Mit dem Matratzenstich kannst du Strickteile zusammennähen, ohne dass die Naht auf der Außenseite auffällt. Lege die beiden Ränder nebeneinander und nähe von der rechten Seite, also der später sichtbaren Außenseite. Ziehe den Faden nach einigen Stichen stramm. So schließen sich die Ränder zu einer fast unsichtbaren Naht. Das geht bei glatt rechts, kraus rechts und auch bei Lochmustern. Für offene Maschen gibt es den Maschenstich.

Der Matratzenstich ist mein Lieblingsstich zum Zusammennähen. Wie du damit einen Ärmel einnähst, zeige ich dir im Video zur Armkugel.

Bevor du Strickteile zusammennähst

Wasche und spanne deine Strickteile vor dem Zusammennähen. Lass sie vollständig trocknen. Wie das geht, liest du im Ratgeber Strickstücke blocken und spannen.

  1. Bügle Säume und Blenden an ihrer vorgesehenen Faltlinie um, solange die Teile noch einzeln sind. Richte dich dabei nach der Pflegeangabe deines Garns. Drücke das Gestrick nicht platt und erhalte seine Form.
  2. Lass die gebügelten Teile komplett erkalten.
  3. Schließe zuerst die Schulternähte.
  4. Nähe dann die Ärmel in die noch offenen Armausschnitte ein.
  5. Schließe zuletzt die Seitennaht und die untere Ärmelnaht in einem Zug.

Wenn du ein Projekt mit Nähten beginnst, achte schon beim Stricken auf die Randmaschen. Das sind die erste und die letzte Masche einer Reihe. Ein Nahtrand ist besonders fest und eignet sich gut zum Zusammennähen. Mehr dazu findest du unter Randmaschen stricken.

Welcher Faden?

Nimm zum Zusammennähen die Wolle, mit der du gestrickt hast. Reißt sie leicht oder ist sie sehr locker gesponnen, nimm doppeltes Nähgarn. So mache ich es selbst, und in 30 Jahren Strickpraxis habe ich nie gemerkt, dass das der Wolle schadet.

Führe die Nadel unter den Fäden des Gestricks hindurch. Stich nicht in den Wollfaden selbst. Der Nähfaden muss sich frei bewegen können, damit du die Naht später zusammenziehen kannst.

Matratzenstich Schritt für Schritt bei glatt rechts

Lege beide Teile mit der Außenseite nach oben nebeneinander. Bei glatt rechts siehst du dort kleine Maschen in V-Form. Die Ränder, die du verbinden möchtest, liegen direkt gegenüber.

  1. Fädle deinen Nähfaden in eine Wollnadel. Beginne am unteren Ende der beiden Ränder.
  2. Ziehe am linken Teil die Randmasche etwas zur Seite. Zwischen ihr und der nächsten Masche erkennst du kleine waagerechte Fäden. Das sind die Querfäden.
  3. Führe die Nadel unter zwei übereinanderliegenden Querfäden hindurch und ziehe den Nähfaden durch.
  4. Wechsle zum rechten Teil. Nimm dort auf gleicher Höhe ebenfalls zwei Querfäden neben der Randmasche auf.
  5. Nähe abwechselnd links und rechts weiter. Nimm jeweils die nächsten beiden Querfäden. Der Nähfaden läuft zunächst wie eine kleine Leiter zwischen den Teilen.
  6. Ziehe den Nähfaden nach einigen Stichen stramm. Die Ränder rücken zusammen und verdecken den Nähfaden. Nähe auf diese Weise bis zum Ende.

Matratzenstich in Arbeit: Die Nadel verbindet zwei helle Strickränder mit einem dunkelroten Faden.

Hier zeigt ein dunkelroter Faden den Verlauf. Nach dem Zusammenziehen verschwindet der Nähfaden zwischen den Strickrändern.

Matratzenstich bei anderen Mustern

Nähe auch diese Muster von der Außenseite. Passe die Einstichstelle an das Maschenbild an.

Muster Wo du einstichst
Glatt links Nimm jeweils einen Querfaden direkt neben der Randmasche auf.
Kraus rechts Stich in den Querfaden der ersten krausen Masche neben dem Rand. Kraus rechts erkennst du an den waagerechten Rippen.
Patent mit ungerader Maschenzahl Stich in die Mitte der linken Masche neben der Randmasche. Auf der Außenseite muss dort eine linke Masche liegen.
Sehr dickes Garn Stich in die Mitte der Randmasche.

Die Grundlagen dazu findest du in Rechte und linke Maschen stricken und Patent stricken.

Anschlagkante an einen Rand nähen

Lege die Anschlagkante des einen Teils an den seitlichen Rand des anderen. Du verbindest jetzt Maschen in der Breite mit Reihen in der Höhe. Ebenso kannst du eine Abkettkante mit einem seitlichen Rand verbinden.

Als Faustregel entsprechen drei Maschen in der Breite vier Reihen in der Höhe. Bei glatt rechts nähst du so:

  1. Nimm an der waagerechten Kante die beiden Schenkel einer Masche auf. Die Schenkel sind die beiden Seiten des kleinen Maschen-V.
  2. Nimm am seitlichen Rand einen Querfaden auf.
  3. Wechsle weiter zwischen Masche und Querfaden. Überspringe am seitlichen Rand jeden vierten Querfaden.

Bei kraus rechts verbindest du eine Masche in der Breite mit einer Krausrippe in der Höhe. Nimm dafür zwei Maschenschenkel an der Kante und eine Krausrippe am seitlichen Rand auf.

Ärmel und Armkugel einnähen

Stecke zuerst die Armkugel in den Armausschnitt. Die Armkugel ist das gerundete obere Ende des Ärmels. Lege ihre Mitte an die Schulternaht. Schiebe die zusätzliche Weite nach oben in die Rundung und verteile sie dort. Nähe den Ärmel dann mit dem Matratzenstich ein.

Der Ärmel liegt mit seiner gerundeten Armkugel vor dem offenen Armausschnitt.

Lege den Ärmel so an den Armausschnitt, dass du die beiden Rundungen zuordnen kannst.

Die Armkugel ist mit ihrer Mitte an der Schulternaht in den Armausschnitt gesteckt.

Die Mitte der Armkugel ist an der Schulternaht festgesteckt. Danach steckst du die Rundung ringsum fest und nähst die Kanten zusammen.

Armkugel einnähen mit Claudia Wersing auf YouTube ansehen

Seitennaht und Ärmelnaht in einem Zug

Schließe nach dem Einsetzen des Ärmels die Seitennaht und die untere Ärmelnaht als eine durchgehende Naht. Nähe vom unteren Rand des Rumpfs bis unter den Arm und von dort am Ärmel weiter. Nimm die Fäden passend zum Muster auf und ziehe die Naht zwischendurch stramm.

Geschlossene Seitennaht an einem zweifarbig rot gestrickten Kleid auf einer Schneiderpuppe.

Eine fertige Seitennaht im Matratzenstich.

Häufige Fragen

Matratzenstich oder Maschenstich: Was ist der Unterschied?

Verbinde mit dem Matratzenstich die Ränder deiner Strickteile. Mit dem Maschenstich verbindest du offene Maschen. Dabei nähst du den Verlauf der Maschen nach.

Darf ich Strickteile mit Nähgarn zusammennähen?

Ja. Nimm doppeltes Nähgarn, wenn deine Strickwolle leicht reißt oder sehr locker gesponnen ist. Nähe damit genauso im Matratzenstich.

Muss ich bei Raglan von oben nähen?

Nein, ein Raglan von oben lässt sich ohne Nähte stricken. Wie sich Strickrichtung und nahtloses Stricken unterscheiden, liest du unter Nahtlos oder Topdown: Was ist der Unterschied?

Ein Projekt zum Üben: Jacke Irelia

Wenn du das Zusammennähen an einem Kleidungsstück üben möchtest, schau dir die Anleitung zur Jacke Irelia an. Du strickst Rücken, Vorderteile und Ärmel einzeln. Danach schließt du die Schulternähte, setzt die Ärmel ein und nähst die Ärmel- und Seitennähte zu.

- Claudia Wersing