Zum Maschen anschlagen reicht für fast alle Strickstücke der einfache Kreuzanschlag. Er ist mein Standardanschlag: stabil und trotzdem dehnbar. Du kennst ihn vielleicht auch als Long Tail Cast-On oder Continental Cast-On. Wenn du nach „Maschen aufnehmen“ suchst und damit den Anfang auf der leeren Nadel meinst, bist du hier richtig. Ich zeige dir den Kreuzanschlag Schritt für Schritt und danach, welche anderen Anschläge für Bündchen, Socken oder Säume passen. Die kostenlosen Videos findest du in meiner Playlist Stricklexikon - Maschen anschlagen.

Bevor du anschlägst

Du brauchst dein Garn und eine passende Stricknadel. Der Kreuzanschlag arbeitet mit zwei Fadenabschnitten: dem freien Fadenende und dem Faden, der zum Knäuel führt. Schneide den Faden dafür nicht vom Knäuel ab.

Meine Faustregel für das freie Ende ist: ungefähr dreimal so lang, wie dein Strickstück breit werden soll. Das erkläre ich im Kreuzanschlag-Video ab 00:37.

Forme zuerst eine Anfangsschlinge und lege sie auf die Nadel. Sie soll anliegen, sich aber noch auf der Nadel verschieben lassen. Diese Schlinge zählt beim einfachen Kreuzanschlag als erste Masche mit. Im Video Drei Methoden für die Anfangsschlinge zeige ich dir verschiedene Möglichkeiten.

Wie viele Maschen du insgesamt brauchst, steht in deiner Anleitung. Wenn du selbst planst, bestimmst du die Zahl über deine Maschenprobe: Probe waschen, trocknen lassen und dann messen. Dabei hilft dir der Maschenprobe-Rechner, für eine Mütze auch der Mützenrechner. Nadeln und weiteres Werkzeug findest du unter Zubehör.

Kreuzanschlag Schritt für Schritt

Die Nadel hältst du in der rechten Hand. Die linke Hand führt die beiden Fäden. Im Video zum einfachen Kreuzanschlag kannst du die ganze Bewegung sehen.

  1. Lege den freien Faden über den linken Daumen und den Faden zum Knäuel über den Zeigefinger. Halte beide Fäden in der Handfläche fest. Spreize Daumen und Zeigefinger so, dass die Fäden zwischen ihnen gespannt sind. Die Anfangsschlinge bleibt auf der Nadel. Fadenhaltung ab 00:51.

  2. Führe die Nadel von unten unter den äußeren Daumenfaden und nach oben durch die Daumenschlinge. Gemeint ist der Faden auf der Außenseite deines Daumens, nicht der Faden zwischen Daumen und Zeigefinger. In die Daumenschlinge ab 01:08.

Kreuzanschlag: Die Nadel wird von unten unter den äußeren Daumenfaden geführt

Die Nadel geht unter den äußeren Daumenfaden.

  1. Hole jetzt den inneren Zeigefingerfaden von hinten nach vorn mit der Nadel. Ziehe ihn durch die Daumenschlinge. Zeigefingerfaden holen ab 01:21.

Kreuzanschlag: Der Zeigefingerfaden wird durch die Daumenschlinge geholt

Den Faden vom Zeigefinger durch die Daumenschlinge holen.

  1. Lass den Daumen aus seiner Schlinge gleiten und ziehe den Faden an, bis die neue Masche an der Nadel liegt. Lege den Daumen wieder in die Fadenhaltung und wiederhole die Bewegung. Lösen und anziehen ab 01:30, noch einmal ab 01:38.

Kreuzanschlag: Die neue Masche wird an die Nadel gezogen und der Daumen nimmt den Faden wieder auf

Die neue Masche liegt auf der Nadel, der Daumen nimmt den Faden wieder auf.

Zähle zum Schluss alle Maschen auf der Nadel einschließlich der Anfangsschlinge. Du brauchst die gesamte Anschlagzahl deiner Anleitung.

Wenn du danach glatt rechts in Reihen strickst, ist die erste Reihe nach diesem Anschlag eine Rückreihe mit linken Maschen. So liegen die glatten Schlingen des Anschlags auf der Vorderseite. Das zeige ich ab 02:08 im Video. Für kraus rechts strickst du in Hin- und Rückreihen rechte Maschen. Die weiteren Grundlagen erklärt der Ratgeber Stricken lernen.

Welcher Anschlag wofür?

Du musst nicht alle Anschläge lernen, bevor du anfängst. Der Kreuzanschlag reicht zum Einstieg. Andere Methoden lohnen sich, wenn die Kante eine bestimmte Aufgabe hat. Hier sind die wichtigsten Anschläge mit den passenden Videos.

Einfacher Kreuzanschlag

Für den normalen Start von Strickstücken in Reihen oder Runden. Er verbindet eine stabile Kante mit Dehnbarkeit und ist mein Standardanschlag. Einfacher Kreuzanschlag im Video.

Linker Kreuzanschlag

Für glatt linkes Gestrick. Er ist spiegelverkehrt zum normalen Kreuzanschlag, dabei werden linke Maschen angeschlagen. Die vorbereitende linke Rückreihe entfällt, du beginnst direkt mit der Hinreihe. Linker Kreuzanschlag im Video.

Doppelter Kreuzanschlag

Für eine dekorative Kante, zum Beispiel an einer Mütze. Du schlägst abwechselnd rechte und linke Maschen an. Doppelter Kreuzanschlag im Video.

Kreuzanschlag mit doppeltem Daumenfaden

Für Handschuh- und Sockenbündchen. Er ist etwas elastischer und strapazierfähiger als der einfache Kreuzanschlag. Anschlag mit doppeltem Daumenfaden. Eine weitere kräftige Variante zeige ich im XXL-Maschenanschlag.

Norwegischer Kreuzanschlag

Für Bündchen, die sich gut dehnen sollen, besonders an Socken. Er heißt auch Twisted German Cast-On und ist elastischer als der normale Kreuzanschlag. Norwegischer Kreuzanschlag im Video.

Italienischer Anschlag

Für elastische Rippenbündchen mit einer runden Kante. Die Maschen gehen optisch schön aus der Kante hervor. Für die verschiedenen Varianten gibt es die Playlist Italienisch anschlagen und abketten.

Maschen aufhäkeln

Wenn Anschlag und Abschluss zusammenpassen sollen: Die aufgehäkelte Anschlagkante entspricht optisch dem normalen Abketten durch Überziehen. Maschen aufhäkeln im Video.

Maschen aufschlingen oder aufstricken

Vor allem, wenn innerhalb eines Strickstücks mehrere Maschen dazukommen. Aufschlingen und Aufstricken, Variante 1, ergeben eher lockere Kanten. Bei der zweiten Art des Aufstrickens, dem Kordelanschlag, wird der Faden zwischen der letzten und vorletzten Masche geholt. Die Kante ist fester als beim Aufschlingen. Aufstricken, Variante 2.

Provisorischer Anschlag

Wenn du später in die andere Richtung weiterstricken oder eine Naht unsichtbar im Maschenstich schließen möchtest, zum Beispiel bei einem Loop. Ein Kontrastfaden hält den Anfang vorübergehend offen. Du kannst die Maschen aus einer Luftmaschenkette aufnehmen oder den Anschlag mit Kontrastgarn aufhäkeln.

Türkischer Anschlag

Für Socken, die du an der Spitze beginnst. Das heißt Toe-up, also von der Spitze nach oben. Türkischer Anschlag für Toe-up-Socken und Taschen. Den Unterschied zur Socke vom Bündchen aus erklärt der Socken-Ratgeber für Anfänger.

I-Cord-Anschlag

Für eine schlichte, kordelartige Kante. Die Varianten unterscheiden sich: Du kannst zuerst die Kordel stricken und danach Maschen daraus aufnehmen, das ergibt eine elastische Kante. Strickst du Kordel und Anschlag gleichzeitig, wird die Kante fest und die erste Reihe eher locker. Die Videos zeigen den I-Cord-Anschlag mit anschließendem Maschenaufnehmen und den angestrickten I-Cord-Anschlag.

Tunnelanschlag und Mäusezähnchen

Für einen glatten Saum statt eines Rippenbündchens. Der einfache Tunnelanschlag bildet einen sauberen Abschluss. Mit Mäusezähnchen bekommt die Kante kleine Zacken, etwa für Babysachen. Eine weitere Möglichkeit ist der Tunnelanschlag mit Umbruchreihe.

Ein Anfang ohne Rollrand

Wenn du glatt rechts ohne zusätzliches Rippenbündchen stricken möchtest, helfen besonders gearbeitete Kanten gegen das Einrollen. Im Video Maschen anschlagen ohne Rollrand beginnt die Arbeit mit einem Kreuzanschlag; die kleine Falte gegen das Rollen entsteht in den folgenden Reihen. Eine andere Variante für Anfang und Abschluss zeigt Anti-Rollrand bei Anschlag und Abkettkante.

Maschen anschlagen fürs Rundstricken

Auch in Runden kannst du mit dem einfachen Kreuzanschlag anfangen. Bevor du die Runde schließt, schau einmal den ganzen Anschlag entlang: Alle Maschen müssen in dieselbe Richtung zeigen. Der Anschlag darf nicht um das Seil verdreht sein.

Am Übergang von der letzten zur ersten Masche kann eine kleine Lücke entstehen. In Maschenanschlag in Runden und fünf Tricks gegen die Anfangslücke zeige ich mehrere Wege: die Lücke später mit dem Anfangsfaden schließen, eine zusätzliche Masche beim Rundenschluss wieder abnehmen oder erste und letzte Masche tauschen.

Für Rippenbündchen kannst du auch italienisch in Runden mit dem Nadelspiel anschlagen.

Typische Probleme beim Anschlagen

Die Anschlagkante ist zu eng

Prüfe zuerst, ob wirklich nur die Kante stoppt oder das ganze Bündchen zu eng ist. Lässt sich das Bündchen gut dehnen, die Anschlagkante aber nicht, kann ein elastischerer Anschlag helfen, etwa der norwegische Kreuzanschlag. Ist das ganze Bündchen zu eng, prüfe Maschenzahl und Strickdichte. Genau diesen Unterschied erkläre ich in Tipp 3 meiner 30 Socken-Tipps.

Der Rand rollt sich

Glatt rechts rollt sich ohne ausgleichende Kante ein. Das ist noch kein Zeichen dafür, dass du den Kreuzanschlag falsch gemacht hast. Wenn du kein Rippenbündchen möchtest, schau dir die Variante ohne Rollrand an. Die dazugehörigen Reihen gehören zur Kante dazu.

Das freie Fadenende reicht nicht

Beim Kreuzanschlag brauchst du für jede weitere Masche auch Faden vom freien Ende. Plane ihn deshalb vor dem Anschlagen nach meiner Faustregel mit ungefähr der dreifachen Strickbreite. Für die nächsten Versuche findest du die Fadenhaltung und die gesamte Bewegung oben im Video.

Maschen mitten im Strickstück dazuzunehmen ist noch einmal ein anderes Thema. Wenn du Zu- oder Abnahmen gleichmäßig verteilen möchtest, hilft dir der Ratgeber zum gleichmäßigen Verteilen.

Häufige Fragen

Ist Maschen anschlagen dasselbe wie Maschen aufnehmen?

Beim Anschlagen legst du den Anfang auf einer leeren Nadel an. Beim Aufnehmen aus einer Kante gibt es schon ein Strickstück, aus dessen Rand du neue Maschen herausarbeitest, etwa für eine Jackenblende. Umgangssprachlich wird „Maschen aufnehmen“ auch für das Anschlagen benutzt. Den Unterschied siehst du im Video zur Maschenaufnahme für Jackenblenden.

Welcher Maschenanschlag ist am elastischsten?

Besonders dehnbar sind der italienische Anschlag, der norwegische Kreuzanschlag und der Kreuzanschlag mit doppeltem Daumenfaden. Welcher passt, hängt von der Kante ab: Der italienische eignet sich besonders für Rippenbündchen, der norwegische für Sockenbündchen.

Welcher Anschlag eignet sich für Anfänger?

Der einfache Kreuzanschlag. Er ist mein Standardanschlag für die meisten Projekte. Lerne zuerst diese eine Bewegung; besondere Kanten kannst du später dazunehmen.

Wie viel Faden brauche ich für den Kreuzanschlag?

Meine Faustregel ist ungefähr dreimal die Breite des geplanten Strickstücks für das freie Fadenende. Die Anfangsschlinge und die Fadenhaltung zeige ich im Kreuzanschlag-Video.

- Claudia Wersing
Getaggt: Technik