Hebemaschen stricken heißt: Hebe eine Masche ungestrickt von der linken auf die rechte Nadel. In einem mehrfarbigen Muster bleibt dadurch die Farbe der vorherigen Reihe sichtbar. Du strickst pro Reihe mit nur einem Faden und bekommst trotzdem ein zweifarbiges Muster. Auch einfarbige Muster lassen sich mit Hebemaschen gestalten.
Im Video Hebemaschentuch stricken zeige ich dir das Grundprinzip an einem Dreieckstuch. Weiter unten findest du die Anleitung für Melody und weitere Tücher mit Hebemaschen.
Hebemasche Schritt für Schritt · Zweifarbig stricken · In Runden · Tuch Melody · Weitere Tücher · Häufige Fragen
Hebemasche Schritt für Schritt
Halte den Faden zunächst hinter den Nadeln. So hebst du eine Masche wie zum Linksstricken ab:
- Stich mit der rechten Nadel von rechts nach links durch den vorderen Teil der nächsten Masche auf der linken Nadel.
- Schiebe die Masche auf die rechte Nadel. Hole dabei keinen neuen Faden durch die Masche.
- Stricke die nächste Masche oder hebe auch sie ab, wie es deine Musterfolge vorgibt.

Die abgehobene Masche behält ihre bisherige Farbe.
Zum Rechtsabheben stichst du wie beim Rechtsstricken von links nach rechts durch den vorderen Teil der Masche. Schiebe sie dann ungestrickt auf die rechte Nadel. Welche Art du brauchst, steht in deiner Anleitung. Im Venja-Video wird links abgehoben, bei Melody werden in den Hinreihen zwei Maschen rechts abgehoben.
Faden vorne oder hinten?
Lege den Faden vor dem Abheben auf die Seite, die deine Anleitung nennt. Für die hier gezeigten Farbmuster bleiben die mitlaufenden Fäden auf der Rückseite des Gestricks:
| Du strickst | Faden beim Abheben |
|---|---|
| Eine Hinreihe, die Vorderseite zeigt zu dir | Hinter den Nadeln |
| Eine Rückreihe, die Rückseite zeigt zu dir | Vor den Nadeln |
| Eine Runde, die Vorderseite bleibt außen | Hinter den Nadeln |
Lass den Faden beim Abheben locker. Er läuft an der ungestrickten Masche vorbei und braucht dafür genug Länge.
Eine Hebemasche ist etwas anderes als eine tiefergestochene Masche. Beim Abheben schiebst du die vorhandene Masche auf die andere Nadel. Beim Tieferstechen strickst du in eine Masche einer tieferen Reihe. Mehr dazu steht unter Patent stricken.
Zweifarbig mit Hebemaschen stricken
Stricke mit einer Farbe und hebe die vorgesehenen Maschen der anderen Farbe ab. Beim nächsten Farbwechsel werden andere Maschen gestrickt oder abgehoben. So greifen die Farben ineinander.
Im Video zum Hebemaschen-Streifenmuster zeige ich einen schmalen Streifen aus sechs Reihen. Du brauchst eine ungerade Maschenzahl. Die Maschen am Rand sind schon in der Musterfolge enthalten.
Beginne mit Farbe A. Stricke in der ersten Reihe abwechselnd eine Masche rechts und hebe eine Masche ab. Ende mit einer rechten Masche. In der Rückreihe strickst du die gestrickten Maschen links und hebst die zuvor abgehobenen Maschen erneut ab. Halte den Faden dabei vor den Nadeln.
Stricke danach eine Reihe rechts und eine Reihe links in Farbe A. Wechsle zu Farbe B und arbeite noch einmal die erste und zweite Reihe. Anschließend strickst du mit Farbe B glatt rechts weiter: Hinreihen rechts, Rückreihen links.

Du arbeitest mit einem Faden. Die abgehobenen Maschen bringen die andere Farbe ins Muster.
Weitere Möglichkeiten findest du unter Mehrfarbig stricken. Für geometrische Flächen schau dir Mosaikmuster stricken an. Eine konkrete Zackenfolge steht unter Zickzackmuster und Chevron stricken.
Hebemaschen zweifarbig in Runden stricken
Halte den Faden beim Abheben hinter den Nadeln. In Runden schaust du durchgehend auf die Vorderseite. Du wendest die Arbeit nicht.
Im Video zu den Ziegelmuster-Pulswärmern zeige ich das auf einem Nadelspiel. Dort werden in den Musterabschnitten zwei Maschen abgehoben und vier Maschen rechts gestrickt. Die abgehobenen Maschen verbinden die farbigen Streifen zu einer Ziegelstruktur.
Arbeite die Farbwechsel und die Zahl der Runden nach der Rundenanleitung. Beim Ziegelmuster bleiben die Maschen über mehrere Runden abgehoben. Die Fadenstücke auf der Innenseite lässt du locker.
Dein erstes Hebemaschentuch: Tuch Melody
Übe das Abheben erst an einem kleinen Probestück. Danach kannst du mit Tuch Melody ein asymmetrisches Dreieckstuch stricken. Du beginnst an der Spitze. Durch Zu- und Abnahmen in den Hinreihen wird das Tuch allmählich breiter und bekommt seine langgezogene Form.
Die Farben wechseln nach jeweils zwei Reihen. Dazwischen wiederholt sich das Hebemaschenmuster. Zum Schluss bekommt das Tuch einen I-Cord, eine schmale gestrickte Kordelkante.

Melody auf der Büste. Das asymmetrische Tuch wird von einer Spitze aus gestrickt.
Für das Originalmodell brauchst du:
- 200 g Noro Tsubame, Farbe 20.
- 200 g Noro Sonata, Farbe 20.
- Eine Rundstricknadel in Stärke 5 mm.
- Eine Wollnadel zum Vernähen.
Plane je Farbe zusätzlich 20 % Garnreserve ein. Verstricke beide Originalgarne jeweils einfädig. Das fertige Tuch ist 190 cm lang und 100 cm breit.
Im ersten Melody-Video geht es um Modell und Material.
Im zweiten Melody-Video zeige ich dir das Stricken vom Anschlag bis zur Abschlusskante. Die ausgeschriebene Anleitung findest du bei Tuch Melody.

Die abgehobenen Maschen lassen die Farben im Melody-Muster ineinandergreifen.
Stricke vor dem Tuch eine Maschenprobe im Muster. Wasche sie, lass sie vollständig trocknen und miss erst danach. Die Anleitung nennt 20 Maschen und 36 Reihen auf zehn Zentimeter. Mit dem Maschenprobe-Rechner kannst du deine Probe auswerten. Wie du das fertige Tuch in Form bringst, steht unter Blocken, Spannen und Waschen.
Weitere Hebemaschentücher
- Tuch Venja im Video: Ein asymmetrisches Tuch mit fünf Farben und Hebemaschen. Dazu gibt es die Anleitung Tuch Venja.
- Hebemaschentuch zum Binden: Im Video stricke ich Tuch Alisa vor. Das lange, schmale Tuch lässt sich umlegen und binden. Hier findest du die Anleitung Tuch Alisa.
- Tuch Ballad kurz vorgestellt: Ballad verbindet Hebemaschen mit kraus rechten Flächen und einem Lochmuster. Die Anleitung Tuch Ballad führt dich durch die Musterwechsel.
Häufige Fragen zu Hebemaschen
Warum zieht sich mein Hebemaschenmuster zusammen?
Lass den Arbeitsfaden beim Abheben locker mitlaufen. Zieh ihn nicht fest, nachdem du eine Masche auf die rechte Nadel gehoben hast. Auch die Tuchkante und die Zunahmen brauchen genug Faden, damit sich der Rand dehnen kann.
Was mache ich mit dem Faden der zweiten Farbe?
Lass ihn am Rand warten, bis du ihn wieder brauchst. Nimm ihn beim Farbwechsel von unten hoch und stricke damit weiter. Führe den ruhenden Faden locker an der Kante mit.
Welche Farben passen zusammen?
Wähle für deine erste Probe zwei Farben, die du gut auseinanderhalten kannst. Auch ein unifarbenes Garn zusammen mit einem Farbverlauf zeigt die Hebemaschen deutlich. Hilfe bei deiner Auswahl findest du unter Die falsche Farbe.
