Fair Isle stricken bedeutet, mit zwei Farben in einer Reihe zu arbeiten. Norwegermuster sind damit verwandt. Mit einem Steek kannst du ein Tuch in Runden stricken, obwohl es später flach sein soll. Der Steek ist ein zusätzlicher Maschenbereich. Du sicherst ihn und schneidest ihn am Ende auf.

Am Tuch Sahara Mirage zeige ich dir den Weg vom Anschlag bis zur fertigen Blende. Den ganzen Kurs findest du in der sechsteiligen Videoreihe. Wie du die beiden Fäden hältst, erkläre ich im Beitrag mehrfarbig stricken.

Das Übungsstück: Tuch Sahara Mirage

Stricke das Tuch von der unteren Spitze nach oben. Es wird ein gleichschenkliges Dreieck. Das kleine Nickituch ist ungefähr 90 cm an der oberen Kante lang und 45 cm hoch.

Wähle eine Grundfarbe und eine Musterfarbe. Je stärker sich Hell und Dunkel unterscheiden, desto deutlicher tritt das Muster hervor. Im Video kombiniere ich Alegria Grande Farbverlauf mit Alegria Grande Semi Solid.

Im Tuch ohne Blende steckt je ein Strang mit 100 g pro Farbe. Mit Blende brauchst du je zwei Stränge. In der Strickprobe des Videos verwende ich Grau und Weiß.

Das Muster ist wie eine Kachel aufgebaut. Ein Rapport, also der Teil, der sich wiederholt, umfasst 20 Maschen und 20 Reihen. Tauschst du Grund- und Musterfarbe, treten andere Flächen hervor.

Prüfe an der Maschenprobe vor allem die Spannung, das Strickbild und den Fall. Ich habe meine Probe vorher gedämpft. Im Muster komme ich auf ungefähr 21 bis 22 Maschen auf 10 cm.

Teil 1: Tuch, Material und die ersten Reihen.

Was ist ein Steek?

Plane einen zusätzlichen Maschenstreifen dort ein, wo das Gestrick später geöffnet werden soll. Diesen Streifen nennt man Steek. Beim Tuch strickst du am Anfang und am Ende jeder Reihe je 5 Steekmaschen.

Nach dem Schließen zur Runde liegen die beiden Bereiche nebeneinander. Zusammen bilden sie den Steek über 10 Maschen. Die bisherigen Randmaschen laufen dann als die beiden mittleren Steekmaschen nebeneinander weiter.

Senkrechte schmale Streifen aus weißen und bunten Maschen zwischen den Musterflächen des Tuchs

Zwischen den Musterflächen verlaufen schmale weiße und bunte Maschenstreifen.

Arbeite in dieser Reihenfolge: Steek planen, stricken, sichern, aufschneiden und versäubern. Seine Maschen verschwinden später in der Blende. Kleine Unregelmäßigkeiten in diesem Bereich sind deshalb kein Problem.

Im Video: die fünf Arbeitsschritte beim Steeken (0:13).

Anschlag und die ersten 20 Reihen in Reihen

  1. Schlage 12 Maschen an. Im Video nehme ich den Kreuzanschlag. Du kannst auch einen anderen Maschenanschlag wählen.
  2. Teile die Maschen in der vorbereitenden Rückreihe auf: 5 Steekmaschen, 2 Mustermaschen und 5 Steekmaschen. Setze einen Maschenmarkierer nach dem ersten und vor dem zweiten Steekbereich. Die Randmaschen sind in den 5 Steekmaschen enthalten.
  3. Stricke die Steekmaschen abwechselnd in Grund- und Musterfarbe. Die Randmaschen kannst du so arbeiten, wie es dir liegt. Im Video stricke ich sie rechts.
  4. Nimm in jeder Musterreihe 1 Masche nach dem ersten Steekbereich und 1 Masche vor dem zweiten zu. Stricke die Zunahmen in Grundfarbe aus dem Querfaden verschränkt: in Hinreihen rechts, in Rückreihen links.
  5. Stricke die Mustermaschen zwischen den Zunahmen nach der Strickschrift. Beziehe die neu zugenommenen Maschen erst in der folgenden Reihe ins Muster ein.

Führe die Zunahmen bis zum Ende des Tuchs weiter, später auch in jeder Runde. Die Grundlagen der verschränkten Zunahme findest du bei Maschen abnehmen und zunehmen.

Führe in Rückreihen beide Fäden vor der Arbeit. Behalte die Position von Grund- und Musterfarbe bei. So vertauschst du ihre Reihenfolge beim Stricken nicht.

Kleines grau-weißes Dreieck auf der Nadel mit gelben Maschenmarkierern an den Seiten

Die ersten grau-weißen Reihen mit gelben Maschenmarkierern.

Teil 1: Anschlag ab 10:45. Teil 2: Reihen 11 bis 20.

Strickschrift bei Zunahmen erweitern

Beginne mit den beiden Mustermaschen in der Mitte der Strickschrift. Beim Weiterstricken wächst das Muster von dort nach rechts und links. Die neuen Maschen kommen außen dazu.

Drucke die Strickschrift dreimal aus und klebe die Rapporte aneinander. Übertrage die bereits gestrickten Reihen darauf. Markiere den mittleren Rapport über 20 Maschen auch im Gestrick mit Maschenmarkierern. Rechts und links davon wächst der Musterbereich um je 1 Masche pro Reihe.

Du kannst die Erweiterung auch mit Stricksoftware, Transparentpapier, Kästchenpapier oder einer Tabelle einzeichnen. Bis zum Ende des Tuchs musst du nicht alles ausdrucken. Der Rapport wiederholt sich. Sobald du das Prinzip erkennst, kannst du die nächsten Maschen abzählen.

Wie du Rapport und Leserichtung erkennst, zeigt dir Strickschrift lesen.

Teil 2: die Strickschrift erweitern (5:25).

Zur Runde schließen

Stricke zuerst den Rapport über 20 Reihen offen. Beginne danach wieder mit Reihe 1 des Musters und stricke auch diese noch offen. Wende am Ende dieser Reihe nicht mehr. Ab der folgenden Reihe 2 arbeitest du in Runden und strickst nur noch rechte Maschen.

  1. Schiebe den Anfang der gerade gestrickten Reihe an die Spitze der linken Nadel.
  2. Lege das Reihenende auf der rechten Nadel an diesen Anfang. Die beiden Steekbereiche treffen jetzt aufeinander.
  3. Ist das Seil der Rundnadel zu lang, ziehe es an einer Stelle zwischen den Maschen heraus. Schiebe die Maschen zu den Nadelspitzen. Du kannst für die kleine Runde auch ein Nadelspiel nehmen.
  4. Stricke weiter nach dem Muster. Ziehe die Steekmaschen am Rundenübergang etwas an. Nimm weiterhin nach und vor dem Steekbereich je 1 Masche zu.

Streiche die Spannfäden beim Stricken aus, damit sie das Gestrick nicht zusammenziehen. Das zeige ich ausführlich bei mehrfarbig stricken.

Bunt-weißes Tuch beim Rundstricken auf einer Rundstricknadel

Das bunt-weiße Tuch auf der Rundstricknadel.

Wiederhole die 20 Musterrunden, bis das Tuch groß genug ist. Im Video habe ich fünf Rapporte übereinander gestrickt. Das ergibt ungefähr 43 bis 44 cm Höhe.

Teil 3: in Runden weiterstricken. Kurzes Video zum zweifarbigen Stricken.

Steek abketten

Kette die mittleren 8 der 10 Steekmaschen ab. Die beiden äußeren Steekmaschen bleiben erhalten. Lege die übrigen Maschen auf einer Nadel oder einem Seil still.

Bring beim Abketten beide Fäden auf dieselbe Seite. Dann kannst du sie später für die Blende weiterverwenden und sparst dir zusätzliche Fadenenden. Die Grundtechnik findest du bei Maschen abketten.

Teil 3: Steek abketten (9:09).

Steek sichern: Häkeln oder Nähen?

Markiere zuerst die Schnittlinie mit einem Heftfaden in einer Kontrastfarbe. Im Tuch liegt sie zwischen den beiden mittleren Steekmaschen. So siehst du beim Schneiden genau, wo du entlangmusst.

Blau-weiße Strickprobe mit gelbem Heftfaden und rosa Nadeln

Ein gelber Heftfaden läuft durch die blau-weiße Probe.

Suche rechts und links der Schnittlinie die Maschensäulen aus, die du sichern möchtest. Maschensäulen sind die senkrecht übereinanderliegenden Maschen. Lege die Sicherung nah an die geplante Schnittlinie.

Wähle die Sicherung passend zum Garn. Je glatter, feiner und weniger filzbar es ist, desto mehr Sicherung braucht es. Ich nähe lieber, von Hand oder mit der Maschine.

Eine gehäkelte Sicherung

Klappe die beiden ausgewählten Maschensäulen gegeneinander und häkle ihre Maschenschenkel stramm zusammen. Dabei verbindest du die Fadenschlingen miteinander. Du stichst mit der Häkelnadel nicht durch die Mitte des Garnfadens.

Gelber Faden und Häkelnadel beim Verbinden zweier Maschensäulen einer Strickprobe

Die Häkelnadel verbindet Maschenschenkel mit gelbem Faden.

Mit der Hand sichern

Nimm Nähgarn doppelt und nähe die ausgewählte Maschensäule mit kleinen Stichen herunter. Stich dabei mehrfach durch die Mitte jedes Garnfadens. Das hält stärker als eine Verbindung, die nur um die Maschenschenkel herumläuft. Arbeite die Sicherung auf beiden Seiten der Schnittlinie. Wenn dir eine Naht nicht reicht, setze eine zweite daneben.

Mit der Nähmaschine sichern

  1. Teste die Einstellung zuerst an einer kleinen Strickprobe. Kontrolliere die Naht von vorne und hinten.
  2. Stelle einen breiten, eng gesetzten Zickzackstich ein. Senke den Füßchendruck. Im Video liegt die Einstellung ungefähr im ersten Drittel. Das Gestrick soll nicht zusammengedrückt werden.
  3. Nähe die gewählte Maschensäule langsam herunter. Ziehe und schiebe das Gestrick nicht. Lass die Maschine es transportieren und führe es nur mit den Händen.
  4. Sichere Anfang und Ende der Naht. Erfasse auch die Maschen an der Abkettkante. Achte darauf, keine zweite Lage des Tuchs mitzunähen.
  5. Nähe auch die andere Seite der Schnittlinie. Für zusätzliche Sicherung kannst du auf jeder Seite eine zweite Zickzacknaht daneben setzen.

Der Steek des bunt-weißen Tuchs liegt unter dem Nähmaschinenfuß

Der Steek wird unter dem Nähmaschinenfuß geführt.

Nimm Nähgarn in einer passenden Farbe. Im Video ist die erste Naht schwarz, damit du sie besser erkennen kannst.

Schwarze Zickzacknähte verlaufen rechts und links der Mitte des Steeks

Schwarze Zickzacknähte verlaufen beiderseits der Mitte.

Teil 4: Schnittlinie und Steekbereich (1:12), Sicherung wählen (2:25) und mit der Maschine sichern (7:40).

Steek aufschneiden

Prüfe vor dem Schneiden noch einmal beide Sicherungsnähte, auch am Anfang und am Ende. Schau nach, ob alle Fäden erfasst sind.

  1. Lege eine Pappe oder ein Ärmelbügelbrett zwischen die Lagen. So liegt der Steek beim Schneiden auf einer festen Unterlage.
  2. Lege Nadelseile und lose Fadenenden aus dem Weg.
  3. Halte das Gestrick unter Spannung. Dadurch erkennst du die Schnittlinie besser.
  4. Schneide mit einer scharfen Schere langsam an deinem Heftfaden entlang. Lass die Schere auf der Unterlage aufliegen.

Eine Schere schneidet den Steek auf einer festen Unterlage zwischen den Sicherungsnähten auf

Die Schere schneidet den Steek auf der Unterlage auf.

Im Video bin ich beim Schneiden kurz von der Mitte abgewichen. Die zweite Zickzacknaht hat gehalten. Deshalb empfehle ich dir den Heftfaden. Lass die Fäden an der Schnittkante liegen und ziehe sie nicht heraus. Sie werden anschließend von der Blende eingeschlossen.

Teil 4: Steek aufschneiden (14:25).

Blende und Endarbeiten

Stricke die stillgelegten Maschen der oberen Kante rechts ab. Nimm dann aus den beiden schrägen Kanten Maschen für die Blende auf. Prüfe dabei noch einmal die Sicherung des Steeks. Jetzt liegt die Schnittkante noch offen und lässt sich nachsichern.

Markiere die drei Ecken. Nimm beim Stricken der Blende jeweils 2 Maschen vor und 2 Maschen nach jeder Ecke eine Masche aus dem Querfaden zu. Stricke in Runden rechts weiter. Die Blende muss etwas breiter werden als der flach liegende Steek, damit er darin Platz hat.

Stricke für die Faltkante eine ganze Runde links ohne Zunahmen. Diese Umbruchrunde bildet die Stelle, an der du die Blende später nach innen klappst. Stricke danach rechts weiter und nimm an den bisherigen Zunahmestellen ab. Wenn beide Blendenhälften gleich breit sind, kette locker ab.

Vernähe die Fadenenden in dem Bereich, den die Blende verdeckt. Bringe das Tuch durch Dämpfen, Spannen oder Blocken in Form. Dabei kommt Feuchtigkeit ins Garn und trocknet in der gewünschten Form wieder heraus.

Klappe die Blende an der Umbruchrunde nach innen und stecke sie fest. Der Steek soll locker und ohne Zug darin liegen. Nähe die Blende mit Blindstichen an: Fasse einen Maschenbogen des Tuchs und einen Maschenbogen der Blende direkt unter der Abkettkante. Ziehe die Naht zwischendurch wieder etwas auseinander, damit sie dehnbar bleibt.

Die umgeklappte Blende wird mit einer Nadel von Hand an das Tuch genäht

Die umgeklappte Blende wird von Hand angenäht.

Teil 5: Blende stricken und Teil 6: Endarbeiten und Blende annähen.

Fair Isle an Pullover und Pullunder

Der Pullunder Emerald Isle ist ein Fair-Isle-Pullunder mit Steeks. Im Strickpodcast zum Entwurf zeige ich dir das Modell.

Beim Pullover Hecate strickst du eine Rundpasse mit Jacquard-Muster von oben nach unten. Dazu passt das Colorwork-Video mit Tipps zur Norwegertechnik.

Häufige Fragen

Muss ich den Steek nähen oder reicht Häkeln?

Wähle die Sicherung nach dem Garn. Je glatter, feiner und weniger filzbar es ist, desto mehr Sicherung braucht es. Ich nähe lieber. Beim Nähen stichst du durch den Garnfaden. Beim Häkeln verbindest du die Maschenschenkel miteinander.

Was passiert, wenn ich mich beim Aufschneiden verschneide?

Im Video bin ich kurz von der Schnittlinie abgewichen. Die zweite Zickzacknaht hat gehalten. Markiere deshalb die Linie vorher mit einem Heftfaden und schneide langsam. Ziehe an einer abweichenden Stelle keine Fäden heraus. Im Video habe ich die Stelle liegen gelassen und später in der Blende eingeschlossen.

Warum zieht sich Fair Isle zusammen, und was hilft?

Zu straffe Spannfäden ziehen das Gestrick zusammen. Streiche sie beim Stricken aus. Bringe das fertige Tuch mit Feuchtigkeit in Form und lass es so trocknen. Das gleicht Spannungsunterschiede aus und glättet das Maschenbild.

- Claudia Wersing