Beim Abnehmen machst du aus zwei oder mehr Maschen eine. Beim Zunehmen bildest du zusätzliche Maschen. So wird dein Strickstück schmaler oder breiter. Welche Technik du verwendest, verändert auch das Maschenbild: Eine Abnahme kann nach rechts oder links neigen. Eine Zunahme kann ein Loch bilden oder sich fast unauffällig ins Gestrick einfügen.

Wähle die Technik, die deine Anleitung nennt, und übe sie zunächst an einer kleinen Probe. Die Zunahmen zeige ich dir an den Nadeln in meinem Raglan-Kurs, Teil 5.

Du möchtest wissen, wo du die Zu- oder Abnahmen in einer Reihe setzt? Dafür gibt es den Ratgeber Maschen gleichmäßig zunehmen und abnehmen und den Verteil-Rechner. Hier geht es darum, wie du die einzelnen Techniken strickst.

Maschen abnehmen

Stricke bis zu der Stelle, an der eine Abnahme vorgesehen ist. Arbeite dann die beschriebenen Maschen zusammen. Bei den folgenden Zweierabnahmen bleibt aus zwei Maschen eine übrig. Deine Maschenzahl wird also um eine kleiner.

Falls dir rechte und linke Maschen noch schwerfallen, beginne mit Rechte und linke Maschen stricken. Der Arbeitsfaden ist der Faden, der zum Knäuel führt. Die beiden Fadenteile einer Masche auf der Nadel heißen Maschenschenkel: Einer liegt vorn, einer hinten.

Rechtsgeneigt: zwei Maschen rechts zusammenstricken

  1. Lege den Arbeitsfaden hinter die Nadeln.
  2. Stich mit der rechten Nadel von links nach rechts durch die nächsten beiden Maschen zugleich. Stich dabei durch ihre vorderen Maschenschenkel.
  3. Hole den Faden durch beide Maschen, als würdest du eine rechte Masche stricken.
  4. Lass beide alten Maschen von der linken Nadel gleiten.

Auf der rechten Nadel liegt jetzt eine neue Masche. Diese Abnahme neigt nach rechts.

Linksgeneigt: zwei Maschen rechts überzogen zusammenstricken

  1. Hebe eine Masche wie zum Rechtsstricken auf die rechte Nadel. Du schiebst sie nur hinüber, ohne einen neuen Faden durchzuholen.
  2. Stricke die nächste Masche rechts.
  3. Hebe die zuvor abgehobene Masche mit der linken Nadel über die gerade gestrickte Masche.
  4. Lass die übergezogene Masche von der Nadel gleiten.

Auch hier bleibt aus zwei Maschen eine übrig. Diese Abnahme neigt nach links. Ich zeige den Ablauf im Ringelsocken-Kurs, Teil 3, ab 18:50.

Strickprobe mit rechts zusammengestrickten und rechts überzogen zusammengestrickten Maschen

Probe mit zwei Arten von rechten Abnahmen: rechts zusammengestrickt und rechts überzogen zusammengestrickt.

Zwei Maschen links zusammenstricken

  1. Lege den Arbeitsfaden vor die Nadeln.
  2. Stich mit der rechten Nadel wie zum Linksstricken durch die nächsten beiden Maschen zugleich.
  3. Lege den Faden um die rechte Nadel und ziehe eine neue Schlinge durch beide Maschen.
  4. Lass beide alten Maschen von der linken Nadel gleiten.

Auf der Vorderseite sieht diese Abnahme aus wie zwei rechts zusammengestrickte Maschen.

Zwei Maschen links verschränkt zusammenstricken

Lege den Faden nach vorn. Stich durch die hinteren Maschenschenkel der nächsten beiden Maschen und stricke beide gemeinsam links ab. Lass erst danach die beiden alten Maschen von der linken Nadel gleiten.

Auf der Vorderseite sieht das Ergebnis aus wie zwei rechts überzogen zusammengestrickte Maschen.

Vorderseite einer Strickprobe mit linken und links verschränkten Abnahmen

Probe mit linken Abnahmen: links zusammengestrickt und links verschränkt zusammengestrickt, von der Vorderseite betrachtet.

Drei Maschen zusammenstricken

Fasse drei Maschen zu einer zusammen, wenn du zwei Maschen auf einmal abnehmen sollst. Welche Masche dabei oben liegt, verändert die Optik. Solche Abnahmen findest du zum Beispiel in Lochmustern und an betonten Raglanlinien.

Die mittlere Masche soll oben liegen: Hebe die ersten beiden Maschen gemeinsam wie zum Rechtsstricken ab. Stricke die dritte Masche rechts. Ziehe die beiden abgehobenen Maschen gemeinsam über diese neue Masche.

Eine äußere Masche soll oben liegen: Stricke alle drei Maschen rechts zusammen. Eine weitere Möglichkeit ist, eine Masche wie zum Rechtsstricken abzuheben, die nächsten beiden rechts zusammenzustricken und die abgehobene Masche darüberzuziehen.

Grüne Strickprobe mit drei zu einer zusammengefassten Maschen

Probe mit Abnahmen aus drei Maschen. Je nach Arbeitsweise liegt eine andere Masche oben.

Mehr als drei Maschen zusammenfassen

Fasse mehrere Maschen zu einer zusammen, wenn das Muster eine starke Abnahme vorsieht. Bei einer ungeraden Zahl kannst du die mittlere Masche stehen lassen: Schiebe die Maschen bis einschließlich der mittleren Masche auf die rechte Nadel. Ziehe dann abwechselnd eine Masche von der rechten und eine von der linken Nadel über die Mittelmasche. Stricke die Mittelmasche anschließend ab.

Eine andere Möglichkeit ist, die übrigen Maschen nacheinander über die erste oder die letzte Masche der Gruppe zu ziehen. Stricke die stehen gebliebene Masche anschließend ab. Die Zahl und Anordnung der Maschen entnimmst du deiner Anleitung.

Blaue Strickprobe mit Abnahmen aus mehr als drei Maschen

Ausschnitt einer Probe, in der mehr als drei Maschen zusammengefasst wurden.

Welche Abnahme neigt wohin?

Technik Neigung auf der Vorderseite
Zwei Maschen rechts zusammenstricken Nach rechts
Zwei Maschen rechts überzogen zusammenstricken Nach links
Zwei Maschen links zusammenstricken Nach rechts
Zwei Maschen links verschränkt zusammenstricken Nach links

Maschen zunehmen

Stricke bis zur vorgesehenen Stelle. Bilde dort eine zusätzliche Masche und arbeite danach dein Muster weiter. Für eine einfache Zunahme hast du anschließend eine Masche mehr auf der Nadel.

Mit einem Umschlag zunehmen

Lege den Arbeitsfaden von vorn nach hinten über die rechte Nadel. Stricke die nächste Masche weiter. Die zusätzliche Schlinge ist der Umschlag.

Stricke den Umschlag in der nächsten Reihe normal rechts oder links ab, wie es das Muster vorgibt. Dabei entsteht ein Loch. Möchtest du das Loch kleiner halten, stricke den Umschlag verschränkt ab, also durch seinen hinteren Maschenschenkel.

Strickprobe mit Zunahmen durch Umschläge und sichtbaren Lochlinien

Umschläge können eine sichtbare Lochlinie bilden. Verschränktes Abstricken verkleinert die Löcher.

Aus dem Querfaden zunehmen: M1R und M1L

Suche den kurzen Faden zwischen der gerade gestrickten und der nächsten Masche. Das ist der Querfaden. Hebe ihn mit der linken Nadel an und stricke daraus eine neue Masche.

M1R, nach rechts geneigt: Führe die linke Nadel von hinten nach vorn unter den Querfaden. Hebe ihn auf die Nadel. Stricke ihn rechts durch den vorderen Maschenschenkel ab.

M1L, nach links geneigt: Führe die linke Nadel von vorn nach hinten unter den Querfaden. Hebe ihn auf die Nadel. Stricke ihn rechts durch den hinteren Maschenschenkel ab.

In beiden Fällen wird der aufgenommene Querfaden verdreht abgestrickt. So bleibt die Zunahme kaum sichtbar. Hebst du den Querfaden ohne diese Verdrehung auf und strickst ihn normal ab, entsteht ein Loch. Aus dem Querfaden kannst du auch eine linke Masche bilden.

Grüne Strickprobe mit Zunahmen aus dem Querfaden

Probe mit Zunahmen aus dem Querfaden neben einer mittleren Maschenspalte.

M1R und M1L im Raglan-Kurs ansehen

Aus einer Masche der Vorreihe zunehmen

Nimm einen Fadenteil einer bereits gestrickten Masche unterhalb der Nadel auf. Hebe ihn auf die linke Nadel und stricke daraus eine zusätzliche Masche. Du kannst dafür rechts oder links der aktuellen Masche ansetzen.

Für die beiden Varianten an einer Raglanlinie zeige ich dir im Raglan-Kurs, Teil 5, welchen Maschenschenkel du aufnimmst und wie du ihn abstrickst.

Blaue Strickprobe mit Zunahmen aus Maschen der Vorreihe

Probe mit Zunahmen aus Maschen der Vorreihe.

Zwei Maschen aus einer herausstricken

  1. Stricke eine Masche rechts. Lass die alte Masche noch auf der linken Nadel liegen.
  2. Stich jetzt in ihren hinteren Maschenschenkel und stricke sie ein zweites Mal rechts ab.
  3. Lass erst danach die alte Masche von der linken Nadel gleiten.

Du hast aus einer Masche zwei gemacht. Du kannst die Reihenfolge auch umkehren: zuerst rechts verschränkt, dann rechts stricken.

Strickprobe mit zwei aus einer Masche herausgestrickten Maschen

Zunahmen durch Herausstricken von zwei Maschen aus einer vorhandenen Masche.

Drei oder mehr Maschen aus einer herausstricken

Stricke abwechselnd eine rechte und eine linke Masche aus derselben Masche. Lass die alte Masche dabei auf der linken Nadel, bis du alle vorgesehenen Maschen herausgestrickt hast. Lass sie erst dann abgleiten.

Für eine ungerade Zahl gibt es noch einen zweiten Weg. Stricke eine rechte Masche heraus, mache einen Umschlag und stricke wieder eine rechte Masche aus derselben alten Masche. Wechsle so weiter zwischen rechter Masche und Umschlag, bis du die benötigte Zahl erreicht hast.

Grüne Strickprobe mit mehreren aus einer Masche herausgearbeiteten Maschen

Probe mit mehreren neuen Maschen, die aus einer Masche herausgearbeitet wurden.

Mehrere Maschen auf einmal neu anschlagen

Schlage zusätzliche Maschen an, wenn dein Strickstück an einer Stelle deutlich breiter werden soll. Das brauchst du zum Beispiel unter den Achseln eines Pullovers.

  • Aufschlingen: Bilde eine Schlinge auf der Nadel und ziehe sie leicht an. Lass sie locker genug, dass du sie in der nächsten Reihe gut abstricken kannst. Im Video Maschen aufschlingen zeige ich dir die Fadenführung.
  • Aufstricken, Methode 1: Stricke eine rechte Masche aus der ersten vorhandenen Masche. Lass die alte Masche auf der Nadel. Lege die neue Masche verdreht zurück auf die linke Nadel. Wiederhole das aus der jeweils neuen ersten Masche. Aufstricken, Methode 1 ansehen.
  • Aufstricken, Methode 2: Bilde die erste neue Masche wie bei Methode 1. Stich für die weiteren Maschen zwischen den letzten beiden Maschen hindurch. Hole den Faden durch und lege jede neue Masche verdreht auf die linke Nadel. Diese Kante wird kompakter als bei Methode 1. Aufstricken, Methode 2 ansehen.

Zu- und Abnahmen im Patent

Nimm im Patent jeweils zwei Maschen auf einmal zu oder ab. So bleibt der Wechsel aus rechten und linken Maschen erhalten. Diese wiederkehrende Gruppe nennt man Musterrhythmus oder Rapport.

Beim Abnehmen strickst du drei Mustermaschen zu einer zusammen. Ein Umschlag gehört immer zu seiner Masche und zählt nicht extra.

Lila Patentprobe mit Abnahmen und durchlaufenden Patentrippen

Patentprobe mit Abnahmen, bei denen die Rippenstruktur weiterläuft.

Blaue Patentprobe mit Zunahmen im Musterrhythmus

Patentprobe mit Zunahmen. Die zusätzlichen Maschen erhalten den Musterrhythmus.

Stricke Patentabnahmen auf der Vorderseite. Wie du sie an beiden Kanten arbeitest und nach innen versetzt, zeige ich dir im Video Patentabnahmen Schritt für Schritt.

Wo Zu- und Abnahmen beim Stricken vorkommen

Am Sockenzwickel: Nach der Ferse nimmst du die zusätzlichen Maschen wieder ab, bis die Socke die vorgesehene Maschenzahl erreicht. Im Ringelsocken-Kurs geschieht das in jeder zweiten Runde. Den ganzen Ablauf findest du unter Socken stricken für Anfänger.

An einer Raglanlinie: Zunahmen machen die Passe eines von oben gestrickten Pullovers breiter. Die Passe ist der obere Bereich mit Schultern, Brust und Ärmelansätzen. Für die Planung helfen dir Raglan von oben berechnen und der RVO-Rechner.

Unter der Achsel: Zusätzliche Maschen können den Rumpf verbreitern, ohne die Raglanlinie länger zu machen. Im Kurs RVO, Teil 13: Achselzunahmen zeige ich dir das Aufteilen in Ärmel und Rumpf.

An Hals- und Armausschnitten: Hier werden oft mehrere Maschen am Rand abgekettet. Das ist ein anderer Handgriff als eine einzelne Abnahme mitten in der Reihe. Für glatte Rundungen zeige ich dir das stufenlose Abketten.

Häufige Fragen zu Abnahmen und Zunahmen

Was ist der Unterschied zwischen zusammenstricken und überzogen zusammenstricken?

Beim rechten Zusammenstricken holst du den Faden durch beide Maschen zugleich. Bei der überzogenen Abnahme hebst du eine Masche ab, strickst die nächste rechts und ziehst die abgehobene darüber. Die erste Technik neigt nach rechts, die zweite nach links.

Welche Zunahme ist unsichtbar?

Stricke den aufgenommenen Querfaden verschränkt ab, wenn die Zunahme kaum sichtbar sein soll. Auch ein verschränkt abgestrickter Umschlag verkleinert das Loch.

Was bedeutet M1R und M1L?

Beides sind englische Abkürzungen für eine Zunahme aus dem Querfaden. M1R heißt „Make one right“ und ergibt eine nach rechts geneigte Masche. M1L heißt „Make one left“ und ergibt eine nach links geneigte Masche.

Wie nehme ich gleichmäßig über eine Reihe zu?

Zähle deine vorhandenen Maschen und lege die gewünschte Zielzahl fest. Gib beides in den Verteil-Rechner ein. Er zeigt dir, an welchen Stellen du zu- oder abnimmst. Die Stricktechnik wählst du passend zu deiner Anleitung.

Warum entsteht ein Loch bei der Zunahme?

Ein normal abgestrickter Umschlag lässt eine Öffnung im Gestrick. Auch ein Querfaden, den du nicht verdreht abstrickst, kann ein Loch bilden. Bei Lochmustern ist das gewollt. Für eine unauffälligere Zunahme verdrehst du die aufgenommene Schlinge beim Abstricken.

Übe die gewünschte Technik an einer kleinen Probe. Wasche die Probe, lass sie trocknen und miss sie erst danach. So kannst du Maschenzahl, Form und Maschenbild in Ruhe prüfen.

- Claudia Wersing
Getaggt: Technik