Beim I-Cord stricken entsteht eine schmale, runde Kordel. Du kannst sie einzeln stricken oder damit eine Kante abschließen. Das passt an Jackenkanten, Ausschnitte, Taschen und an Ärmel oder Rumpf eines Raglans von oben.

Im Video „3 Wege einen I-Cord zu stricken“ zeige ich dir die Abschlusskante an offenen Maschen, an einer Kante mit aufgenommenen Maschen und mit Knopflöchern. Zuerst kommt hier die einfache Kordel.

Die einfache Kordel

Nimm zwei Nadeln mit Spitzen an beiden Enden. Dafür kannst du zwei Nadeln aus einem Nadelspiel verwenden.

  1. Schlage vier Maschen im einfachen Kreuzanschlag an. Beginne mit einer Anfangsschlinge und nimm drei weitere Maschen dazu. Den Anschlag findest du im Ratgeber Maschen anschlagen.
  2. Schiebe die vier Maschen ans rechte Ende der Nadel.
  3. Stricke mit der zweiten Nadel alle vier Maschen rechts.
  4. Schiebe die Maschen wieder an das andere Nadelende und stricke erneut alle vier rechts. Wiederhole das, bis deine Kordel lang genug ist.

Stricke die ersten Maschen nicht zu fest. So biegt sich die Kordel nicht und bleibt gleichmäßig breit.

Blaue I-Cord-Kordel in Arbeit auf zwei Nadeln mit Spitzen an beiden Enden.

Die blaue Kordel wächst unter den Nadeln.

Den Ablauf zeige ich dir auch im Video zum I-Cord-Anschlag.

Die I-Cord-Formel für Kanten

Beende dein Strickstück mit einer Rückreihe. Das ist die Reihe auf der Rückseite. Den I-Cord strickst du anschließend auf der rechten Seite, also der später sichtbaren Außenseite.

Schlinge drei zusätzliche Maschen auf die linke Nadel. Sie bilden die Kordel, die du nach und nach mit den Maschen der Kante verbindest.

Eine rechts, eine rechts, zwei rechts verschränkt zusammen. Alle drei Maschen zurück auf die linke Nadel.

Für „zwei rechts verschränkt zusammen“ stichst du von hinten gleichzeitig in die nächsten beiden Maschen ein. Stricke sie gemeinsam als eine rechte Masche ab. Hebe dann die drei gerade gestrickten Maschen zurück auf die linke Nadel. Wiederhole die Formel.

Weg 1: Die Maschen sind noch offen

Arbeite den I-Cord direkt an die offenen Maschen. Das geht zum Beispiel am Ärmel oder Rumpf, wenn du einen Raglan von oben strickst. Die Maschen sind dort noch nicht abgekettet.

Schlinge die drei zusätzlichen Maschen auf und wiederhole die I-Cord-Formel. Dabei verbindest du die Kordel jedes Mal mit der nächsten Masche deines Strickstücks.

Wenn nur noch vier Maschen auf der linken Nadel liegen, strickst du noch einmal eine rechts, eine rechts und zwei rechts verschränkt zusammen. Hebe die drei Maschen zurück auf die linke Nadel. Kette sie dann normal durch Überziehen ab. Schneide den Faden ab und ziehe ihn durch die letzte Masche. Die einzelnen Schritte zum Überziehen stehen unter Maschen abketten.

Orangefarbene I-Cord-Abschlusskante an einem rosafarbenen Strickstück.

Der orangefarbene I-Cord schließt die obere Kante der rosafarbenen Probe ab.

Im Video: I-Cord an offenen Maschen ab 0:45.

Weg 2: Maschen aus der Kante aufnehmen

Nimm zuerst Maschen aus der Kante auf. Das brauchst du zum Beispiel an einem Halsausschnitt, an vorderen Jackenkanten oder an Teilen, die du von unten nach oben gestrickt hast.

Mit einer Reihe zwischen Kante und I-Cord

  1. Nimm die Maschen von der rechten Seite auf. Stich zwischen der Randmasche und der ersten gestrickten Masche ein und hole den Faden durch.
  2. Stricke eine Rückreihe mit linken Maschen.
  3. Schlinge am Ende der Rückreihe drei Maschen zusätzlich auf.
  4. Stricke die I-Cord-Formel, bis die Kante abgeschlossen ist.

Dabei liegt eine Reihe rechter Maschen zwischen dem Strickstück und dem I-Cord. Die Kordel hat etwas Abstand zur Kante.

Im Video: Maschen aufnehmen mit Zwischenreihe ab 2:36.

Ohne Zwischenreihe, dicht am Strickstück

Nimm die Maschen ebenfalls von der rechten Seite auf. Beginne dabei aus der Richtung, in der der Arbeitsfaden nach dem Aufnehmen unten am Anfang deiner I-Cord-Kante hängt. So kannst du dort gleich mit der Kordel anfangen.

Ich nehme dafür eine Häkelnadel, weil es mir damit besser von der Hand geht. Mit einer Stricknadel geht es auch.

  1. Hole den Faden mit der Häkelnadel durch die Kante. Lass die aufgenommenen Maschen auf der Häkelnadel liegen.
  2. Schiebe sie auf die Stricknadel, wenn die Häkelnadel voll ist.
  3. Schlinge am Anfang der I-Cord-Kante drei zusätzliche Maschen auf und stricke direkt die Formel. Die Rückreihe entfällt.

Aufgenommene pinke Maschen liegen auf einer Rundstricknadel entlang einer Strickkante.

Die aufgenommenen pinken Maschen liegen auf der Rundstricknadel.

Im Video: Maschen aufnehmen ohne Zwischenreihe ab 4:14.

Weg 3: I-Cord mit Knopflöchern

Stricke den I-Cord bis zu der Stelle, an der ein Knopfloch sitzen soll. Dort lässt du die drei gerade gestrickten I-Cord-Maschen zunächst auf der rechten Nadel.

  1. Kette drei Maschen der Kante ohne Arbeitsfaden ab. Hebe dafür zwei Maschen von der linken auf die rechte Nadel und ziehe die erste über die zweite. Hebe eine weitere Masche herüber und ziehe wieder über. Wiederhole das noch einmal. Jetzt sind drei Maschen abgekettet.
  2. Hebe die übrig gebliebene Masche zurück auf die linke Nadel. Hebe danach auch die drei I-Cord-Maschen zurück auf die linke Nadel.
  3. Stricke nur die drei I-Cord-Maschen rechts und hebe sie zurück. Wiederhole das insgesamt viermal. Dabei verbindest du die Kordel noch nicht mit der Kante.
  4. Die gestrickte Kordel überbrückt jetzt die Lücke. Ihre drei Maschen liegen wieder auf der linken Nadel.
  5. Stricke mit der normalen Formel weiter: eine rechts, eine rechts, zwei rechts verschränkt zusammen, alle drei zurück.

Die pinke I-Cord-Kordel läuft über die abgekettete Stelle für das Knopfloch.

Nach den vier Durchgängen läuft die pinke Kordel über die abgekettete Stelle.

Die drei abgeketteten Maschen sind im Video für einen mittelgroßen Knopf gedacht. In der dicken Musterwolle mit Nadelstärke 6,5 wirkt das Loch groß. Mit Nadelstärke 4 zeige ich kleine, feine Knopflöcher. Wie groß dein Knopfloch wird, hängt also auch von Garn und Nadelstärke ab.

Knopf und helle I-Cord-Kante an der gestreiften Jacke Duena.

Die Jacke Duena hat eine helle Kordelkante und einen angenähten Knopf.

Im Video: I-Cord-Knopflöcher ab 6:05. Weitere Möglichkeiten findest du unter Knopflöcher stricken.

I-Cord als Anschlag und als Rand

Beginne dein Strickstück mit einem I-Cord-Anschlag, wenn du die Kordel schon an der unteren Kante haben möchtest. Bei der zweiteiligen Variante strickst du zuerst die Kordel und nimmst danach Maschen aus einer ihrer senkrechten Maschensäulen auf. Die Kante ist elastisch und ordentlich.

Du kannst I-Cord und Anschlag auch gleichzeitig stricken. Diese Variante ergibt eine unelastische Kante. Beide Möglichkeiten findest du im Ratgeber Maschen anschlagen.

Ein mitgestrickter I-Cord-Rand passt eher zu kraus rechts oder zu Mustern, die in die Breite gehen. Mehr dazu steht unter Randmaschen stricken.

Häufige Fragen

Wie viele Maschen hat ein I-Cord?

Für die einfache Kordel in dieser Anleitung schlägst du vier Maschen an. Für die Abschlusskante schlingst du drei zusätzliche Maschen auf und verbindest sie nach und nach mit deinem Strickstück.

Warum wird mein I-Cord ungleichmäßig?

Stricke die ersten Maschen nicht zu fest. Sonst kann sich die Kordel biegen, statt gleichmäßig breit zu bleiben.

Brauche ich ein Nadelspiel?

Nimm für die einzelne Kordel zwei Nadeln mit Spitzen an beiden Enden. Zwei Nadeln aus einem Nadelspiel reichen dafür.

Anleitungen mit I-Cord

Bei der Jacke Duena arbeitest du I-Cord-Kanten an Ärmeln, Saum und Verschlussblende. In die Blende kommen die Knopflöcher. Beim Pullover Alma schließen I-Cord-Kanten den Rumpf, die Ärmel und den Halsausschnitt ab.

- Claudia Wersing