skadi
Morrigan: mein Pullover wie eine gestrickte Rüstung
Morrigan ist für mich die wehrhafte Frau in diesem Kreis. Mit ihr verbinde ich die Kraft, für mich einzustehen. Es gibt Tage, an denen ich genau das auch anziehen möchte.
Das Muster kommt deutlich aus der Fläche heraus. Die Noppen stehen wie kleine kräftige Nieten hervor, dazwischen liegen Vertiefungen. Obwohl mein Pullover ganz schwarz ist, passiert auf seiner Oberfläche viel: Sobald Licht darauf fällt, werden Höhen, Tiefen und Schatten sichtbar.
Das Garn ist weich, das Muster hat für mich fast eine gepanzerte Wirkung. Deshalb nenne ich Morrigan meine gestrickte Rüstung. Ich fühle mich darin geschützt und richte mich innerlich ein wenig auf.
Zur Strickanleitung Pullover Morrigan
Salem: ein Doubleface-Loop mit Flammen
Salem steht in meiner Kollektion für die Frauen von Salem und für die Frage, was geschieht, wenn andere bestimmen wollen, wer man sein darf. Die Flammen sind mein eigenes Bild dazu: das innere Feuer, die Begeisterung, die Wünsche und der eigene Wille.
Der Loop wird in Doubleface gestrickt. Auf einer Seite liegen rote Flammen auf Schwarz, auf der anderen schwarze Flammen auf Rot. Du kannst ihn wenden und seine Wirkung verändern.
Für mich steckt darin Freiheit. Ich darf die Seite wechseln, etwas ausprobieren oder meine Meinung ändern. Das Feuer bleibt auf beiden Seiten da.
Zur Strickanleitung Loop Salem
Ligeia: eine quergestrickte Jacke mit großem Kragen
Mit Ligeia verbinde ich starken Willen und Wiederkehr. Dazu passt ein eigener Entwurf, den ich unbedingt noch einmal aufleben lassen wollte. Die ursprüngliche Wolle war nicht mehr erhältlich. Ich habe lange nach einem passenden aktuellen Garn gesucht und die Jacke damit neu umgesetzt.
Ligeia wird quer gestrickt. Die Zöpfe laufen dadurch in einer ungewohnten Richtung über den Körper, dazu kommt der große Kragen. Diese Eigenart wollte ich erhalten.
Beim Tragen denke ich daran, dass ich meine Eigenheiten nicht verstecken möchte. Auch das, was an mir ein bisschen quer ist, darf dazugehören. Genau dafür möchte ich gemocht werden.
Zur Strickanleitung Jacke Ligeia
Carmilla: eine Babyalpaka-Jacke mit Wabenmuster
Carmilla bringt dunkle Romantik in den Kreis. Ihre Form ist klassisch und ruhig. An Ärmeln und Rumpf wechselt die glatte Fläche in ein Wabenmuster. Das verändert die Oberfläche, fängt das Licht anders und gibt der Jacke ihren Charakter.
Das feine Babyalpaka bleibt dabei weich und anschmiegsam. Ich mag, dass die Struktur deutlich zu sehen ist und das Stück trotzdem so angenehm bleibt. Carmilla hat für mich etwas Sinnliches, das ganz selbstverständlich im Alltag Platz hat. Ich muss auf keinen besonderen Anlass warten, um sie zu tragen.
Zur Strickanleitung Jacke Carmilla
Sibyl: Fallmaschen, schmale Zöpfe und Licht
Sibyl ist die Seherin in meinem Kreis. Mit ihr verbinde ich eine Ahnung, einen Durchblick, etwas, das sich erst nach und nach zeigt. Deshalb sind bei diesem Pullover die offenen Stellen genauso wichtig wie die gestrickten.
Fallmaschen öffnen lange Bahnen, eingerahmt von schmalen Zöpfen. Durch die Zwischenräume wird die Kleidung darunter sichtbar. Die Garnwahl war hier entscheidend: Ich wollte ein Dochtgarn mit weichem Fall und genügend Eigengewicht, damit sich die Fallmaschen öffnen. Zu schwer sollte der Pullover aber auch nicht werden. Deshalb habe ich Silk Blend gewählt.
Getragen beginnt das Muster richtig zu leben. Es bewegt sich und zeigt immer neue Durchblicke. Dieses Wechselspiel aus Licht und Schatten macht Sibyl für mich aus.
Zur Strickanleitung Pullover Sibyl
Nyx: ein gestrickter Hut mit klarer Form
Mit Nyx, der Göttin der Nacht, verbinde ich die Freiheit, etwas für mich behalten zu dürfen. Ich muss nicht immer sichtbar und für alle zugänglich sein.
Der Hut lebt von seiner Form und der schwarzen Oberfläche. Ein Hebemaschenmuster bringt Struktur hinein. Der Strick ist relativ fest gearbeitet, die Krempe erhält durch einen eingearbeiteten Draht zusätzlichen Halt. So entsteht eine klare Kontur.
Wenn ich Nyx aufsetze, verändert sich mein Ausdruck. Ich mag dieses kleine bisschen Distanz und den Schatten, den die Krempe ins Gesicht legt. Ich entscheide selbst, wie viel ich gerade von mir zeigen möchte.
Branwen: zarte Pulswärmer mit Lochmuster
Bei Branwen berührt mich das Bild eines Vogels, den sie als Boten losschickt. Dieser Wunsch, jemanden zu erreichen und eine Verbindung zu finden.
Die Pulswärmer sind fein und durchlässig, mit einem Lochmuster, durch das die Haut sichtbar bleibt. Ihre Form ist dem Körper angepasst. Was flach hingelegt vielleicht etwas ungewöhnlich aussieht, schmiegt sich getragen rundherum an.
Die Finger bleiben frei. So geben die Pulswärmer ein bisschen Wärme um die Handgelenke, ohne die Beweglichkeit der Finger einzuschränken. Für mich haben sie etwas Zartes und zugleich Eigenwilliges.
Zur Strickanleitung Pulswärmer Branwen
Isobel: ein Schal mit Engeln, Teufeln und Sternen
Isobel führt mich in die Welt der Hexentreffen und der Gegensätze. Auf dem Schal finden sich Himmel, Wolken und Sterne, dazu Engel und Teufel an den unterschiedlichen Enden. Sie gehören alle zu einem Schal, so wie unsere unterschiedlichen Seiten zu uns gehören.
Auch dieser Entwurf ist schon älter. Er war einmal ein Adventskalender, noch bevor ich YouTube-Videos gemacht habe. Für mich steckt darin der Gedanke, die angenehmen und die schwierigen Seiten an uns annehmen zu dürfen.
Mein Schal ist mit dünnem Jersey abgefüttert. Damit bleiben die Spannfäden des Einstrickmusters auf der Rückseite verdeckt und die Rückseite liegt glatt.
Zur Strickanleitung Schal Isobel
Witch: ein bunter Pullover mit Siebzigerjahre-Gefühl
Witch musste für mich ans Ende der Kollektion. Dieser Pullover bringt so vieles zusammen: Eigensinn, Farbe, ungewöhnliche Richtungen und die Freude daran, viele Seiten haben zu dürfen.
Die Grundlage war ein früherer Retro-Ski-Pullover. Für The Coven habe ich ihn umgezeichnet, umgerechnet und neu konstruiert. Witch wird quer und in Dreiecken gestrickt. Verschiedene Richtungen und Flächen ergeben zusammen das ganze Bild.
Ich wollte diese Fülle, die Siebzigerjahre-Farbigkeit, das Bunte und stellenweise Schrille. Beim Tragen fühlt es sich für mich genauso an: Ich darf ruhig, auffällig, romantisch und eigensinnig sein. Ich muss mich nicht kleiner machen, damit ich leichter einzuordnen bin.
Zur Strickanleitung Pullover Witch
Alle Modelle im Video ansehen
In meiner Schattenmaschen-Folge zu The Coven zeige ich dir die Details und alle Modelle getragen. Gerade bei den Oberflächen, dem Fall und den unterschiedlichen Formen macht das viel aus.
The Coven: 13 Strickmodelle voller Eigensinn auf YouTube ansehen
Welches Modell spricht dich an?
Beim Entwerfen habe ich mich immer wieder gefragt, was mir diese Frauen bedeuten. Das hat sich in die Modelle hineingelegt. Vielleicht findest du bei einem davon auch etwas von dir wieder.
In der Kollektion The Coven findest du alle 13 Anleitungen. Die einzelnen Modellseiten helfen dir bei der Auswahl und zeigen dir die passenden Garne. Und wenn du etwas daraus strickst, freue ich mich darauf zu sehen, was du daraus machst.
