Stricken lernst du Schritt für Schritt: Garn und Nadeln wählen, Maschen anschlagen, rechte und linke Maschen üben, abketten und die Fäden vernähen. Für die ersten Übungen reichen ein Knäuel und passende Nadeln. Meine kostenlosen Videos in der Playlist Stricklexikon - Grundlagen begleiten dich dabei. Hier findest du die Reihenfolge und die Erklärung zu jedem Schritt.
Das richtige Garn für den Anfang
Ich empfehle dir für den Anfang eine weiche, griffige Merino für Nadelstärke 4 bis 5 und eine helle Farbe. Darauf siehst du die einzelnen Maschen besser. Splittige Garne, bei denen du leicht zwischen die Einzelfäden stichst, sehr dünne Flauschgarne, dunkle Farben und Nadeln unter 3,5 mm machen es dir unnötig schwer.
The Merry Merino 110 passt zu diesem Einstieg: 110 m auf 50 g, für Nadelstärke 4 bis 5 mm. Auch The Merry Merino 70 empfehle ich zum Anfangen. Sie ist kräftiger: 70 m auf 50 g, für Nadelstärke 5 bis 6 mm. Nimm dazu die passenden Nadeln. Die Zahl im Garnnamen ist keine Nadelstärke.
Was Begriffe wie DK, Aran oder Bulky bedeuten, erkläre ich dir im Ratgeber zu Garnstärken. Für deine erste Probe brauchst du das noch nicht auswendig zu wissen.
Nadeln und Zubehör
Zum Üben brauchst du ein Paar Stricknadeln passend zum Garn, eine Schere und eine stumpfe Wollnadel mit großem Öhr zum Vernähen. Ein Maßband brauchst du für die Maschenprobe. Maschenmarkierer helfen dir später, bestimmte Stellen zu kennzeichnen.
Die Banderole, also das Papier um das Knäuel, nennt eine empfohlene Nadelstärke. Fang damit an. Sie ist ein Ausgangspunkt, keine Pflicht: Wie fest oder locker du strickst, zeigt sich an deiner eigenen Probe. Du kannst auch mit einer Rundstricknadel gerade Reihen stricken. Dann wendest du nach jeder Reihe, statt die Maschen zu einer Runde zu schließen.
Passendes Werkzeug findest du unter Nadeln und Zubehör.
Die wichtigsten Begriffe
- Masche
- Eine Fadenschlinge. Die noch offenen Maschen liegen auf deiner Nadel.
- Reihe
- Du strickst einmal über alle Maschen von einem Rand zum anderen. Danach wendest du das Strickstück.
- Hinreihe und Rückreihe
- Die Hinreihe arbeitest du auf der vorgesehenen Vorderseite. Nach dem Wenden folgt die Rückreihe auf der Rückseite.
- Randmasche
- Die erste und letzte Masche einer Reihe. Wie du sie arbeitest, beeinflusst die seitliche Kante.
- Maschenprobe
- Ein Probestück im geplanten Muster. Daran misst du, wie viele Maschen und Reihen bei dir auf eine bestimmte Strecke kommen.
- Banderole
- Das Etikett am Garn. Darauf stehen unter anderem Material, Lauflänge, Pflege und eine Nadelempfehlung.
Zum Nachschauen: Maschen-Begriffe im Video.
Stricken lernen in sieben Schritten
1. Eine Anfangsschlinge machen
Die Anfangsschlinge ist die erste Schlaufe auf deiner Nadel. Sie soll sich an die Nadel anlegen und noch verschieben lassen. Zieh sie nicht so fest, dass du die Nadel kaum bewegen kannst. Beim Kreuzanschlag brauchst du neben dem Faden zum Knäuel auch ein freies Fadenende für den Anschlag. Schneide es dafür nicht vom Knäuel ab.
Im Video zeige ich dir drei Methoden für die Anfangsschlinge. Such dir eine davon aus.
2. Maschen mit dem einfachen Kreuzanschlag anschlagen
„Maschen anschlagen“ heißt: Du legst die erste Maschenreihe auf der Nadel an. Der einfache Kreuzanschlag ist mein Standardanschlag. Er arbeitet mit dem freien Fadenende und dem Faden zum Knäuel.
Lege den freien Faden über den Daumen und den Faden zum Knäuel über den Zeigefinger der linken Hand. Halte beide Fäden in der Handfläche fest. Führe die Nadel von unten unter den äußeren Daumenfaden und nach oben. Hole dann den inneren Zeigefingerfaden von hinten nach vorn durch die Daumenschlinge. Lass den Daumen aus der Schlinge und ziehe den Faden an. So entsteht eine weitere Masche. Wiederhole die Bewegung, bis die Maschenzahl deiner Anleitung erreicht ist. Die Anfangsschlinge zählt als Masche mit.
Wenn du danach glatt rechts strickst, ist die erste Reihe nach diesem Anschlag eine Rückreihe mit linken Maschen. So liegt die glatte Seite des Anschlags später vorn. Für kraus rechts strickst du auch diese Reihe rechts.
Lass zwischen den Maschen genug Beweglichkeit, damit du in der ersten Reihe gut einstechen kannst. Schau dir die Fadenführung im Video zum einfachen Kreuzanschlag an. Weitere Anschläge findest du in der Playlist Maschen anschlagen.
3. Rechte und linke Maschen stricken
Nimm die Nadel mit den angeschlagenen Maschen in die linke Hand und die freie Nadel in die rechte. Schiebe die nächste Masche zur Spitze, ohne sie herunterzuschieben.
Für eine rechte Masche liegt der Arbeitsfaden hinter der Arbeit. Stich mit der rechten Nadel von vorn in die nächste Masche, hole den Arbeitsfaden durch und lass erst dann die alte Masche von der linken Nadel gleiten. Die neue Masche liegt jetzt rechts. Arbeite so bis zum Ende der Reihe, dann wende.
Für eine linke Masche liegt der Faden vor der Arbeit. Stich von rechts nach links in die vordere Maschenschlinge, hole den Faden als neue Schlinge durch und lass die alte Masche von der linken Nadel gleiten. Wenn du zwischen rechts und links wechselst, führst du den Faden zwischen den Nadelspitzen nach vorn oder hinten, nicht über die Nadel.
Auf der rechten Seite einer Masche erkennst du ein kleines V, auf ihrer Rückseite einen Querbogen. Beide gehören zu derselben Masche. Die Bewegungen zeige ich dir in Maschenarten: rechte und linke Maschen. Für ein gleichmäßiges glatt rechtes Gestrick gibt es außerdem das Video Rechte und linke Maschen ohne Rillen.
4. Kraus rechts und glatt rechts verstehen
Eine rechte Masche allein sagt noch nicht, welches Muster entsteht. Entscheidend ist, was du nach dem Wenden strickst. Diese Übersicht gilt für das Stricken in Reihen:
| Muster | Hinreihe | Rückreihe | So sieht es aus |
|---|---|---|---|
| Kraus rechts | Rechte Maschen | Rechte Maschen | Waagerechte Rippen auf beiden Seiten |
| Glatt rechts | Rechte Maschen | Linke Maschen | Kleine V auf der Vorderseite |
| Glatt links | Linke Maschen | Rechte Maschen | Querbögen auf der Vorderseite |
Glatt rechts und glatt links sind dasselbe Gestrick von zwei Seiten. Die Vorderseite des einen ist die Rückseite des anderen. Kraus rechts hat eine andere Reihenfolge: Nach dem Wenden strickst du wieder rechts.

Kraus rechts: In Hin- und Rückreihen werden rechte Maschen gestrickt. Die Rippen liegen waagerecht.

Glatt rechts: Die Vorderseite zeigt die kleinen V. Drehst du das Stück um, siehst du die Querbögen von glatt links.
Die zugehörigen Maschen siehst du im Video zu den Maschenarten.
5. Die Randmaschen beachten
Die erste und letzte Masche bilden die Seitenkante. Wenn du eine Anleitung nachstrickst, übernimm ihre Randmaschen. Hebe nicht grundsätzlich jede erste Masche ab: Es gibt verschiedene Ränder für verschiedene Zwecke.
Zum Kennenlernen zeige ich dir den einfachen Knötchenrand und den Nahtrand mit in jeder Reihe gestrickten Randmaschen. Alle Varianten findest du in der Playlist Randmaschen.
6. Die Maschen abketten
Beim Abketten schließt du die offenen Maschen, damit dein Strickstück nicht wieder aufribbelt. Für das klassische Abketten durch Überziehen strickst du zuerst zwei Maschen rechts. Hebe mit der linken Nadel die zuerst gestrickte Masche über die zweite und über die rechte Nadelspitze. Rechts bleibt eine Masche übrig.
Stricke die nächste Masche rechts und ziehe die vorherige wieder darüber. Das wiederholst du bis zur letzten Masche. Schneide den Faden mit einem Ende zum Vernähen ab und ziehe ihn durch die letzte Schlinge. Arbeite die Kante locker genug, damit sie das Strickstück nicht zusammenzieht.
Hier siehst du das klassische Abketten durch Überziehen.
7. Die Fäden vernähen
Zum Schluss sicherst du den Anfangs- und Endfaden. Fädle ein Ende in die Wollnadel und führe es auf der Rückseite durch mehrere Maschenbögen. Verteile den Faden im Gestrick und ziehe ihn so an, dass nichts zusammengezogen wird. Schneide ihn erst ab, wenn er sicher liegt.
Beim Einweben wird ein Faden schon während des Strickens mitgeführt. Ich vernähe meine Fäden lieber: Gerade bei einem Schal kann die Rückseite nach außen umklappen, und eingewebte Fäden bleiben dort sichtbar. Bei glatten Garnen können sie sich außerdem wieder herausarbeiten. Den Unterschied und die Handgriffe zeige ich im Video Fäden einweben beim Stricken.
Wenn etwas schiefgeht
Wenn eine Masche anders aussieht, halte kurz an. Zähle deine Maschen und schau, wo sich das Bild verändert hat. Du darfst auftrennen und noch einmal anfangen. Aufribbeln ist kein Versagen. Mehr dazu steht in Stricken lernen ist mehr als Technik.
Für die Handgriffe helfen dir meine Videos Maschen sicher auftrennen und wieder aufnehmen und Vergrößerte Maschen am linken Rand vermeiden. Weitere Stolperstellen findest du in Zehn Anfängerfehler beim Stricken und Die zehn häufigsten Strickfragen.
Die Maschenprobe
Bevor du einen Pullover beginnst, strickst du mit deinem Garn und deinen Nadeln ein Probestück im Muster der Anleitung. Wasche es so, wie du das fertige Stück pflegen wirst, und lass es trocknen. Miss dann in der Mitte, wie viele Maschen und Reihen auf 10 cm kommen. Die Randmaschen misst du dabei nicht mit.
Das Probestück muss dafür größer als die Messfläche sein. Vergleiche dein Ergebnis mit der Anleitung: Mehr Maschen auf 10 cm bedeuten kleinere Maschen, weniger bedeuten größere Maschen. So erkennst du vor dem Anschlag, ob deine Nadelstärke passt.
Wie du die Maschen zählst, an mehreren Stellen misst und die Nadelstärke anpasst, zeige ich im Video zur Maschenprobe. Zum Weiterrechnen gibt es den Maschenprobe-Rechner; im Ratgeber zur Maschenprobe erkläre ich, warum deine Probe anders aussehen kann als die Angabe auf der Banderole.
Dein erstes Projekt
Ich empfehle als erstes Projekt Pullover Nora oder einen Raglan von oben wie Frozen. Übe vorher an einem kleinen Stück das Anschlagen, rechte und linke Maschen und das Abketten. Dann nimmst du dir die Anleitung Schritt für Schritt vor.
Pullover Nora ist ein Modell für Einsteiger und wird kraus rechts gestrickt. Du strickst einzelne Teile von unten nach oben und nähst sie anschließend zusammen. Der kostenlose Mitstrick-Ratgeber zu Nora führt dich durch die Anleitung und verlinkt das begleitende Video. Die Anleitung als PDF zum Ausdrucken bekommst du im Shop.
Wenn du lieber am Hals beginnst, ist Pullover Frozen mein Vorschlag. Er ist auch für Einsteiger gedacht und wird als Raglan von oben gestrickt. Er wird mit zwei Garnen zusammen gestrickt, Alpaca Bouclé und Brisa; die Mengen stehen auf der Produktseite. Es gibt ihn auch als Strickset Frozen. Der Raglan-Ratgeber erklärt die Konstruktion; mit dem Raglan-von-oben-Rechner kannst du eine eigene Planung durchgehen.
Du möchtest erst etwas Kleineres? Ein kraus rechter Schal ist eine Möglichkeit: Wähle die Breite nach deiner Maschenprobe, schlage die passende Maschenzahl an und stricke in jeder Reihe rechte Maschen. Ist deine gewünschte Länge erreicht, kette ab und vernähe die Fäden. So übst du Anfang, Reihen und Abschluss an einem Stück. Plane die Garnmenge nach der gewünschten Größe oder wähle dafür eine konkrete Anleitung.
Auch ein Tuch oder eine Mütze kann ein kleinerer Einstieg sein. Für eine Mütze hilft dir der Mützenrechner. Wenn du später Socken probieren möchtest, führt dich der Socken-Ratgeber für Anfänger durch die nächsten Schritte.
Von Reihen zu Runden
In Reihen wendest du am Rand. In Runden strickst du im Kreis weiter und schaust normalerweise immer auf dieselbe Seite. Deshalb wird ein Muster in Runden anders übersetzt als in Hin- und Rückreihen. Glatt rechts entsteht dort aus lauter rechten Runden; für kraus rechts wechselst du rechte und linke Runden ab.
Den Übergang erkläre ich in Von Reihen zu Runden, Teil 1. Die ganze Folge findest du in der Playlist Von Reihen zu Runden stricken.
Wo stehst du?
Mit dem Stricklevel-Test kannst du deine nächsten Lernschritte finden; warum ein Etikett wie „Anfänger“ wenig über dich sagt, liest du im Beitrag über Stricklevel.
Häufige Fragen
Kann man Stricken alleine lernen?
Du kannst mit Garn, Nadeln und den Grundlagenvideos selbst anfangen. Arbeite eine Bewegung nach der anderen nach. Wenn eine Stelle nicht klappt, kann dir ein Kurs oder eine Strickgruppe beim Handgriff weiterhelfen.
Welche Wolle ist für Anfänger am besten?
Ich empfehle eine weiche, griffige Merino in heller Farbe für Nadelstärke 4 bis 5. The Merry Merino 110 passt zu dieser Nadelempfehlung. Sehr dünne, flauschige, splittige oder dunkle Garne würde ich für die ersten Übungen liegen lassen.
Welche Nadelstärke brauche ich als Anfänger?
Nimm eine Nadel, die zu deinem Garn passt. Die Banderole ist dein Ausgangspunkt, die eigene Maschenprobe entscheidet. Für The Merry Merino 110 passen 4 bis 5 mm, für die kräftigere 70 sind es 5 bis 6 mm.
Was stricke ich als Erstes?
Meine Empfehlung ist Nora mit dem Mitstrick-Ratgeber oder ein Raglan von oben wie Frozen. Wenn du kleiner anfangen möchtest, nimm einen Schal, ein Tuch oder eine Mütze. Ein kraus rechter Schal lässt sich mit rechten Maschen in jeder Reihe üben.
Ist Maschen aufnehmen dasselbe wie Maschen anschlagen?
Zum Beginn eines neuen Strickstücks schlägst du Maschen an. „Maschen aufnehmen“ kann dagegen heißen, dass du aus einer vorhandenen Kante neue Maschen herausarbeitest, zum Beispiel für eine Blende. Hier beginnen wir mit dem Anschlag auf der leeren Nadel.
