Mehrfarbig stricken geht auf drei Wegen. Am einfachsten sind Streifen: Du strickst jede Reihe mit einer Farbe. Wechseln sich zwei Farben innerhalb einer Reihe ab, heißt das zweifarbig stricken. Die gerade nicht benutzte Farbe führst du dabei hinten mit. So entstehen Jacquard-, Fair-Isle- und Norwegermuster. Für einzelne große Farbflächen nimmst du ein eigenes Knäuel pro Fläche. Diese Technik heißt Intarsien.
In meinem Colorwork-Video zeige ich dir, wie du mehrere Fäden hältst und beim Stricken locker mitführst.
Neuen Faden ansetzen · Streifen · Fäden mitführen · Intarsien · Weitere Muster · Häufige Fragen
Farbwechsel: einen neuen Faden ansetzen
Nimm die neue Farbe zur Hand und stricke damit die nächste Masche. Lass den Anfangsfaden lang genug hängen, damit du ihn später mit einer Nadel vernähen kannst. Schneide ihn nicht direkt an der Masche ab. Auch vom alten Faden brauchst du ein ausreichend langes Ende zum Vernähen.
Alternativ kannst du die Enden beim Stricken einweben. Dabei wird das lose Ende auf der Rückseite abwechselnd über und unter dem Arbeitsfaden festgehalten. Der Arbeitsfaden ist der Faden, mit dem du gerade strickst.
Ich vernähe meine Fäden lieber. Eingewebte Enden können auf der Rückseite sichtbar bleiben. Gerade bei einem Schal klappt diese Seite leicht nach außen. Bei sehr glatten Garnen können sich eingewebte Enden außerdem wieder herausarbeiten. Im Video zum Fädeneinweben zeige ich dir die Handgriffe und erkläre den Unterschied.
Streifen stricken: in Reihen und in Runden
Streifen in Reihen
Wechsle die Farbe am Reihenanfang. Stricke die gewünschte Streifenbreite und beginne dann den nächsten Streifen. Wenn du jede Reihe rechts strickst, entsteht kraus rechts: eine Fläche mit kleinen Querrippen.
So ist die Jacke Lilith aufgebaut. Ihre kraus rechten Streifen wechseln nach jeweils zwei Reihen die Farbe. Auch eine Temperaturdecke ist eine Möglichkeit, Farbe für Farbe in Reihen zu stricken.
Schneide einen Faden ab, wenn seine Farbe erst viel später wieder gebraucht wird. Führe ihn nicht über einen langen Abschnitt am Rand hoch. Vernähe die Enden nach und nach, damit am Schluss nicht alle auf einmal warten.
Breite Streifen in Runden ohne auffälligen Versatz
Stricke die erste Runde der neuen Farbe ganz normal rechts. Hebe erst am Beginn der zweiten Runde die erste Masche ab. Diese Methode ergibt für mich bei breiteren Streifen das beste Ergebnis.
- Beginne die neue Farbe am Rundenanfang. Stricke eine ganze Runde rechts.
- Hebe am Beginn der zweiten Runde die erste Masche ungestrickt von der linken auf die rechte Nadel. Halte den Faden hinter der Arbeit.
- Stricke die übrigen Maschen dieser Runde rechts.
- Stricke ab der dritten Runde wieder alle Maschen rechts. Beim nächsten Farbwechsel beginnst du erneut mit Schritt 1.
Beim Rundstricken liegen die Maschen wie eine Spirale übereinander. Deshalb entsteht am Farbwechsel leicht eine Stufe. Im Video zu Streifen ohne Versatz zeige ich dir diese Methode und weitere Möglichkeiten.
Für schmale Ringel findest du weitere Erklärungen im Ringelsocken-Kurs. Wenn du noch nie eine Socke gestrickt hast, beginne mit dem Ratgeber Socken stricken für Anfänger.
Zweifarbig stricken: Fäden mitführen bei Jacquard
Stricke die Maschen in der Farbe, die dein Muster vorgibt. Die gerade nicht benötigte Farbe läuft hinter den Maschen mit. Das freie Fadenstück auf der Rückseite heißt Spannfaden. Jacquard, Fair Isle und Norwegermuster begegnen dir als Namen für solche Einstrickmuster.

Jacquard-Probe: oben mit frei laufenden Spannfäden, unten mit eingewebten Fäden. Unten schimmert das Hellblau durch.
Übe zuerst mit zwei Farben und einem kleinen Muster. Am leichtesten gelingt das mit elastischer, leicht haariger Wolle. Je glatter und unelastischer ein Garn ist, desto schwieriger wird es. Wichtig ist, dass beide Fäden mit derselben Spannung laufen. Wie du sie dabei hältst, entscheidest du selbst. Du musst nicht beide Fäden gleichzeitig führen. Du kannst den unbenutzten Faden auch loslassen und für die nächste Farbe wieder aufnehmen.
- Stricke die Maschen der ersten Farbe.
- Lass diesen Faden los und nimm die zweite Farbe auf. Führe sie immer von unten über den ersten Faden. So liegen die Fäden geordnet.
- Stricke einige Maschen und streiche sie dann auf der rechten Nadel nach hinten aus. Sammle sie nicht eng an der Nadelspitze. So wird der Spannfaden dahinter lang genug.
- Wechsle so Farbe für Farbe, wie dein Muster es zeigt.
Spannfäden webe ich nicht ein. Eingewebte Fäden schimmern auf der Vorderseite durch, das siehst du in der unteren Hälfte der Probe. Bei kurzen Farbabschnitten lässt du die Spannfäden einfach frei mitlaufen. Achte darauf, dass der Stoff beweglich bleibt und sich nicht zusammenzieht.
Ist ein Abschnitt sehr lang, häkle die Spannfäden nach dem Stricken hoch. Fasse dafür auf der Rückseite mit einer Häkelnadel eine Masche in derselben Farbe und hole den ersten Spannfaden hindurch. Ziehe dann jeden weiteren Spannfaden einzeln durch die Schlinge auf der Häkelnadel. So sind die Fäden gehalten, und vorne sieht man nichts. Wie das geht, zeige ich im Colorwork-Video ab Minute 12:52.
Stricke vor deinem Projekt eine Maschenprobe im geplanten Farbmuster. Wasche sie, lass sie trocknen und miss erst danach. Prüfe auch, ob sich die Probe locker in die Breite ziehen lässt.
Beim Poncho Aslaug wird in Runden gestrickt. In der gemusterten Schulterpartie kannst du das Mitführen der Farben anwenden.
Intarsien: jede Farbfläche bekommt ein eigenes Knäuel
Verwende für jede zusammenhängende Farbfläche ein eigenes Knäuel. So brauchst du den Faden nicht hinter einer großen Fläche einer anderen Farbe entlangzuführen. Liegt ein Motiv mitten im Hintergrund, brauchst du auch für den Hintergrund rechts und links davon getrennte Knäuel.

Intarsien mit geraden Farbgrenzen: Das rosa Rechteck ist eine eigene Farbfläche.

Intarsien mit schrägen Farbgrenzen: Für die Raute verändert sich die Zahl der blauen Maschen von Reihe zu Reihe.
Verkreuze die Fäden beim Wechsel zwischen den Farbflächen. Lass dafür den bisherigen Faden los. Hole den neuen Faden von unten um den bisherigen Faden herum nach oben. Stricke mit ihm weiter. So verbinden sich die Flächen, und an der Farbgrenze entsteht kein Loch. Ziehe die Stelle nur so weit an, dass die Maschen ihre normale Größe behalten.
Im Zitronen-Video kannst du das mit drei Knäueln mitstricken: einem für das Motiv und je einem für den Hintergrund auf jeder Seite.
Mehrfarbig stricken ohne Fäden mitführen
- Hebemaschen: Stricke mit einer Farbe pro Reihe und hebe einzelne Maschen ungestrickt ab, damit die Farbe der vorigen Reihe im Muster sichtbar bleibt. Mehr dazu unter Hebemaschen stricken.
- Mosaik: Auch hier entsteht das Farbmuster durch abgehobene Maschen, während du mit einer Farbe pro Reihe arbeitest.
- Schattenstrick: Wechsle die Farben in Streifen und ordne rechte und linke Maschen so an, dass ein Motiv je nach Blickwinkel sichtbar wird.
- Double Face: Stricke zwei miteinander verbundene Seiten, bei denen die Farben auf Vorder- und Rückseite die Rollen tauschen.
- Zweifarbiges Brioche: Stricke ein zweifarbiges Patentmuster, dessen Rippen auf den beiden Seiten unterschiedlich hervortreten.
Die Hebemaschen-Streifen im Video kannst du in Jacken, Pullover oder Tücher einbauen.
Wenn du ein Motiv aus rechten und linken Maschen ausprobieren möchtest, lies den Ratgeber Schattenstrick stricken. Die Anleitung Tuch Summoned - Rabe & Runen nutzt diese Technik für ihr Rabenmotiv.
Häufige Fragen zum mehrfarbigen Stricken
Warum zieht sich mein Jacquard zusammen?
Breite die eben gestrickten Maschen auf der Nadel aus, bevor du mit der nächsten Farbe weiterstrickst. Liegen sie eng beieinander, wird der Spannfaden dahinter zu kurz. Er zieht die Maschen später zusammen. Wiederhole das Ausbreiten regelmäßig beim Stricken.
Muss ich die Fäden verkreuzen?
Verkreuze sie bei Intarsien an den Grenzen der Farbflächen. So hältst du die Flächen zusammen. Bei Jacquard hilft eine gleichbleibende Fadenführung, die Fäden geordnet zu halten. Das ist etwas anderes, als einen Spannfaden unterwegs einzuweben.
Welche Farben passen zusammen?
Stricke eine kleine Probe mit deinen Wunschfarben und sieh sie dir zusammen an. Wenn du bei der Auswahl feststeckst, findest du im Beitrag Die falsche Farbe? weitere Anregungen.
