Wenn du ohne tierische Fasern stricken möchtest, lies zuerst die vollständige Zusammensetzung des Garns. Baumwolle, Leinen und Lyocell können dafür infrage kommen. Entscheidend ist die gesamte Mischung: Ein Baumwollgarn mit einem Anteil Wolle erfüllt diesen Wunsch nicht. In unserer Kollektion veganer Garne kannst du mit der Auswahl beginnen. Hier zeige ich dir, wie du aus dieser Auswahl ein Garn für dein Projekt machst.

Was bedeutet „vegane Wolle“?

Im Alltag wird Wolle oft für jedes Strickgarn verwendet. Genau genommen ist Schafwolle eine tierische Faser. Für Baumwolle oder Leinen ist „Garn“ deshalb der passendere Begriff. Wenn du nach veganer Wolle suchst, meinst du wahrscheinlich ein Garn ohne tierische Fasern.

Auf der Banderole oder Produktseite steht die Zusammensetzung meist mit Prozentangaben. Lies alle Bestandteile. Tierische Fasern sind zum Beispiel Schafwolle, Alpaka, Mohair, Kaschmir und Seide. Bei einer Mischung zählt auch ein kleiner Anteil.

Die Faserangabe beschreibt die Fasern. Wenn du eine Bestätigung zur gesamten veganen Herstellung einschließlich Färbung und Hilfsmitteln brauchst, suche nach einer ausdrücklichen Herstellerangabe oder frage vor dem Kauf nach.

Beginne beim Projekt und beim gewünschten Stoff

Überlege zuerst, was du stricken möchtest. Soll ein Sommeroberteil weich fallen? Soll ein Tuch seine Form zeigen? Oder braucht ein Bündchen ein Gestrick, das nach dem Dehnen gut zurückkommt? Das sind verschiedene Anforderungen.

Schau in deiner Anleitung nach dem empfohlenen Garn und der Maschenprobe. Die Nadelstärke ist ein Startpunkt. Sie reicht allein nicht aus, um ein Ersatzgarn auszuwählen. Zwei Garne können mit denselben Nadeln gestrickt werden und trotzdem einen ganz anderen Stoff ergeben.

Fass das Garn an, wenn du die Möglichkeit hast. Stricke eine Probe im vorgesehenen Muster. Lege sie flach hin, halte sie gegen das Licht und lass sie über deine Hand fallen. So siehst du Dichte, Oberfläche und Fall direkt.

So liest du eine Garnangabe

Angabe Was du damit prüfst
Zusammensetzung Welche Fasern enthalten sind und ob tierische Anteile vorkommen
Lauflänge und Gewicht Wie viele Meter ein Knäuel enthält
Maschenprobe Welches Gestrick der Hersteller als Orientierung nennt
Pflegeempfehlung Wie du Probe und fertiges Strickstück behandeln sollst

Die Prozentangaben sollen zusammen die vollständige Zusammensetzung beschreiben. Eine kurze Bezeichnung wie „Baumwollmix“ genügt dir für diese Entscheidung noch nicht. Öffne die ausführliche Produktbeschreibung.

Auch die Farbe löst die Faserfrage nicht. Ein naturfarbener Faden kann tierische Fasern enthalten. Ein gefärbter Faden kann aus rein pflanzlichen oder zellulosebasierten Fasern bestehen. Lies die Angaben zum konkreten Garn.

Ein Beispiel aus dem Shop: Morning Salutation

Morning Salutation von Kremke Soul Wool besteht laut unserer Produktbeschreibung aus 51 % Lyocell und 49 % Baumwolle. Lyocell ist eine industriell hergestellte Zellulosefaser; es ist keine Schafwolle. Das Garn ist damit ein Beispiel für eine Mischung ohne tierische Fasern.

Ein Knäuel enthält 50 g und 110 m. Als Orientierung stehen 20 Maschen auf 10 cm in der Produktbeschreibung. Ob du diese Maschenprobe erreichst und ob dir der Stoff für deine Anleitung gefällt, prüfst du mit deinen Nadeln.

Die Produktbeschreibung nennt einen glatten, fließenden Griff. Das ist ein Grund, bei einem Oberteil auch den Fall deiner Probe anzuschauen. Die Faserzusammensetzung allein beantwortet noch nicht, ob das Garn zu jedem Schnitt passt.

Wasche die Probe vor der Entscheidung

Stricke die Probe etwas größer als die Fläche, die du später ausmessen möchtest. Bei einem Muster nimmst du ganze Musterwiederholungen. Strickst du dein Projekt in Runden, prüfe auch die Maschenprobe in Runden.

Wasche die Probe nach der Pflegeempfehlung und lass sie vollständig trocknen. Miss die Maschen und Reihen in der Mitte, ohne den Stoff auseinanderzuziehen. Schreib dir die Maße vor und nach dem Waschen auf. Prüfe danach noch einmal, wie sich die Probe anfühlt und wie sie fällt.

Wenn die Breite nicht passt, probiere eine andere Nadelstärke. Wenn du die geforderte Maschenzahl erreichst, dir der Stoff aber zu fest oder zu offen ist, suche ein anderes Garn. Die Maschenprobe soll dir einen Stoff liefern, den du gern tragen möchtest.

Für die Umrechnung hilft dir unser Maschenprobe-Rechner. Für die Mengenplanung nutzt du den Garnverbrauch-Rechner. Halte dabei Lauflänge und Knäuelgewicht auseinander: Dieselbe Meterzahl kann bei zwei Garnen unterschiedlich viel wiegen.

Häufige Fragen zu veganen Garnen

Ist jedes Naturgarn vegan?

Nein. Auch Schafwolle, Alpaka und Seide sind natürliche Fasern. „Natürlich“ sagt dir nicht, ob ein Garn tierische Bestandteile enthält.

Ist Baumwolle automatisch das richtige Ersatzgarn?

Prüfe Mischung, Maschenprobe und Stoff. Ein Ersatz für ein Wollgarn soll zur Konstruktion deines Projekts passen. Er darf sich anders anfühlen, aber du musst mit diesem Unterschied planen.

Kann ich ein veganes Garn für Socken verwenden?

Suche ein Garn, das für Socken vorgesehen ist, und prüfe die Anleitung dazu. Ein beliebiges Baumwollgarn ist nicht allein wegen seiner Zusammensetzung die passende Sockenwolle. Sitz, Rücksprung des Gestricks und Pflege gehören zur Auswahl.

Ist ein Garn ohne tierische Fasern automatisch nachhaltiger?

Das lässt sich aus der Faserangabe allein nicht ableiten. Wenn dir auch die Herstellung wichtig ist, lies die konkreten Herstellerinformationen zum Garn und zu seinen Nachweisen.

Die Auswahl übersichtlich halten

Wähle zunächst ein Projekt und zwei passende Garne aus der Kollektion veganer Garne. Vergleiche die vollständige Zusammensetzung, Lauflänge und Maschenprobe. Entscheide dann mit einer gewaschenen Probe. Warum ich die Faserwahl beim Stricken so wichtig finde, liest du im Journalartikel Warum ich gern mit Naturfasern stricke.

Wenn du mit dem gewählten Garn eine Anleitung stricken möchtest, die ein anderes Material vorsieht, zeigt dir der Ratgeber zum Garnersatz die Mengenrechnung. Garn ersetzen und Menge umrechnen.

— Claudia Wersing